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© Sergii Teplov, 123RF

Fernsehen mit Telekom Entertain und Vodafone TV

Let Me Entertain You

Wer Telekom Entertain oder Vodafone TV abonniert hat, muss nicht zwingend einen teuren Receiver anstöpseln. Zum Fernsehen via Internet genügt bereits ein Linux-Rechner mit einem passenden Mediaplayer.

Unter der Bezeichnung Entertain vertreibt die Deutsche Telekom derzeit recht aggressiv ihr Internet-Fernsehen (kurz: IPTV). Wer einen der neuen MagentaEins-Tarife abschließt, bekommt Entertain meist automatisch aufgedrückt [1]. Der Konkurrent Vodafone offeriert ganz ähnliche Pakete unter dem Namen Vodafone TV [2]. In beiden Fällen sollen Kunden die Fernsehprogramme mit einem speziellen, vom Provider zu mietenden Receiver ansehen.

Tatsächlich braucht man die kleine Kiste jedoch nur zum Empfang der verschlüsselten Programme – alle freien Sender lassen sich auch direkt unter Linux betrachten. Die dabei verfügbaren Sender hängen vom jeweiligen Anbieter ab. Grundsätzlich stehen alle öffentlich-rechtlichen Programme sowie die Sender von ProSiebenSat1 und der RTL-Gruppe parat. Während die Privaten nur in Standardauflösung unverschlüsselt senden, lassen sich die öffentlich-rechtlichen Programme auch in HD genießen.

Kunden von Vodafone TV können zudem einige Spartensender empfangen, wie etwa Tele 5 oder Eurosport. Bei der Telekom dagegen sind diese Programme verschlüsselt und lassen sich daher nur über den offiziellen Receiver ansehen.

Zahlenpuzzle

Zur Wiedergabe der frei empfangbaren Programme benötigen Sie lediglich einen Linux-Rechner, der am Internet hängt, sowie ein geeignetes Abspielprogramm. Infrage kommen unter anderem VLC und der MPlayer2. Beide liegen in den Repositories aller größeren Distributionen, Sie müssen nur einen der beiden über den Paketmanager installieren.

Anschließend folgt ein etwas kniffliger Teil: Jeder Fernsehkanal sendet unter einer eigenen IP-Adresse. Das Programm des ZDF stellt die Telekom beispielsweise unter der Adresse rtp://@239.35.10.5:10000 bereit. Diese IP-Adressen verraten jedoch weder Telekom noch Vodafone, sodass Sie sich diese notgedrungen im Internet zusammensuchen müssen. Eine erste Anlaufstelle bieten dabei die Internetseiten der jeweiligen Sender. Die aktuellen Adressen sämtlicher ARD-Anstalten finden Sie beispielsweise auf den Informationsseiten von ARD-Digital [3]. Den dort aufgelisteten IP-Adressen müssen Sie noch jeweils bei Entertain ein rtp://@ und bei Vodafone TV ein udp://@ voranstellen. Ans Ende gehört zudem die aufgeführte Portnummer, bei der Telekom lautet sie stets :10000.

In Foren und Blogs tragen fleißige Helfer hin und wieder Listen mit sämtlichen Programmen zusammen. Da sich die IP-Adressen der Sender in der Vergangenheit jedoch immer mal wieder geändert haben, sind einige dieser Listen mittlerweile veraltet. Eine aktuelle Tabelle für Telekom Entertain mit allen frei empfangbaren Sendern (Abbildung 1) liefert das Entertain Change(B)log [4]. Für Vodafone ließ sich bis Redaktionsschluss keine derartige Aufstellung ausfindig machen. Kunden von Vodafone TV können jedoch unter VLC eine vorgefertigte Playlist nutzen – dazu später mehr.

Abbildung 1: Das Entertain Change(B)log liefert nicht nur alle IP-Adressen, sondern stellt auch noch eine Playlist für VLC bereit.

Da schau her

Sobald Sie die Internetadresse Ihres Lieblingssenders ermittelt haben, müssen Sie diese VLC beziehungsweise MPlayer2 mitteilen. Im Fall des MPlayer2 rufen Sie einfach in einem Terminal mplayer mit der Adresse als Parameter auf:

$ mplayer rtp://@239.35.10.5:10000

Dieses Beispiel würde bei Telekom Entertain ein Fenster mit dem Programm des ZDF anzeigen. Wenn Sie den VLC Media Player verwenden, wählen Sie in seinem Hauptmenü Medien | Netzwerkstream öffnen, tippen in das Fenster aus Abbildung 2 die IP-Adresse ein und klicken auf Wiedergabe. Das Programm erscheint dann wie in Abbildung 3 im Hauptfenster.

Abbildung 2: Mit dieser Angabe würde VLC nach einem Klick auf Wiedergabe …
Abbildung 3: … bei Telekom Entertain das Programm von Tagesschau24 anzeigen.

In jedem Fall können Sie das Fenster mit der Maus verkleinern und vergrößern. Unter Umständen entstehen dabei schwarze Balken am oberen und unteren Rand. Der Menüpunkt Video | Zoomen | 1:1 Original bringt das VLC-Fenster auf Originalgröße. In den Vollbildmodus schalten Sie den VLC-Player über Video | Vollbild, den MPlayer2 mit [F].

Wenn ein Programm wie das aus Abbildung 4 im Interlace-Modus (Zeilensprungverfahren [5]) sendet, können Sie den VLC-Player mit Video | Deinterlace | Automatisch die Streifen eliminieren lassen. Via [Umschalt]+[D] aktivieren Sie den De-Interlacer im MPlayer2. Eine andere Audiospur wählen Sie im VLC-Player unter Audio | Audiospur, im Mplayer über die Taste [#]. Auf diese Weise schalten Sie beispielsweise bei Arte auf die französische Variante um.

Abbildung 4: Die im Interlace-Modus gesendeten Halbbilder führen bei schnellen Bewegungen zu Kammartefakten – wie hier am Berg gut zu erkennen.

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