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© racorn, 123RF

Latte-Dock als Alternative für KDE Plasma

Heiß aufgebrüht

Latte-Dock schließt eine Lücke auf dem KDE-Desktop: Es vereint clevere Funktionen und optische Spielereien zu einem nützlichen Helfer für den Alltag.

Docks zum Verankern oft genutzter Anwendungen erfreuen sich unter Linux seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit, während sie bei Mac OS X schon immer zum Alltag auf dem Desktop gehören. Plank [1] brachte den Dock-Stil von Apples Betriebssystem als erstes Imitat überzeugend auf den Linux-Desktop.

Zu den häufig verwendeten Startleisten unter Linux zählen außerdem der Avant Window Navigator (AWN), Cairo Dock, Docky oder das spartanische Wbar. Speziell für den KDE-Desktop gab es seit KDE 3 bereits Tools wie KXDocker, Kooldock, KSmoothDock oder Daisy, die sich aber nie weit verbreiteten.

Ein Dock für Plasma

Seit Kurzem hat sich mit Latte-Dock [2] ein neuer Starter für den aktuellen Plasma-Desktop hinzugesellt. Die Software entstand, als sich die Entwickler der beiden mittlerweile eingestellten Projekte Now Dock und Candil Dock zusammentaten, anstatt in Konkurrenz zueinander zu entwickeln. Für den Einsatz des Programms empfehlen die Entwickler Plasma ab Version 5.9, es funktioniert aber selbst mit der momentan weit verbreiteten Version 5.8.

Es gibt Latte-Pakete und PPAs für verschiedene Distributionen wie Ubuntu/Debian, KDE Neon, OpenSuse, Fedora, Arch und Gentoo. Alternativ installieren Sie das Tool über ein Skript, vorausgesetzt das System verfügt über die jeweiligen Abhängigkeiten.

Im Test kam Latte-Dock unter KDE Neon mit Plasma 5.10 zum Einsatz. Bei der Installation aus dem Quellcode half das besagte Skript. Den Quellcode erhalten Sie, indem Sie auf der Projektseite auf Github oben rechts auf Clone or Download klicken und dort das ZIP-Archiv herunterladen. Haben Sie die Media-Edition dieser Ausgabe erworben, finden Sie den derzeit aktuellen Quellcode auf dem beiliegenden Datenträger. Eine Unterseite der Projekt-Homepage führt die jeweiligen Abhängigkeiten [3] auf.

Bei KDE Neon waren rund 200 MByte an Paketen hauptsächlich mit der Endung -dev einzuspielen. Die Installation aus dem Quellcode resultiert derzeit in Version 0.6.8 des Programms. Die zum Herunterladen angebotenen Pakete enthalten dagegen meist ältere Versionen.

Nach der Installation der Abhängigkeiten (Listing 1) rufen Sie aus dem entpackten Verzeichnis Latte-Dock als normaler User mit dem Befehl ./install.sh das Skript auf. Nach Abschluss der Arbeiten starten Sie das Programm dann über das jeweilige Menü oder via Terminal.

Listing 1

### Paketquellen auffrischen und Abhängigkeiten installieren
$ sudo apt update
$ sudo apt install cmake extra-cmake-modules qtdeclarative5-dev libqt5x11extras5-dev libkf5iconthemes-dev libkf5plasma-dev libkf5windowsystem-dev libkf5declarative-dev libkf5xmlgui-dev libkf5activities-dev build-essential libxcb-util-dev libkf5wayland-dev git gettext libkf5archive-dev libkf5notifications-dev libxcb-util0-dev
### Quellcode aus Github holen und Programm bauen
$ git clone https://github.com/psifidotos/Latte-Dock
$ cd Latte-Dock
$ ./install.sh

Dabei greift Latte die Icons der gerade laufenden Anwendungen auf und bringt deren Fenster nach einem Klick auf das jeweilige Icon im animierten Dock in den Vordergrund (Abbildung 1). Diese verschwinden wieder, wenn Sie die jeweilige Applikation schließen. Um Latte mit einem Sortiment an Programmen zu versorgen, ziehen Sie die entsprechenden Icons aus dem K-Menü auf das Dock.

Abbildung 1: Das Latte-Dock am unteren Bildschirmrand und das klassische KDE-Panel ausgeklappt links.

Mit und ohne Panel

Latte erscheint standardmäßig zentriert am unteren Bildschirmrand und verschwindet nach unten. Führen Sie den Mauszeiger mittig zum unteren Bildschirmrand führen, bringt das die Leiste wieder zum Vorschein, die dann die Kontrollleiste von KDE zum Teil überlagert. Es empfiehlt sich also, dieses Panel oder das Dock an eine der anderen Seiten des Desktops zu verschieben.

Um das Panel zu verschieben, führen Sie den Mauszeiger ganz rechts in der Leiste auf die drei horizontalen Striche und öffnen die Konfiguration. Nach einem Klick auf Bildschirmkante können Sie die Leiste nach oben, rechts oder links an den Rand bewegen und dort verankern.

Vergleichen Sie nun das Panel mit dem Dock, fällt auf, dass in beiden Bereiche eine Fensterleiste residiert: Sowohl die rechts des K-Menüs platzierte Leiste als auch das Dock zeigen die derzeit laufenden Anwendungen. Bei Einsatz des Docks bietet es sich daher an, die Fensterleiste aus der Kontrollleiste zu entfernen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Latte-Dock unten; links das KDE-Panel nur mit Systemtray und ohne Leiste für die geöffneten Fenster.

Das gelingt, indem Sie wieder in die Konfiguration des Panels gehen und den Mauszeiger in den Bereich der Fensterleiste bringen. Daraufhin erscheint eine Schaltfläche, die das Entfernen der Fensterleiste über ein rotes "X" erlaubt. Nun beschränkt sich der Panel-Inhalt auf das K-Menü sowie den Systemabschnitt mit den installierten Widgets.

Genauso ist es möglich, mit zwei Instanzen von Latte-Dock (und ganz ohne KDE-Kontrollleiste) einmal die Fensterleiste mit den Programmen und an anderer Stelle den Systemabschnitt mit den Widgets zu zeigen.

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