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© Elena Elisseeva, 123RF

Mit Acpitool und Powertop die Notebook-Laufzeit optimieren

Energiewende

Ein schlecht kalibrierter Akku oder ständig eingeschaltete Komponenten zwingen ein Notebook unterwegs schnell in die Knie. Zwei clevere Tools zum Energiemanagement sorgen für lange Laufzeiten.

Fernab der Steckdose blickt mancher mit bangem Blick auf den Ladestand des Laptop-Akkus. Zwar greift moderne Hardware auf etliche Kniffe zurück, um Strom zu sparen; die ACPI-Modi mit ihren unzähligen Optionen arbeiten jedoch häufig abhängig von der jeweils vorhandenen Hardware.

Aktuelle Geräte erlauben außerdem, viele Komponenten im Betrieb zu konfigurieren, was ebenfalls den Energieverbrauch mindert. Die kleinen Kommandozeilenprogramme Acpitool und Powertop helfen dabei, hier stets den Überblick zu behalten und zu vermeiden, dass dem Notebook vorzeitig der Strom ausgeht.

Das ACPI-Dilemma

Das Advanced Configuration and Power Interface (ACPI) entstand 1996 als Nachfolger des APM-Standards. Seither hat sich ACPI stetig weiterentwickelt und berücksichtigt neue Technologien wie USB, PCIe oder SATA. Da nicht mehr wie beim Vorgänger APM das BIOS, sondern das Betriebssystem die Kontrolle über ACPI ausübt, sind die beiden Standards inkompatibel. ACPI setzt in die jeweilige Hardware implementierte Funktionen voraus, weswegen sich für ältere Rechner ohne die entsprechenden Routinen ausschließlich der alte APM-Standard zum Energiemanagement eignet.

Unter Linux und anderen freien Betriebssystemen kommt in aller Regel die ursprünglich von Intel entwickelte ACPICA zum Einsatz. Das Betriebssystem ruft dabei die im BIOS und anderen Komponenten integrierten DSDT-Tabellen auf und steuert anhand dieser die einzelnen Betriebszustände des Computers.

Bald nach seiner ursprünglichen Spezifikation avancierte ACPI aufgrund der immer höheren Verbreitung von Mobilcomputern zur Schlüsseltechnologie. Deswegen brachte Microsoft um 1999 eine eigene, zur Intel-Spezifikation nicht voll kompatible Variante von ACPI für Windows heraus. Hardware-Hersteller testen ihre neuen Komponenten aufgrund der Windows-Dominanz meist nur gegen die Microsoft-Spezifikation, weswegen unter Systemen, die die Intel-Implementation nutzen, unter Umständen Fehler auftreten. Wie Bill Gates einmal kundtat [5], führte Microsoft dieses Problem bewusst herbei, um alternative Betriebssysteme zu behindern.

Doch die Linux-Entwicklergemeinde, gegen die sich die Bemühungen Microsofts in erster Linie richteten, hat inzwischen viele der Probleme im Zusammenhang mit ACPI gelöst: So greift Linux mittlerweile auf die Windows-Modi zurück, indem es sich gegenüber dem BIOS als Windows ausgibt. Problematische Reaktionen auf fehlerhafte DSDT-Tabellen korrigieren die Entwickler in vielen Fällen in kurzer Zeit nach deren Bekanntwerden, sodass Notebooks, die bereits einige Monate im Handel sind, die meisten ACPI-Modi problemlos nutzen. Selbst bei brandneuer Hardware mit vielen neuen Komponenten funktionieren nach einer kurzen Frist meist alle ACPI-Techniken.

Spezifisches

Sie finden Acpitool in den Repositories nahezu aller großen Distributionen und installieren es von dort komfortabel per Paketmanager. Fehlt es im Fundus der von Ihnen bevorzugten Distribution noch, dann erstellen Sie es recht unkompliziert aus dem Quellcode [1]. Nach der Installation rufen Sie Acpitool im Terminal auf. Die Software arbeitet im Userspace, also ohne die Privilegien eines Administrators (Abbildung 1). Das Programm liest die Inhalte des Verzeichnisses /proc/acpi aus und bringt diese in eine leserliche Form.

Abbildung 1: Eine stattliche Zahl von Optionen ermöglicht ebenso viele Informationen.

Acpitool versteht eine ganze Reihe von Parametern, von denen manche allerdings ausschließlich auf Notebooks der Marken Asus, Toshiba und Lenovo sowie auf älteren Geräten von IBM funktionieren. Diese Sonderfunktionen resultieren aus bestimmten Eigenheiten der Hardware. Die meisten Schalter jedoch arbeiten auf allen Laptops korrekt. Eine Liste der verfügbaren Optionen erhalten Sie, indem Sie im Terminal den Befehl acpitool --help eingeben.

Infos

Anders als beispielsweise Inxi [2] dient Acpitool nicht primär zur umfassenden Information über die Hardware, weswegen es auch weniger detaillierte Daten ausgibt. Meist stehen vor allem der Akku-Status sowie mögliche Modi zum Abschalten im Mittelpunkt des Interesses. Bei einem unerwartet ständig auf voller Leistung laufendem Notebook helfen außerdem Daten zur CPU und den thermischen Sensoren weiter.

Um dazu alle relevanten Daten zu erhalten, geben Sie im Terminal acpitool -bcftv ein. Die Software listet nun die entsprechenden Angaben auf. Finden sich darin Hinweise auf eine unvollständige Struktur des Verzeichnisses unterhalb von /proc/acpi, so deutet das entweder auf fehlende Kernel-Module hin oder auf von der Hardware nicht unterstützte Funktionen.

In letzterem Fall rufen Sie den Befehl sensors-detect auf der Kommandozeile mit Root-Rechten auf. Die Software gehört zum Paket lm-sensors, das sich in den Repositories der meisten Distributionen findet. Sie spürt die Sensoren im Notebook auf und fügt, sofern Sie dies erlauben, der Linux-Konfiguration entsprechende Module hinzu.

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