Als smarte Datenkraken sammeln Webbrowser zahlreiche Daten, die viel über den Benutzer verraten. Wer Privatsphäre schätzt, sollte daher ab und an im Browser aufräumen.
Ob Firefox, Chrome, Opera, W3m, Internet Explorer, Safari, Links oder Arora: Webbrowser zählen zu den am häufigsten genutzten Programmen. Um uns das Leben zu erleichtern, lassen wir die Software dabei eine Vielzahl von Informationen über uns und unser Verhalten sammeln. Dafür gelangen wir in den Genuss von Annehmlichkeiten wie automatischer Ergänzung von URLs und Zugangsdaten oder vorausschauender Inhaltspufferung [1]. Am Beispiel des frisch überholten Firefox 57 untersuchen wir, wo die über uns gesammelten Informationen liegen, wie wir diese sichtbar machen und wie wir alles entfernen können, was nicht mehr gebraucht wird.
Grundeinstellungen
Das Verhalten von Firefox legen Sie über den Menüpunkt Bearbeiten | Einstellungen fest. Alternativ tippen Sie in der Adresszeile statt einer URL die Zeichenfolge about:preferences ein oder klicken auf den Schalter mit den drei waagerechten Strichen oben rechts in der Menüleiste (Abbildung 1) und wählen dann im Aufklappmenü das Zahnrad-Symbol aus.
Das Dialogfenster für die Einstellungen enthält links ein Auswahlmenü mit übergeordneten Begriffen und rechts die Detailinformationen zum Menüpunkt. Viele Details verstecken sich in Untermenüs und zusätzlichen Fenstern, was die Orientierung erschwert. Uns interessieren hier erst einmal nur die Festlegungen zum Datenschutz (Abbildung 2). Daran schrauben Sie herum, indem Sie den entsprechenden Menüpunkt aus der Liste auswählen oder in der Adressleiste den Kurzlink about:preferences#privacy eingeben.
Chronik und Aktivitäten
Über die im Punkt Schutz vor Aktivitätenverfolgung zusammengefassten Optionen blockieren Sie bekannte Webseiten, die Ihre Aktivitäten mitschneiden. Gemäß den Voreinstellungen nutzt Firefox die Basisversion der Blockierliste von Disconnect [2]. Das Menü unter der Schaltfläche Blockierliste ändern bietet die Möglichkeit, die Filterregeln anzupassen. So wechseln Sie zwischen den beiden Modi Grundlegender Schutz und Strenger Schutz. Mozilla empfiehlt, nicht alle Tracker zu blockieren, damit Webseiten wie erwartet funktionieren. Zusätzlich schließen Sie Webseiten aus, von denen Sie sich nicht verfolgen lassen möchten.
Im Abschnitt Chronik regeln Sie, ob und wie Firefox den Verlauf der von Ihnen besuchten Webseiten protokollieren soll. In der Voreinstellung legt Firefox automatisch eine solche Chronik an. Für mehr Privatsphäre stellen Sie die Einstellung auf niemals anlegen um oder ändern sie auf nach benutzerdefinierten Einstellungen anlegen. Danach lassen sich noch weitere Einstellungen betreffend der Privatsphäre anpassen (Abbildung 3).

Abbildung 3: In den Einstellungen zur Chronik, lässt sich auch die Gültigkeit von Cookies festlegen.
Den Verlauf sehen Sie in der aktuellen Version des Browsers entweder in der per [Strg]+[H] geöffneten Seitenleiste ein oder über das Menü unter Bibliothek | Chronik (Abbildung 4). Darüber stöbern Sie in den aktuell besuchten Seiten, analog dazu auch in den Einträgen aus früheren Zeiträumen. Ein Druck auf [Entf] genügt, um einen erfassten Eintrag zu löschen. Über das Eingabefeld darüber lösen Sie eine Suche nach dem angegebenen Begriff aus und hüpfen flink zum gewünschten Eintrag. Um die gesamte Chronik zu entfernen, bemühen Sie entweder den Menüeintrag Bibliothek | Chronik | Neueste Chronik löschen oder markieren alle fraglichen Zeiträume im Dialogfenster.

Abbildung 4: Den Verlauf der im Browser geöffneten Webseiten zeigt Firefox in der Seitenleiste oder über das Menü an.
Cookies beseitigen
Wenn Sie jemanden zum Kaffeeplausch treffen, um das Neueste zu erfahren, bietet der Gastgeber oft ein paar Kekse an. Besuchen Sie mit dem Browser eine Internetseite, reicht auch diese Ihnen ein paar Cookies, in diesem Fall in Form kleiner Textdateien, die der Browser lokal speichert.
Diese entgegengenommenen Dateien helfen der besuchten Webseite, Sie beim nächsten Besuch über eine darin abgelegte Session-ID wiederzuerkennen. So müssen Sie sich beispielsweise nicht neu anmelden, etwa bei einem Forum oder einem Webmailer. Auch andere Informationen, etwa ob und wie häufig Sie die Seite besuchen und mit welchen Einstellungen Sie surfen, sprich: der Browsertyp sowie Sprach- und Ländereinstellungen, landen in der Keksdose des Browsers.
Nicht alle Kekse schmecken nun gleich gut. So lässt sich etwa über Cookies Malware in den Browser einschleusen und dann zum Beispiel zum Auslesen kritischer Daten oder zum Ausspähen des Surfverhaltens nutzen. Aufgrund von Sicherheitslücken ließen sich beispielsweise auch schon Cookies von einer Webseite von fremden Seiten auslesen.
Beim Aufrufen einer Webseite fangen Sie sich neben Cookies der abgerufenen Domain oft noch sogenannte Drittanbieter-Cookies ein. Steuern Sie zum Beispiel die Internetseite eines Reiseanbieters an, finden Sie neben den einzelnen Angeboten immer einen der typischen Like-Buttons von Facebook. Dieses direkt von den Facebook-Servern abgerufene Element setzt beim Laden der Webseite des Reiseanbieters nun auch ein Facebook-Cookie, das der Social-Media-Dienst dann auslesen kann, um Ihnen zielgerichtet Werbung zu präsentieren.
Lange fragten nur wenige Webseiten um Zustimmung für dieses Vorgehen, doch das hat sich inzwischen geändert: Das Telemediengesetz verpflichtet nun die Betreiber, Sie über die Verwendung von Cookies zu informieren. Ab Mai 2018 tritt zudem die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) in Kraft. Ab dann benötigt jede Webseite, die Cookies setzen möchte, Ihre Einwilligung dazu [3].
Die abgelegten Cookies sehen Sie sich über die Schaltfläche Cookies anzeigen an (Abbildung 5) und entfernen sie bei Bedarf. Einerseits fällt es schwer, hier die Übersicht zu behalten. Andererseits schränkt es die Funktion vieler Webseiten ein, wenn Sie das Ablegen von Cookies komplett blockieren: Ein typischer Online-Shop oder ein Forum wirft Sie dann beispielsweise bei jedem Seitenaufruf wieder aus dem System, sodass Sie sich fortlaufend neu anmelden müssten.
Browsercache leeren
Der Browser-Cache dient als Zwischenspeicher für die von Ihnen besuchten Internetseiten. Ressourcen wie Seiteninhalte und Bilder bewahrt der Browser für den Fall auf, dass Sie die Webseite später noch einmal öffnen. So muss er beispielsweise großformatige Bilder oder wiederkehrende Seitenelemente wie etwa Stylesheets beim erneuten Seitenaufbau nicht noch einmal aus dem Netz laden. Das reduziert das zu übertragende Datenvolumen und beschleunigt den Seitenaufbau.
Der Cache spielt seinen Vorteil allerdings nur dann komplett aus, wenn es sich um eine statische Seite handelt und die Webseite in der Zwischenzeit nicht auf dem Server aktualisiert wurde. Dynamische Inhalte verändern zudem bei jedem Seitenaufruf die Webseite, sodass im Cache nur veraltete Daten liegen – hier nützt der Puffer nichts.
In der Voreinstellung organisiert Firefox den Cache automatisch, der Standardwert liegt dabei bei 350 MByte (Abbildung 6). Bei Bedarf lässt sich das automatische Cache-Management ausschalten und der Zwischenspeicher limitieren. Mit einem Klick auf Jetzt leeren entfernt Firefox sämtliche Spuren von der Festplatte. Alternativ können Sie über das Menü und Bibliothek | Chronik | Neuste Chronik löschen nur die Daten der letzten Stunden löschen.
Formulardaten löschen
Firefox merkt sich alles, was Sie im Netz an Daten in Eingabefelder eintippen, wie etwa Name und E-Mail-Adresse beim Abonnieren eines Newsletters oder Ihre Anschrift beim Bestellen eines Artikels in einem Online-Shop. Dies hilft, dass bei der nächsten Eingabe der E-Mail-Adresse gleich mit Eingabe des ersten Buchstabens die E-Mail-Adresse komplett erscheint.
Sind Sie um den Schutz Ihrer Daten besorgt, können Sie diese im Menü über Bibliothek | Chronik | Neueste Chronik löschen wieder löschen. In dem daraufhin erscheinenden Fenster (Abbildung 7) wählen Sie zuerst den gewünschten Zeitraum aus und aktivieren danach in den Details die Box Eingegebene Suchbegriffe und Formulardaten.

Abbildung 7: Formulardaten und andere benutzerspezifische Daten löschen Sie gezielt über die Chronik.
Das Löschen einzelner, ausgewählter Formularfelder gelingt an dieser Stelle nicht. Dazu müssen Sie die Webseite mit dem entsprechenden Formular öffnen, mit der linken Maustaste doppelt in das Formularfeld tippen und dann mit den Pfeiltasten den zu entfernenden Eintrag auswählen. Mit der Taste [Entf] löschen Sie ihn dann aus dem Verlauf.
Blocken und Filtern
Um die Möglichkeit für Angriffe über den Webbrowser möglichst zu verringern, hilft es, zusätzlichen Code in Form von Javascript zu unterdrücken. Beliebte Firefox-Addons dafür sind NoScript [4] oder uMatrix [5]. Auch Adblocker wie etwa uBlock Origin [6] sorgen dafür, dass der Browser nur das lädt, was Sie möchten. Firefox bietet zudem den Betrieb in einem privaten Fenster an (Neues privates Fenster), in dem sich Firefox weder Cookies noch Formulardaten merkt.
Alternativ sperren Sie den Webbrowser in eine abgeschottete Umgebung ein, etwa eine virtuelle Maschine. Das erscheint zwar auf den ersten Blick umständlich, bremst Angreifer aber definitiv aus und lässt sich bei der Leistungsfähigkeit heutiger Hardware ohne Leistungseinbußen realisieren. Mit Firefox 57 lagert der Browser aber inzwischen ohnehin viele Aufgaben in eine Sandbox aus, die vom Rest des Systems getrennt arbeitet [7]. Der Kniff mit einer virtuellen Maschine lohnt sich daher kaum noch.
Fazit
Wie im Alltag gilt auch für Firefox: Aufräumen fällt mitunter schwer, befreit jedoch von altem Ballast. Es hilft, sich dabei eine gewisse Regelmäßigkeit anzugewöhnen und nicht nur den Browsercache zu leeren. Auch Cookies und Formulardaten gehören in den virtuellen Mülleimer. Für die Chronik gilt dasselbe wie für Lesezeichen – sortieren Sie alle Einträge aus, die Sie nicht mehr benötigen.
Über die Autoren
Frank Hofmann arbeitet von unterwegs, bevorzugt in Berlin, Genf und Kapstadt, als Entwickler, Trainer und Autor. Er ist Koautor des Debian-Paketmanagement-Buchs (http://www.dpmb.org). Mandy Neumeyer arbeitet im Tourismus und lebt seit neun Jahren in Südafrika. Sie baut zur Zeit ein zusätzliches Einkommen als digitaler Nomade auf.
Infos
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Webseiten optimieren: Gerold Rupprecht, Frank Hofmann, “Beschleunigt”, LU 06/2015, S. 92: https://www.linux-community.de/34587
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Disconnect: https://disconnect.m/e
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“Quatsch oder Pflicht?”: https://www.e-recht24.de/artikel/datenschutz/8451-hinweispflicht-fuer-cookies.html
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NoScript: https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/noscript
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uMatrix: https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/umatrix
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uBlock Origin: https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/ublock-origin
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“Firefox 57 Brings Better Sandboxing on Linux”: https://www.bleepingcomputer.com/news/security/firefox-57-brings-better-sandboxing-on-linux









