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© Dmitriy Syechin, 123RF

Schlanke Webbrowser unter Linux

Abgespeckt

Linux bietet eine überraschende Fülle an schlanken Webbrowsern als Ersatz für Ressourcenfresser wie Mozilla Firefox und Google Chrome. Während die einen eher spartanisch wirken, geben sich andere überraschend komfortabel.

Webbrowser wie Firefox und Chrome verschlingen heutzutage Arbeitsspeicher gigabyteweise. In den etwas angegrauten PC passen oft gar nicht mehr so viele RAM-Riegel hinein. Erfeulicherweise bieten die meisten Linux-Distributionen in ihren Paketlisten auch schlankere Webbrowser-Alternativen an. Die neueren davon, wie etwa Qutebrowser [1], bauen wie Apples Safari und neuerdings Opera auf Webkit als Rendering-Engine auf. Doch auch Webkit gilt nicht unbedingt als allzu sparsamer Geselle.

Da erscheint ein Blick auf jene Browser angeraten, die schon recht lange existieren und sich beim Ressourcenverbrauch weniger unverschämt geben. Sie lassen sich grob in zwei Kategorien aufteilen: Webbrowser mit grafischer Oberfläche unter X und Webbrowser für den Textmodus. Letztere laufen also auf der Konsole, in einem Terminal-Emulator oder entfernt per SSH. Auch hier gibt es Ausnahmen: Manche Exemplare bieten auch noch eine grafische Oberfläche auf der Konsole mittels Framebuffer, einer beherrscht sogar alle drei Varianten.

Wir haben uns sieben dieser extraschlanken Webbrowser für Sie genauer angesehen. Alle finden sich in den Repositories von Debian 8 "Jessie" und den aktuellen Debian-Derivaten wie Ubuntu oder Linux Mint. Als Testplattform diente ein Thinkpad 760XD von 1997 mit 80 MByte RAM unter Debian 8.

NetSurf

NetSurf [2], der Größte unter den Kleinen, wird aktiv weiterentwickelt; die neueste Version 3.3 erschien Anfang 2015. Das Debian-Paket der Version 3.2 mit GTK-Oberfläche braucht rund 4 MByte auf der Platte, im Betrieb greift der Browser schon bei nur einer geöffneten Seite 104 MByte RAM ab. Spätestens bei vielen offenen Tabs sorgt dies auf Rechnern mit wenig RAM für Geschwindigkeitseinbußen, da das System dann Teile des Webbrowsers in den Swap-Bereich auslagern muss.

Dafür bietet NetSurf aber auch am meisten. Neben der besten CSS-Unterstützung (CSS 2.1) in der Runde und damit auch der optisch ansprechendsten Darstellung heute typischer Webseiten bietet er als einer der wenigen auch Javascript-Support, den Sie allerdings explizit in den Einstellungen aktivieren müssen. Zum Einsatz kommt eine ältere Mozilla-Javascript-Bibliothek, die auf extrem Javascript-lastigen Webseiten teilweise zu Schwierigkeiten führt.

So bemängelt Gmail einen "unbekannten Browser" und zeigt nur die HTML-Variante an, Google Maps erscheint als reinweiße Seite und beim Aufruf von OpenStreetMap crasht NetSurf. Github rendert NetSurf bei ausgeschaltetem Javascript problemlos, mit Javascript braucht die Ansicht einer Projektseite selbst auf einem Rechner mit 2-GHz-CPU und 4 GByte RAM Ewigkeiten.

Ansonsten glänzt NetSurf mit vielen Einstellmöglichkeiten, eingebauten (jedoch manuell zu aktivierenden) Ad- und Popup-Blockern sowie einer Anzeige der Ladedauer (Abbildung 1). Auch das von den gängigen Browsern her bekannte [Strg]+[+] und[Strg]+[-] zum Ändern der Schriftgröße unterstützt NetSurf als einziger in der Konkurrenz.

Abbildung 1: NetSurf mit mehreren geöffneten Tabs. Letztere lassen sich wahlweise oben oder unten anordnen.

Neben der GTK-Variante gibt es NetSurf auch als Framebuffer-Variante (Paket netsurf-fb) für eine grafische Oberfläche auf der Linux-Konsole. Meist müssen Sie dazu allerdings noch explizit den Framebuffer-Kernel-Treiber laden (auf dem Testrechner etwa mit modprobe tridentfb) und Berechtigungen anpassen. Dauerhaft aktivieren Sie den Treiber gegebenenfalls durch einen Eintrag in /etc/modules. Im Test zeigte NetSurf auf der Konsole jedoch nur einen schwarzen Bildschirm und crashte dann.

Dillo

Auch bei Dillo handelt es sich um einen aktiv entwickelten Webbrowser für X. Er setzt jedoch nicht auf GTK auf, sondern auf den schlankeren Fast Light Toolkit FLTK. Entsprechend wirken manche Elemente der Benutzeroberfläche (Abbildung 2) etwas untypisch. Aktuell ist die Version 3.0.5, die Entwickler arbeiten derzeit an Version 3.1.

Abbildung 2: Dillo mit mehreren geöffneten Tabs. Der "Käfer" unten rechts signalisiert die Anzahl der gefundenen HTML-Fehler in der Seite.

Dillo [3] unterstützt eingeschränkt CSS 2. Damit rendert er moderne Webseiten oft ansehnlicher als die meisten anderen Browser in dieser Runde, kommt aber nicht an die Qualität von NetSurf heran. Dafür braucht er unter gleichen Bedingungen mit 27 MByte Arbeitsspeicher nur ein Viertel dessen, was NetSurf konsumiert, und gibt sich auch auf der Platte mit 1,3 MByte Platzbedarf schlanker. Wie bei NetSurf dürfen Sie auch bei Dillo vieles einstellen, von der Größe der Navigationsknöpfe bis zu Feineinstellungen des Renderers. Dazu gilt es, die Konfigurationsdatei dillorc zu bearbeiten.

Während des Aufbaus einer Seite zeigt Dillo an, wie viele eingebettete Bilder er schon lädt, wie groß die heruntergeladene Seite ausfällt und wie viele HTML-Fehler die Seite enthält. Eine kleine Unschönheit: In der Standardeinstellung gibt Dillo Unmengen an Debug-Meldungen in dem Terminal aus, in dem Sie ihn aufgerufen haben. Beim Aufruf über ein Menü des Betriebssystems fällt das freilich nicht auf.

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