AA_123rf-7207529_BenisArapovic_123RF.jpg

© Benis Arapovic, 123RF

Schnellstart

Virtualisierung auf der Kommandozeile mit KVM

17.10.2013
KVM ermöglicht durch seine kleinen, aber feinen Kommandozeilenwerkzeuge, schnell eine virtuelle Maschine zu starten, ohne sich dazu umständlich durch bunte Menüs klicken zu müssen.

Virtuelle Maschinen sind äußerst praktisch. In diesen nachgebildeten Computern probieren Sie eben mal schnell eine neue Distribution aus, starten ein Windows oder beleben ältere Betriebssysteme wieder. Die wohl beliebteste quelloffene Virtualisierungssoftware hört auf den etwas sperrigen Namen "Kernel-based Virtual Machine" oder kurz KVM [1]. Obwohl maßgeblich von Red Hat vorangetrieben, kommt sie mittlerweile in fast allen großen Distributionen als bevorzugte Virtualisierungslösung zum Einsatz.

Arbeitsteilung

KVM selbst besteht aus mehreren Einzelteilen (Abbildung 1). Die Basis bildet dabei ein Kernel-Modul: Es sorgt dafür, dass die virtuellen Maschinen effizient auf die echte Hardware zugreifen können und sich dabei nicht gegenseitig in die Quere kommen. Einen solchen Verwalter nennt man auch Hypervisor [2] oder Virtual Machine Manager (VMM). Seit Version 2.6.20 gehört das KVM-Modul standardmäßig zum Linux-Kernel und ist somit in jeder aktuellen Distribution zu finden.

Abbildung 1: Das KVM-Modul stellt die notwendige Infrastruktur für die virtuellen Maschinen bereit.

Die Dienstleistungen des Moduls kann eine Virtualisierungssoftware in Anspruch nehmen. Bei den meisten Distributionen kommt dabei Qemu [3] zum Einsatz. Dieses Programm ist wesentlich älter als KVM und bildete ursprünglich einen kompletten PC nach, einschließlich des Prozessors. Mittlerweile kann Qemu das KVM-Modul und somit die wichtigen Hardware-Komponenten des echten PC direkt nutzen. Hierdurch laufen die von Qemu gestarteten Betriebssysteme und Programme wesentlich flotter.

Einige aktuelle Distributionen verteilen Qemu und seine Hilfsprogramme auf mehrere Pakete. Nutzer von OpenSuse benötigen lediglich das Paket kvm, unter Ubuntu 13.04 greifen Sie im Software-Center zum Programm qemu (oder direkt zum Paket qemu-system). Im Zweifelsfall sollten Sie sich im Paketmanager Ihrer Distribution für das kvm-Paket entscheiden.

Gastgeber

Die Installation selbst ist kinderleicht: Es genügt, das besagte KVM-Paket über den Paketmanager einzuspielen. Eine virtuelle Maschine lässt sich allerdings nur dann reibungslos starten, wenn der reale Computer ein paar Voraussetzungen erfüllt.

Zunächst muss der Prozessor ein Intel- beziehungsweise AMD-Modell sein, das die Virtualisierung mit einer speziellen Befehlserweiterung unterstützt. Bei Intel heißt diese Technik Intel VT, beim Konkurrenten AMD-V. Die meisten Desktop- und Notebook-Prozessoren der letzten fünf Jahre unterstützen die entsprechende Technologie. Eine Ausnahme bilden besonders leistungsschwache Prozessoren, wie etwa einige Modelle aus der Atom-Reihe. Für seine eigenen Prozessoren stellt Intel eine entsprechende Liste [4] bereit.

Ob der Prozessor Ihres PCs Virtualisierung unterstützt, prüfen Sie mit dem Befehl lsmod | grep kvm. Er sollte zwei Zeilen zurückliefern: Eine beginnt mit kvm, die andere je nach Prozessor mit kvm_intel oder kvm_amd. Andernfalls können Sie versuchen, die Module per Hand zu starten, bei einem Intel-Prozessor etwa mittels der folgenden zwei Kommandos:

$ sudo modprobe kvm
$ sudo modprobe kvm_intel

Unter Umständen müssen Sie die Funktionen auch erst noch im BIOS beziehungsweise der Firmware des Computers aktivieren. Fehlt der CPU die Hardwarevirtualisierung, lässt sich zwar trotzdem eine virtuelle Maschine starten, das darin laufende Gastsystem kriecht dann aber im Schneckentempo vor sich hin.

Als Nächstes benötigen Sie möglichst viel Hauptspeicher – denn der muss jetzt nicht nur das gastgebende Betriebssystem aufnehmen, sondern auch noch die virtuellen Maschinen. Das absolute Minimum stellen 2 GByte dar. Je mehr RAM im Rechner steckt, desto mehr virtuelle Maschinen mit speicherhungrigen Betriebssystemen können Sie starten. Achten Sie dabei auch auf die Anforderungen der jeweiligen Gast-Betriebssysteme: Wollen Sie später 64-Bit-Programme in den virtuellen Maschinen starten, muss das gastgebende Linux ebenfalls ein 64-Bit-System sein. Auf einem solchen können Sie auch 32-Bit-Betriebssysteme ausführen, nicht aber umgekehrt.

Abschließend testen Sie mittels des Aufrufs qemu -version noch, ob KVMs Gehilfe Qemu korrekt installiert ist. Erscheint anstelle der Versionsnummer nur eine Fehlermeldung, probieren Sie stattdessen qemu-kvm -version aus. Einige Distributionen, wie etwa OpenSuse, nennen das an KVM angepasste Qemu qemu-kvm. In diesem Fall müssen Sie in allen folgenden Befehlen immer den Aufruf qemu durch qemu-kvm ersetzen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 8 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Virtualisierung mit KVM
    Mit seinen kleinen, aber feinen Kommandozeilenwerkzeugen ermöglicht KVM, mal eben schnell eine virtuelle Maschine zu starten, ohne sich erst umständlich durch bunte Menüs klicken zu müssen.
  • Systememulation mit QEMU
    Haben Sie sich schon mal gewünscht, Linux im Fenster unter Linux auszuführen? Oder wie wäre es mit DOS unter Linux? QEMU ist eine Open-Source-Anwendung, die einen kompletten PC in Software emuliert.
  • Mit Q zum Partnertausch
    Nur ein kleiner schneller Seitensprung, ohne Spuren zu hinterlassen – und das unter den wachsamen Augen der Aktuellen? Qemu macht's möglich.
  • Qemu 1.7 erschienen
    Die neue Version der Virtualisierungssoftware Qemu bietet unter anderem eine verbesserte Emulation von HDA-Audio, unterstützt prinzipiell mehr als 1 TByte Hauptspeicher und kann ACPI-Tabellen für x86-Hardware erzeugen.
  • VM-GUI mit neuen USB-Geräten und Sound

    Aqemu, eine grafische Benutzeroberfläche für die Virtualisierungstechnologien Qemu und KVM, ist in Version 0.8 mit zahlreichen Neuerungen erhältlich.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2014: ANONYM & SICHER

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

Nach Ubdates alles weg ...
Maria Hänel, 15.11.2014 17:23, 4 Antworten
Ich brauche dringen eure Hilfe . Ich habe am wochenende ein paar Ubdates durch mein Notebook von...
Brother Drucker MFC-7420
helmut berger, 11.11.2014 12:40, 1 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu 14.04-Nutzer...
Treiber für Drucker brother MFC-7420
helmut berger, 10.11.2014 16:05, 2 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu12.14-Nutzer u...
Can't find X includes.
Roland Welcker, 05.11.2014 14:39, 1 Antworten
Diese Meldung erhalte ich beim Versuch, kdar zu installieren. OpenSuse 12.3. Gruß an alle Linuxf...
DVDs über einen geeigneten DLNA-Server schauen
GoaSkin , 03.11.2014 17:19, 0 Antworten
Mein DVD-Player wird fast nie genutzt. Darum möchte ich ihn eigentlich gerne abbauen. Dennoch wür...