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Als digitaler Nomade unterwegs

Office im Rucksack

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Arbeiten Sie, wo Sie möchten, anstatt im Großraumbüro. Digitale Nomaden in der IT machen genau das – und verbinden damit Reisen und Broterwerb.

Viele Menschen mögen es, abseits der Heimat unterwegs zu sein und auf dem Weg möglichst viel Neues kennenzulernen. Als digitaler Nomade besteht die Kunst darin, diese Freiheit gekonnt zu nutzen und mit einem Einkommen zu verbinden, das dieses Unterwegssein ohne viel Ballast finanziell gestattet. So ein Lebensstil passt nicht zu jedem und nicht zu jeder Phase des Lebens. Er ermöglicht aber eine veränderte Balance zwischen Arbeit und Leben, die vielen vermutlich gut täte.

Das Wirken als digitaler Nomade ist kein ganz neues Format: Inzwischen gehört es zum festen Bestandteil der Arbeitskultur von Selbstständigen im Kreativ- und IT-Bereich. Wer einmal Feuer gefangen hat, kommt davon selten wieder los. Wir geben Tipps für Einsteiger und Erfahrene, die aus der eigenen Praxis stammen.

Immer unterwegs

Unabhängig Arbeitende heißen umgangssprachlich Selbstständige, Freiberufler, Freelancer, digitaler Nomade oder neudeutsch Location Independent. Dabei vermischen sich inhaltlich mehrere Bereiche, eine saubere Trennung fällt oft schwer. Alle fünf genannten Varianten drehen sich aber im Kern um den selbstständigen Erwerb des Einkommens.

Selbstständig heißt, auf eigene Rechnung zu arbeiten und nicht zwingend bei einem Unternehmen angestellt zu sein. Stattdessen arbeitet man unabhängig und ausschließlich auf Basis eines Vertrags, der sich in der Regel auf ein bestimmtes Projekt oder eine zeitlich begrenzte Kooperation bezieht (siehe Kasten "Selbstständigkeit in Deutschland").

Selbstständigkeit in Deutschland

Nach deutschem Recht dürfen Freiberufler nur den Tätigkeiten nachgehen, die nicht der Gewerbeordnung unterliegen, und insbesondere keine Tätigkeit im Handel ausüben. Zur der Berufsgruppe der Selbstständigen zählen Anwälte und Steuerberater, Künstler, Ärzte, Journalisten, Schriftsteller, freie Dozenten, Softwareentwickler und Übersetzer [1]. Freelancer – auch Honorarkraft, Contractor oder freier Mitarbeiter genannt – dürfen dagegen Arbeitnehmer, Freiberufler oder Gewerbetreibender sein [2].

Während ein Teil der Tätigkeiten einen festen Arbeitsort erfordern, gilt das für digitale Nomaden und Location Independents nicht. Aus historischer Perspektive handelt es sich bei Nomaden um Menschen oder Volksgruppen, die traditionell mit ihrem (zumeist überschaubaren) Hab und Gut von Ort zu Ort ziehen. Sie schlagen ihr Lager für kurze Zeit genau da auf, wo es Ihnen gerade richtig erscheint und ein Überleben gelingt.

Digitale Nomaden sind die neuzeitliche Variante dieses eher archaischen Konzepts mit weitgehendem Fokus auf Dienstleistungen unter Einsatz von Hardware und Software [3], wobei das Internet für die entsprechende Vernetzung sorgt. 1997 prägten die Autoren Tsugio Makimoto und David Manners den Begriff "digitaler Nomade" mit ihrem gleichnamigen Buch [4].

Die zunehmende Miniaturisierung und Digitalisierung der Arbeitsmittel (Werkzeuge), die Spezialisierung der Arbeitsfelder sowie der Ausbau der technischen Infrastruktur fördert diese Form der Arbeit gegenwärtig immer stärker. Was für den Bergmann Hammer und Meißel waren, sind für den mobilen IT-Spezialisten die Kombination aus speziellen Kenntnissen, Laptop, Smartphone und allerlei zusätzlichen technischen Geräten.

Der Unterschied zwischen digitalen Nomaden und Location Independents liegt darin, dass das Einkommen des digitalen Nomaden nicht zum Leben an jedem beliebigen Teil der Erde ausreicht. Während ein hoher Lebensstandard unter Ausnutzung von weltweit unterschiedlichen Lohnniveaus und Lebenshaltungskosten in vielen Ländern gelingt, hat der Location Independent zusätzlich den Vorteil, seinen Arbeitsplatz wirklich an jeden Teil der Erde verlegen zu können – selbst nach London, New York oder München, also in Städte und Länder mit hohem Preisniveau. Der Schritt zum digitalen Nomaden ist also einfacher, der Schritt zum Location Independent braucht mehr Zeit und nicht selten Glück.

Vielfach nimmt die Außenwelt nur den Besitz und den geschickt wirkenden Umgang mit der passenden, mobilen, elektronischen Technik in einer nach Urlaub aussehenden Atmosphäre wahr. Das greift viel zu kurz: Jenseits dieser vermeintlichen Leichtigkeit stehen organisatorische und technische Hürden, die es zu meistern gilt.

Motivation

Digitale Nomaden bringen viele Eigenschaften mit, die auch ein normaler Unternehmer unbedingt braucht: Dazu zählen Neugierde, Offenheit, Disziplin, Flexibilität und Geschick beim Organisieren. Der Wunsch nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, Variabilität und Kontrolle über den eigenen Tagesablauf außerhalb einer klassischen Arbeitswelt spielt dabei eine große Rolle. Viele Menschen in kreativen Berufen schätzen zudem die Unkompliziertheit bei der Auswahl des Arbeitsorts, die ihnen hilft, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen.

Die digitale Technik und dadurch gegebene Flexibilität erleichtert außerdem den Wunsch des Nomaden nach der Ferne. Sie ermöglicht den Spagat zwischen dem Alltag mit der Arbeit und dem Entdecken von Neuem. Um das zu erfüllen, bedarf es eines Einklangs mit Projekten und Zeitzonen, in denen sich die Beteiligten gerade aufhalten. Für den Abgleich, wie spät es gerade an einem anderen Ort der Welt ist, hat sich Zeitzonen.de [5] als sehr nützlich erwiesen. Es bereitet die Unterschiede sehr gut auf (Abbildung 1) und verbindet das mit hilfreichen Fakten zum jeweiligen Land. Weiterhin integriert es Informationen zur Zeitumstellung sowie einen Rechner für die Währung und Einheiten.

Abbildung 1: Die Webseite Zeitzonen.de informiert nicht nur über die lokalen Zeiten sowie Sommer- und Winterzeit, sie bietet darüber hinaus einen Rechner für Einheiten und Währungen.

Um einen Aufenthalt an einem anderen Ort mitzufinanzieren, eignet sich House Sitting [6] oder Pet Sitting [7]. Das hat den Vorteil, dass Sie gleich ein sogenanntes "Home away from home" haben, ohne lange in lokalen Zeitungen oder auf lokalen Webseiten nach mietbaren Unterkünften vor Ort zu suchen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass Sie auf diese Weise oft mietfrei für den Zeitraum wohnen, in dem Sie Haus, Hof und Tiere bewachen.

Daneben gibt es komplette Ressorts wie das Kohub [8] in Thailand, die sich vollständig auf die Zielgruppe der digitalen Nomaden eingestellt haben. Zum Paket gehören Unterkunft, zwei Mahlzeiten am Tag, Equipment, organisierte Events und Räume samt Technik zum Arbeiten. Aufschlagen und loslegen lautet hier die Devise – für alles andere sorgt der Anbieter.

Hostels vor Ort eignen sich nur bedingt für den Aufenthalt, da sich hier nicht selten eine eher kontraproduktive, vom Nachtleben angehauchte Zusammenkunft von vornehmlich jüngeren Reisenden findet. Klappt es mit der Unterkunft, reisen Sie damit unter Umständen der Sonne oder einem Hobby durch die Saison hinterher, was für Kite-Surfer oder Taucher attraktiv ist.

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