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Die unabhängige Distribution Void Linux im Test

Alles neu

Viele abgespeckte Distributionen für betagte Computer wollen primär Einsteiger ansprechen. Wollen Sie dagegen auch auf alten Einkern-Prozessoren neue Technologien einsetzen, und schrecken Sie vor der Kommandozeile nicht zurück, dann sollten Sie sich Void Linux ansehen.

Viele Linux-Distributionen basieren auf etablierten Varianten des freien Betriebssystems und übernehmen damit bewährte Technologien. Doch zunehmend tauchen auch unabhängig aus den Quellen entwickelte neue Linux-Derivate auf, die sich vor allem an Anwender mit älterer Hardware richten und den Fokus auf ein schlankes System legen. Das aus Spanien stammende und noch sehr junge Void Linux [1], soeben erst in der zweiten Version erschienen, sieht sich dagegen als Allrounder für unterschiedlichste Hardware-Plattformen. Neben einem ressourcenschonenden Design zeichnet sich "The Void" vor allem durch eine Vielzahl neu entwickelter Kernkomponenten aus, die auch vor dem Paketmanagement und sogar dem Init-System nicht halt machen.

Void Linux steht in Varianten für herkömmliche Computersysteme mit 32-Bit- oder 64-Bit-Architektur bereit sowie in einer Version für ARM-basierte Rechner wie den Raspberry Pi, wobei die Entwickler hier auch das ältere ARMv6-Design berücksichtigten [2]. Somit lassen sich auch RasPi-Modelle der ersten Generation unter Void problemlos nutzen.

Als minimale Hardware-Voraussetzungen für Intel-basierte Systeme nennen die Entwickler einen Pentium-4-Rechner mit lediglich 96 MByte Arbeitsspeicher und 350 MByte freiem Speicherplatz. Auch bei 64-Bit-Rechnern erhöhen sich RAM- und Plattenplatzbedarf nicht. Für den Einsatz grafischer Desktops empfehlen sich allerdings 256 MByte oder 512 MByte Arbeitsspeicher.

Auch die Desktop-Auswahl präsentiert sich vielfältig: Es gibt Images mit Cinnamon, Enlightenment, LXDE, LXQt, Maté und XFCE als Arbeitsoberfläche. Zusätzlich bietet das Projekt Images ohne voreingestellte Desktop-Umgebung zum Herunterladen an. Alle Abbilder beanspruchen weniger als 600 MByte Speicherplatz, sodass sie sich bequem auf CD-Rohlinge brennen und in PCs mit entsprechenden Laufwerken nutzen lassen.

Rasant

Void Linux startet sehr zügig in ein Live-System, das bereits im Bootmanager die Option bietet, das Betriebssystem komplett in den Arbeitsspeicher zu kopieren. Diese Verfahrensweise empfiehlt sich vor allem bei sehr betagten 32-Bit-PCs mit langsamen optischen Laufwerken und veralteten USB-Anschlüssen der ersten Generation, von denen kein zügiger Start gelingt. Nach Auswahl einer der Optionen bootet das System binnen kürzester Zeit in eine schlichte grafische Oberfläche (Abbildung 1).

Abbildung 1: Void Linux startet erstaunlich schnell auch in einen Cinnamon-Desktop.

Aufgrund der Verwendung ressourcenschonender Arbeitsoberflächen beansprucht Void dabei tatsächlich nur sehr wenig Speicher: Auf einem Testsystem mit LXQt-Desktop und 256 MByte physikalischem Arbeitsspeicher gelang der Start bei einem Speicherverbrauch von lediglich etwa 110 MByte. Auch der im Vergleich dazu etwas "fettere" Cinnamon-Desktop startete auf derselben Maschine, arbeitete anschließend jedoch bei voller Arbeitsspeicherauslastung sehr träge.

Auf einem weiteren Testgerät mit Einkern-Prozessor und 512 MByte RAM agierte die Cinnamon-Umgebung dagegen deutlich lebhafter. Der Speicherbedarf summierte sich dabei inklusive des Cache-Speichers auf rund 190 MByte. Von daher liegt es nahe, Oberflächen wie Cinnamon, XFCE oder Maté eher auf Maschinen mit mindestens 512 MByte Arbeitsspeicher zu betreiben.

Auch auf den Massenspeichern fällt Void Linux nicht durch übermäßigen Ressourcenverbrauch auf: Unsere LXQt-Installation kam in der Standard-Installation mit 950 MByte Festplattenspeicher aus, während die Cinnamon-Variante etwa 1,2 GByte Platz beanspruchte.

Individuell

Wie bereits die teils erheblich differierenden Image-Größen erwarten lassen, variiert der in den Live-Varianten verfügbare Software-Bestand je nach Desktop-Umgebung. So findet bei LXQt beispielsweise der schlanke Qupzilla als Webbrowser Verwendung, bei den anderen Arbeitsoberflächen dagegen Firefox. Auch die Verwaltungswerkzeuge unterscheiden sich je nach Desktop und bestehen teils aus einzelnen Tools, teils aus einem integrierten grafischen Programm, das alle Einstellungen unter einer einheitlichen Oberfläche bündelt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Unter Cinnamon lässt sich der Desktop bequem grafisch anpassen.

Generell beschränken sich die unterschiedlichen Void-Varianten von Haus aus auf einen gegenüber anderen Distributionen deutlich reduzierten Softwarebestand. Die spartanische Ausstattung ist den geringen Größen der ISO-Images geschuldet, die noch auf eine CD als Datenträger passen sollen: Da bleibt schlichtweg kein Platz für Boliden wie LibreOffice oder Gimp. Nichtsdestotrotz lässt sich in jeder Variante des Betriebssystems eine Internet-Verbindung aufbauen und anschließend benötigte Software aus den Repositories in das System einspielen.

Voreingestellt enthalten die einzelnen Varianten lediglich die beiden Untermenüs Accessories und Internet. Beide führen nur wenige installierte Anwendungen auf: So finden Sie im Untermenü Internet ohne Ausnahme nur einen Webbrowser, das Menü Accessories listet ausschließlich einige Verwaltungsprogramme wie Dateimanager oder Bildbetrachter auf. Die jeweils desktopspezifischen Einstellprogramme bringt Void jedoch von Haus aus mit, sodass Sie systemspezifische Settings vornehmen und den Desktop anpassen können, ohne dazu Software aus dem Internet laden zu müssen.

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