Mit ASCII Art kunstvolle Bilder erstellen

Buchstabenkunst

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Bilder aus Buchstaben und Ziffern zusammenzusetzen ist eine komplexe Angelegenheit, es sei denn, Sie haben die passenden Tools zur Hand.

ASCII-Künstler zählen häufig zu echten Tüftlern: Mit großer Akribie erschaffen Sie aus Buchstaben und Ziffern ein Bilder oder sogar Filme. Das Nebeneinander der Einfachheit der Mittel und der Komplexität im Sinne einer großen Nähe der Bilder zur Realität fasziniert immer wieder.

Der Ursprung dieser extravaganten Kunstform fällt in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und ist etwa seit den 1960ern unter dem Begriff "ASCII Art" bekannt. Entsprechende Bilder verwenden lediglich Typen ohne Sonderzeichen und Umlaute.

Diese lateinischen Schriftzeichen basieren auf dem englischen Alphabet und später dem American Standard Code for Information Interchange (ASCII). Sie enthalten Groß- und Kleinbuchstaben, grundlegende Trennzeichen und Steuerzeichen, die aus der Welt der Fernschreiber stammen. Diese Zeichen finden sich auf nahezu jedem Computer, was es erlaubt, das Bild überall in identischer Art und Weise anzuzeigen.

Künstlerische Möglichkeiten entstehen insbesondere durch das Ausnutzen des Schwarz-Anteils in den verschiedenen Zeichen. Die Übergänge zwischen hell und dunkel und den einzelnen Formen, wie bei Bögen und Kurven, erzielen die Künstler durch unterschiedliche Schattierungen. Darüber hinaus sorgt die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, zu abstrahieren und Bilder mittels Mustern zu erkennen, für den gewünschten Effekt.

Hilfsmittel

Die zentralen Bibliotheken unter Linux zum Erzeugen der Bilder heißen Aalib und Cacalib. Während Ersteres für "ASCII Art Library" [1] steht und nur Darstellungen in Graustufen erzeugt, steht der zweite Namen für "Colour ASCII Art Library" [2] und bringt Farbe ins Spiel. Die Mächtigkeit der beiden Bibliotheken probieren Sie am besten spielerisch aus. Dazu installieren Sie die Pakete libaa-bin, bb und caca-utils.

Alle drei enthalten eine Reihe von Beispielen. Während aafire und cacafire ein Terminal mit einem Kaminfeuer verzieren (Abbildung 1), demonstrieren aatest, bb und cacademo recht beeindruckend Animationen, Filter sowie Wechsel bei Fonts und Farben. Eine Uhr zaubern Sie mit cacaclock auf den Schirm (Abbildung 2).

Abbildung 1: Das kleine Demoprogramm cacafire setzt das Terminal in Flammen.
Abbildung 2: Mit cacaclock zaubern Sie eine kleine Digitaluhr ins Terminal.

Anschauen und umwandeln

Mit dem Programm aview betrachten Sie Bilder im PNM-Format. Für andere Formate wie PNG oder JPEG eignen sich hingegen asciiview aus dem gleichen Paket beziehungsweise cacaview aus dem Paket caca-utils besser. Diese bereiten die Bilder im Hintergrund für die Anzeige im Terminal vor (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Programm cacaview erlaubt es, Bitmap-Bilder als farbigen Zeichensalat anzuzeigen.

Die Tools aview und asciiview stellen die Bilder mit 7-Bit-Zeichen dar, über die Schalter -eight wechseln Sie zu 8 Bit, bei -extended nutzen die beiden Programme 256 Zeichen.

Das Umwandeln von Bildern gelingt am besten mit dem Bildbearbeitungsprogramm Gimp. Öffnen Sie dazu das gewünschte Bild und exportieren es via Datei | Exportieren.... Aus dem Dropdown-Menü wählen Sie ASCII-Kunst (*txt, *.ansi, *.txt). Allerdings erzeugt Gimp dabei relativ große Dateien.

Selbst der umgekehrte Weg vom Zeichensalat zum Rasterbild funktioniert mit den richtigen Werkzeugen. Ins Spiel kommt hier zunächst das Programm Ditaa (Diagrams Through ASCII Art) [3]. Dabei handelt es sich um ein Java-Programm, das entsprechende Bilder in Formen und Diagramme umwandelt. Es kombiniert dabei traditionelle Mittel mit eigenen Ergänzungen, die Farben und Formen der Elemente definieren. Listing 1 zeigt die Daten und (Abbildung 4) das Ergebnis.

Listing 1

    +--------+   +-------+    /--------\
    |  cRED  | --+ ditaa +--> |        |
    |  Text- |   +-------+    |Diagramm|
    |Dokument|   |!magic!|    |c0F0    |
    |     {d}|   |cBLU   |    |        |
    +---+----+   +-------+    \--------/
        :                          ^
        |       Viel Arbeit        |
        \--------------------------//
Abbildung 4: Mit Ditaa verwandeln Sie Ascii-Diagramme in Bilder.

Aus dem Text in der Box generiert es die jeweilige Beschriftung. Zeichenketten, die mit einem kleinen c beginnen, legen die Hintergrundfarbe fest. Es erkennt Farbcodes sowohl als Textbezeichner als auch in RGB-Angaben.

Waagerechte und senkrechte Linien entstehen aus Minus- und Pipe-Zeichen. Mit einem Plus gestalten Sie Ecken, die Sie optional mit einem Schrägstrich abrunden. Das Umwandeln erledigt die Software nach folgendem Muster:

ditaa Eingabedatei.txt  Ausgabedatei.png

Als Alternativen bieten sich Asciitopgm und das Python-Modul Python-aafigure [4] an. Ersteres finden Sie im Paketes netpbm, das Letztere stellt eine vollständige Klasse zur Integration in eigene Projekte dar.

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