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© alexandragl, 123RF

Neun Videoschnittprogramme für Linux im Vergleich

Schnittmuster

In einem Vergleichstest prüfen wir die neun kostenlosen Videoschnittprogramme Cinelerra, Flowblade, Kdenlive, Kino, Lightworks, LiVES, OpenShot, PiTiVi und Shotcut.

Wer seine selbstgedrehten Videos unter Linux schneiden möchte, hat mittlerweile die Qual der Wahl. Zu den bereits etablierten quelloffenen Vertretern wie Kdenlive und OpenShot gesellte sich Anfang 2014 noch das proprietäre, aber kostenlose Lightworks. Die Internetseiten der Videoschnittprogramme werben mit zahlreichen Effekten und interessanten Funktionen, die teilweise sogar professionelle Filmer anlocken.

Was die Videoschnittprogramme wirklich leisten, mussten sie in unserem Vergleichstest unter Beweis stellen. Dazu traten Cinelerra, Flowblade, Kdenlive, Kino, Lightworks, LiVES, OpenShot, PiTiVi und Shotcut an. Die meisten der Probanden orientieren sich an der Arbeitsweise professioneller Videoschnittprogramme wie Adobe Premiere Pro: Auf einer Zeitleiste arrangiert man per Drag & Drop die Filmschnipsel zu einem Gesamtkunstwerk, welches das Videoschnittprogramm dann in eine neue Datei exportiert.

Cinelerra

Adam Williams legt großen Wert auf stabile Programme. Daher aktualisiert er sein Videoschnittprogramm Cinelerra [1] nur einmal im Jahr, wobei jede Version nur wenige Neuerungen mitbringt. Auf seiner Homepage stellt Williams ein Archiv mit einer Binärversion für die 64-Bit-Fassung von Ubuntu 14.04 bereit, Nutzer anderer Distributionen müssen den Quelltext selbst übersetzen.

Nach dem Start öffnet Cinelerra mehrere Fenster (Abbildung 1). Eines davon präsentiert eine Vorschau auf den fertigen Film, ein zweites enthält die Zeitleiste. Das dritte Fenster bietet eine rudimentäre Medienverwaltung und erlaubt den Zugriff auf alle Effekte. Ein HD-Video im verbreiteten AVCHD-Format öffnete Cinelerra im Test zwar, zeigte aber nur ein lilafarbenes Bild an. Ein Ogg-Video dagegen bereitete keine Probleme.

Abbildung 1: Durch die zahlreichen Fenster beansprucht Cinelerra viel Platz auf dem Desktop.

Cinelerra kann Videos nicht nur von der Festplatte importieren, sondern auch über eine analoge TV-Karte, eine Webcam, eine DVB-Karte oder ein Video4Linux-Gerät einlesen. Auf Wunsch filmt das Schnittprogramm sogar den Bildschirm ab und erstellt so schnell einen Screencast. Die importierten Clips verfrachtet Cinelerra direkt auf die Zeitleiste. Im Viewer-Fenster trimmen Sie Filmschnipsel bildgenau. Alternativ schieben Sie den Clip auf der Zeitleiste an seinen Enden mit der Maus passend zusammen.

Davon abgesehen lassen sich Clips in der Zeitleiste nur umständlich schneiden: Zunächst müssen Sie in den entsprechenden Markierungs- und Schnittmodus wechseln, dann den zu entfernenden Bereich mit der Maus auswählen und dieses Stück schließlich mit einem Klick auf die entsprechende Schaltfläche ausschneiden lassen. Cinelerra wendet Aktionen immer auf alle gerade aktiven Spuren an. Passen Sie nicht auf, beschneiden Sie schnell versehentlich zwei Videoclips gleichzeitig.

In der aktuellen Version 4.6 kann Cinelerra die Zeitleiste in zwei unabhängige Bereiche teilen, was sich besonders bei komplexen Projekten als hilfreich erweist. Die Darstellung in der Zeitleiste lässt sich nur marginal verkleinern, was schon bei kleinen Projekten zu ständigem Scrollen zwingt. Immerhin dürfen Sie Marken setzen, die sich ähnlich wie Lesezeichen anspringen lassen.

Um einen Effekt zuzuweisen, markieren Sie zunächst den Abschnitt, in dem er wirken soll. Anschließend ziehen Sie den gewünschten Effekt aus dem Fenster Resources auf die entsprechende Videospur. Jeder Effekt erscheint unterhalb des Clips als Balken. Über kleine Symbole knipsen Sie dort den Effekt schnell an und aus und öffnen dessen Einstellungen.

Letztere erscheinen in einem eigenen Fenster und bestehen durchweg aus Reglern. Sobald Sie daran ziehen, sehen Sie die Auswirkungen direkt in der Vorschau. Cinelerra unterstützt Keyframes, mittels derer sich die Effekte über die Zeit verändern lassen. Bei Bild-in-Bild-Effekten hilft das Compositing-Fenster: Es zeigt nicht nur die Videos aus der Zeitleiste an, sondern kann sie mit seinen Werkzeugen auch in der Größe ändern und auf der virtuellen Leinwand verschieben.

Beim Export des finalen Videos bietet Cinelerra keinerlei Vorlagen, Sie müssen stattdessen das Ausgabeformat nebst Kompressionsverfahren selbst korrekt einstellen. Dazu gehören auch Parameter wie die Bitrate, das Farbmodell oder bei der MPEG-Kompression der I-Frame-Abstand. Immerhin kann Cinelerra das Berechnen des fertig geschnittenen Films auf mehrere Rechner im Netzwerk verteilen.

Flowblade

Das in Python geschriebene Videoschnittprogramm Flowblade [2] basiert auf dem Multimedia-Framework MLT und meldet sich nach dem Start mit einer ebenso schicken wie aufgeräumten Benutzeroberfläche (Abbildung 2). Im Bereich rechts oben wartet die Vorschau, am unteren Rand sitzt eine Zeitleiste.

Im Gegensatz zur Konkurrenz kann Flowblade mehrere unabhängige Zeitleisten erstellen und verwalten, die sogenannten Sequenzen. Anders als beim Konkurrenten Lightworks dürfen Sie hier die Sequenzen allerdings nicht ineinander verschachteln. Darüber hinaus bietet eine Sequenz immer nur genau neun Spuren. Beim Erstellen einer neuen Sequenz müssen Sie zudem entscheiden, wie viele dieser Spuren Videos und wie viele Audiomaterial aufnehmen sollen. Beide Beschränkungen haben die Flowblade-Entwickler willkürlich festgelegt.

Abbildung 2: In Flowblade lassen sich – anders als oft bei der Konkurrenz – Überblendungen deutlich als solche erkennen.

Links oben zeigt das Hauptfenster einen Bereich mit mehreren Reitern. Der erste bietet eine kleine Medienverwaltung, über die Sie Clips importieren und dann per Drag & Drop in die Zeitleiste ziehen. In der Vorgabe legt Flowblade dabei die Clips so ab, dass keine Lücken entstehen. Möchten Sie das nicht, müssen Sie den Clip anschließend mit dem entsprechenden Werkzeug umpositionieren. Flowblade bietet gleich mehrere verschiedene Schnittwerkzeuge, von denen eines sogar eine Schnittstelle verschieben kann ("rollen"). Aufgrund dieser Vielfalt gilt es allerdings, immer gut aufzupassen, welches der Werkzeuge gerade aktiviert ist.

Clips kürzen Sie mit dem passenden Werkzeug direkt in der Zeitleiste. Alternativ holen Sie das Filmschnipsel mit einem Doppelklick in das Vorschaufenster und trimmen es dort mithilfe der entsprechenden Schaltflächen. Über das Vorschaubild können Profis zudem ein Vektorskop und eine RGB-Parade einblenden. Diese beiden speziellen Darstellungen erlauben einen Einblick in den Farbaufbau und die Farbbalance des Videos.

Auf weiteren Reitern hält Flowblade sogenannte Compositors und Filter parat. Bei Letzteren handelt es sich um Effekte, die immer auf einen kompletten Clip wirken. Compositors hingegen mischen zwei Videospuren zusammen und erzeugen so eine Überblendung oder Bild-in-Bild-Effekte. Im Gegensatz zu Filtern lassen sich die Einstellungen eines Compositors über Keyframes steuern. Diese Schlüsselstellen legen Sie auf einem separaten Zeitstrahl in den Einstellungen des Compositors fest. Praktischerweise synchronisiert Flowblade die Zeitnadel auf diesem Zeitstrahl mit ihrer Kollegin in der Zeitleiste: So lassen sich die Keyframes bildgenau setzen.

Titel erstellen Sie in einem kleinen Assistenten. Dessen Fenster blendet im Hintergrund das Video von der Zeitleiste ein, sodass sich der Text exakt platzieren lässt. Der Assistent erlaubt sogar mehrere Textebenen, die sich allerdings nicht getrennt voneinander ein- und ausblenden lassen. Über ein virtuelles Audiomischpult dürfen Sie den Ton aussteuern. Auf Wunsch fügt Flowblade ein Wasserzeichen in das Video ein, bei der Konkurrenz muss man ein solches umständlich über Effekte einbrennen.

Um den geschnittenen Film zu exportieren, wechseln Sie auf den Reiter Render. Dort dürfen Sie aus zahlreichen Vorlagen ein geeignetes Format wählen. Kennen Sie sich mit den Kompressionsverfahren aus, besteht zudem die Möglichkeit, dem für die eigentliche Kodierung zuständigen Ffmpeg noch ein paar Parameter mit auf den Weg zu geben.

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