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© Martin Malchev, 123RF

Die Arch-Derivate Antergos und Manjaro in der Praxis

Zurück zu den Wurzeln

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Arch Linux will eine einfache, anfängertaugliche Linux-Distribution sein. Die Derivate Manjaro und Antergos legen gar noch eine Scheibe drauf.

Lange Zeit war Suse Linux die in Deutschland vorherrschende Linux-Distribution. Das lag zum einen an der guten Softwareausstattung, zum anderen an der hervorragenden Lokalisierung. Nach Suse entwickelte sich Ubuntu zur weltweit und auch in Deutschland führenden Distribution. Eine klare Struktur mit einer vorinstallierten Anwendung pro Aufgabe, eine riesige Community mit einer exzellenten Infrastruktur und nicht zuletzt auch ein professionelles Marketing führten dazu.

Inzwischen setzt aber Ernüchterung ein: Suse spielt heute nur noch eine Nebenrolle, die Ubuntu-Macher setzten sich mit zahlreichen kontroversen Entscheidungen immer weiter von den Anwendern ab. Weckte schon Ubuntus eigene Desktop-Umgebung Unity viel Unmut, sorgte die Verdrahtung der Shopping-Lens mit kommerziellen Partnern wie Ebay und Amazon für einen wahren Sturm der Entrüstung – GNU-Gründer Richard Stallman spricht in diesem Zusammenhang von Spyware.

Auch technisch geht Ubuntu mit dem Init-System Upstart und dem Display-Server Mir eigene Wege, für die Ubuntu regelmäßig Kritik einstecken muss. Dazu kommt, dass die Software-Auswahl der aktuellen Ubuntu-Ausgabe inzwischen oft bei Erscheinen bereits veraltet ist. So lieferte Ubuntu beispielsweise Gimp bereits mehrfach in einer überholten Version aus, obwohl es schon neuere Releases in den PPAs gab.

Aus diesen Gründen halten viele Anwender es für an der Zeit, nach einer neuen Distribution für den heimischen Rechner Ausschau zu halten.

Rolling Release

Schon seit mehreren Jahren erfreut sich Arch Linux [1] bei erfahreneren Anwendern großer Beliebtheit. Das auf Linux from Scratch (kurz LFS) [2] basierende System baut auf einfachen Konzepten auf und arbeitet dadurch sehr zügig. Es bietet alles, was man sich heute an Komfort wünscht, und verfügt über einen sehr großen Softwarepool in seiner Paketverwaltung. Zudem handelt es sich bei Arch um eine Rolling-Release-Distribution, die immer aktuelle Software bereitstellt. Wesentlichster Nachteil: Die Installation und Konfiguration gilt als nicht gerade einsteigerfreundlich.

Bei Arch Linux erledigen Sie viele Aufgaben auf der Befehlszeile, statt wie bei anderen Distributionen zu grafischen Werkzeugen zu greifen. Letztere lösen Aufgaben auf den ersten Blick zwar einfacher, fördern aber sicher nicht das Verständnis der zugrundeliegenden Strukturen. Außerdem besteht dabei immer die Gefahr, dass Ausnahmefälle nicht gut genug gelöst werden.

Seit einiger Zeit gibt es mehrere auf Arch Linux aufbauende Distributionen, die für zumindest einen Teil der administrativen Aufgaben grafische Tools bereitstellen, ohne aber das hohe Abstraktionsniveau von Ubuntu und ähnlichen Distribution anzustreben. Dazu zählen beispielsweise Manjaro [3] (gesprochen wie in "Kilimanjaro") sowie das in großen Teilen recht ähnliche Antergos [4] (ehemals Cinnarch). Dieser Artikel bezieht sich im Folgenden auf diese beiden Distributionen.

Manjaro und Antergos

Manjaro (Abbildung 1) und Antergos (Abbildung 2) bieten jeweils eigene grafische Installationswerkzeuge und einen grafischen Paketmanager sowie alle zur gewählten Desktop-Umgebung gehörenden Tools. Alle auf Arch Linux basierenden Distributionen stellen neben den gängigen Desktops wie Gnome, KDE und LXDE auch einfache Fenstermanager zur Verfügung. Als Voreinstellung dient oft das schlanke und schnelle XFCE.

Da es sich bei Arch Linux und den darauf aufbauenden Distributionen um Rolling Releases handelt, laufen über die Paketverwaltung fortwährend neue Programmversionen auf dem System ein. So arbeiten Sie stets mit den aktuellsten Ausgaben der auf dem System installierten Software, ohne dafür sechs oder mehr Monate auf das nächste Release der Distribution warten zu müssen.

Abbildung 1: Bei Manjaro haben Sie die Wahl zwischen XFCE, Openbox und KDE.
Abbildung 2: Antergos setzt komplett auf die Gnome-Shell als Desktop-Umgebung.

Rolling-Release-Updates haben jedoch auch ihre Tücken: Nicht ohne Grund verweigern sich die großen Distributionen wie Debian, Ubuntu, Red Hat und Suse diesem Prinzip. Es stellt eine knifflige Aufgabe dar, ein Rolling Release so zu pflegen, dass es bei größeren Updates zu keinen Schwierigkeiten kommt. Allzu eng sind wesentliche Komponenten wie Kernel, Glib, Treiber und wichtige Bibliotheken miteinander verzahnt.

Aus diesem Grund muss man gelegentlich auftretende kleinere Probleme mit nicht angepassten Versionen tolerieren. So verlangte beispielsweise das aktuelle ZFS-Modul als Kernel eine etwas neuere Version als die gerade installierte. Lösen ließ sich das Problem bei der Installation durch Anpassen der PKGBUILD-Datei, in der es die entsprechenden Versionsnummern zu ändern galt – Linux-Einsteiger würden daran wohl scheitern.

KISS

Was Linux-Systeme im Unterschied zum Marktführer Windows so attraktiv macht, ist unter anderem ihre grundlegende Einfachheit. Sie lässt sich im Paradigma Keep It Simple, Stupid zusammenfassen, das durchaus unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten zulässt [14]. Diese Einfachheit zeigt sich besonders bei Arch Linux an vielen Stellen: Einfache Strukturen lassen sich meist besser nachvollziehen als komplizierte Konstrukte und erweisen sich im Alltag als weniger fehleranfällig. Programme werden oft zunächst ohne grafische Oberfläche entwickelt, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dass grafische Oberflächen und zusammenfassende Skripte jedoch nicht unbedingt von Nachteil sein müssen, beweisen Manjaro und Antergos: Dort stehen für die wichtigsten Aufgaben spezielle Tools bereit.

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