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© Gano10, Photocase

Regionale Vernetzung der Berliner Linux User Groups

Unter einem Dach

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Berlin gilt als laut, bunt und vielfältig. In dieses Bild passen auch die verschiedenen Linux User Groups, die sich gemeinsam über das Portal Lug.berlin vorstellen.

Berlin lebt vor allem durch seine Vielfalt, Größe und kreative Eigendynamik, die es nicht immer so leicht für jeden Zugezogenen erfassbar macht. Das Zusammenwachsen der Hauptstadtregion [1] mit etwa 6 Millionen Bewohnern fußt auf seiner Historie und den inzwischen miteinander verwachsenen, lokalen Zentren und Kiezen. Das spiegelt sich auch in der Mentalität der Bewohner und insbesondere in deren enger Verbundenheit zu "ihrem Stadtbezirk" und "ihrer Straße" wider. Da erscheint es nur ganz natürlich, dass nahezu jede Ecke mit einer eigenen Linux User Group (LUG) oder einem themenspezifischen Stammtisch glänzt. Obendrein kommt es zu einer recht großen Fragmentierung und Fluktuation der in den LUGs organisierten Benutzer – nicht nur über das Berliner Stadtgebiet hinweg, sondern über die gesamte Hauptstadtregion. Das ist eine Besonderheit und auch gut so. Im LU-Artikel "Communities verbinden" [2] aus dem Jahr 2010 berichteten wir bereits ausführlich über diese Vielfalt, die mittlerweile eher noch zu- als abgenommen hat.

Übergreifend

Eine lose Verbundenheit zwischen den einzelnen LUGs [3] bestand schon immer, wurde jedoch seit 2008 um übergreifende Treffen erweitert. Diese Zusammenkünfte fanden zwei- bis dreimal im Jahr an unterschiedlichen Orten und stets in den Vereinsräumen einer gastgebenden LUGs statt; ein gemeinsamer Stand auf dem Berliner Linuxtag verstärkte die Präsenz. Diese Events führten in der Gesamtheit dazu, dass seitdem ein deutlich stärkerer Austausch zwischen den einzelnen Interessengruppen besteht sowie eine regionale Kooperation, die Veranstaltungen, Install-Partys mit Erster Hilfe rund um Linux sowie Vorträge und Workshops für alle Altersgruppen einbezieht.

Rückblickend gesehen stellte sich Letzteres leider nicht so stark ein, wie ursprünglich erhofft. Zu den Gründen dafür zählen unter anderem Faktoren wie begrenzte Manpower der Aktiven, sich verändernde Lebenssituationen mit einer Interessen- und Werteverschiebung (Ende der Ausbildung oder des Studiums, Wechsel in den Beruf, veränderte Anstellung, Familiengründung) sowie ein anderes Kommunikationsverhalten aller Interessierten. Als sichtbare Begleiterscheinung des Generationswechsels fällt schlicht und einfach ein anderer Umgang mit den Zugangsmitteln auf – Smartphone und die Überall-Verfügbarkeit des Internets als Flatrate oder via Freifunk [4]. Bestehende Informationsströme verlagerten sich von Mailinglisten und News zu Kommunikationsplattformen mit einem kommerziellen Hintergrund, wie etwa Xing, Twitter, Facebook, Google Plus und Meetup [5]. Einerseits bilden sich über die dort hinterlegten, persönlichen Profile und bekundeten Interessenschwerpunkte der Teilnehmer neue soziale Netzwerke – andererseits wächst damit das verfügbare Angebot und erfordert von jedem Beteiligten eine persönliche Entscheidung, welchem Thema er weitere Lebenszeit zugesteht.

In der Betrachtung darf man nicht außen vor lassen, dass sich auch die gesellschaftliche Wahrnehmung von Linux als solches gewandelt hat. Linux hat seinen Exotenstatus als reines Experten- und Bastelsystem hinter sich gelassen und stellt vielfach seine Alltagstauglichkeit unter Beweis, insbesondere in heterogenen Betriebssystemlandschaften. Zu diesem Wandel in der Sichtbarkeit trug eine kluge Politik bei, indem die öffentliche Hand dem Thema Open Source größere Bedeutung einräumte und es auch finanziell unterstützte, zum Beispiel durch das Berliner Unternehmernetzwerk Open Source Berlin (OSB). Aushängeschild ist die in diesem Rahmen entstandene Plattform Open IT Berlin [6], die die kommerziellen Akteure aus dem Bereich Open Source an einer zentralen Stelle bündelt und sichtbar macht (Abbildung 1). Open IT Berlin zählt zur Initiative "Projekt Zukunft" des Landes Berlin und zielt darauf ab, die verschiedenen Akteure aus den Bereichen Open Source, Open Hardware und Open Standards / Interoperabilität zusammenzubringen.

Abbildung 1: Berliner Akteure zu Open Source auf einen Blick.

Der Weg zu Lug.berlin

Neuen Schub bekam das ganze Thema regionale Vernetzung durch die Verfügbarkeit der Top Level Domain .berlin ab März 2014. Gleichzeitig gab die ICANN [7] ähnliche Top Level Domains für andere Städte und Regionen frei (siehe Tabelle "Regionale TLDs (Auswahl)"). Flugs wurde daher Lug.berlin reserviert, um diese Internetadresse für die Vernetzung der LUGs nutzen zu können [8].

Regionale TLDs (Auswahl)

Ort Top Level Domain
Bayern .bayern
Hamburg .hamburg
Köln: .koeln
London .london
New York City .nyc
Nordrhein-Westfalen .nrw
Tokio .tokio
Wien .wien

Die Idee einer überregionalen Informationsplattform steht dabei im Vordergrund. Das Portal bietet eine visuelle Übersicht, wo welche LUG beheimatet ist. So kann es als eine Art Sprungbrett dienen, von dem aus Sie als Besucher mit möglichst nur einem Klick zu anderen lokalen Gruppen aus Ihrem Stadtbezirk sowie dem Berliner Umland gelangen. Damit verbindet es alle separaten Portale der LUGs miteinander und bringt Menschen mit gleichen Interessen zusammen. Die Inhalte der anderen Webseiten werden nicht gespiegelt.

Das Portal beantwortet vier Fragen: "Wer ist in meiner Nähe?", "wen gibt es denn noch?", "wer ist umgezogen?" und "was könnte für mich interessant sein?" Es soll Sie neugierig darauf machen, was heute noch in Ihrem Kiez stattfindet. Dazu integriert das Portal eine interaktive Karte auf der Basis von OpenStreetMap (Abbildung 2). Somit klärt sich auch die Frage des genauen Ortes und des Anfahrtswegs. Jeder Eintrag für eine LUG besteht aus dem jeweiligen Logo sowie Zusatzinformationen, wie etwa der genauen Adresse, einer Kurzbeschreibung, der URL der Webseite und weiteren Informationen zur Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Eintragung erfolgt moderiert auf der Basis eines Formulars [9], damit alle benötigten Informationen in einem Rutsch zusammenkommen und danach zeitnah eingepflegt werden können.

Abbildung 2: Die interaktive LUG-Karte auf Lug.berlin.

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