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© Viacheslav Rashevskyi, 123RF

Rettungsring

Daten retten und wiederherstellen

17.10.2013
Mit den Bordmitteln von Linux lassen sich in begrenztem Umfang Dateien und Partitionen wiederherstellen sowie defekte Datenträger retten.

Warnung

Alle vorgestellten Werkzeuge können zwar Daten retten, bei unsachgemäßem Gebrauch oder Unachtsamkeit aber auch vernichten. Autor und Verlag übernehmen keine Haftung für zerstörte Daten. Im Zweifelsfall sollten Sie ein professionelles Datenrettungslabor beauftragen. Das ist auch der richtige Ansprechpartner, wenn Ihre Festplatte einen mechanischen Schaden aufweist oder der Lesekopf bei jeder Bewegung hörbar Späne von der Platte hobelt.

Völlig niedergeschlagen kommt Ihre gute Bekannte aus den Ferien zurück: Der Island-Urlaub sei der komplette Reinfall gewesen, jammert sie: schlechtes Wetter, mieses Hotel, und dann hätte auch noch ihre Digitalkamera die Speicherkarte gefressen. Sämtliche fotografierten Trolle und Geysire seien jetzt futsch. Glücklicherweise gibt es für genau solche Fälle spezielle Rettungswerkzeuge, mit denen Sie sich umgehend an die Arbeit und Ihre Bekannte glücklich machen können.

Keine Panik

Damit jedoch nicht noch mehr Schaden entsteht, gilt es, in solchen Notfällen erst einmal Ruhe zu bewahren. Erhalten Sie im laufenden Betrieb Lesefehler, sollten Sie umgehend ein Backup des Datenträgers erstellen und so schon einmal die noch lesbaren Dateien retten. Fehlen wie im Beispiel der Digitalkamera gleich mehrere Dateien und Verzeichnisse oder treten massive Lesefehler auf, schalten Sie das Gerät schnellstens aus. Nur so verhindern Sie, dass weitere Schreibzugriffe den Schaden noch vergrößern. Mit den nun anstehenden Schritten retten Sie übrigens nicht nur Festplatten, Speicherkarten und SSDs, sondern auch zerkratzte CDs, DVDs und Blu-rays – vorausgesetzt, die Scheiben benutzen keinen Kopierschutz.

Prüfungskommission

Moderne Festplatten und SSDs überwachen ihren Gesundheitszustand selbst und verraten ihn auf eine Anfrage mittels smartctl. Unter Ubuntu steckt es im Paket smartmontools. Den Gesundheitszustand der ersten Festplatte fragen Sie dann als Benutzer root mit dem Kommando smartctl -H /dev/sda ab.

Sofern dabei FAILED erscheint, ist die Platte beziehungsweise SSD bereits defekt oder aber stark ausfallgefährdet. Sie sollten sie dann auf keinen Fall mehr weiter betreiben und umgehend ein Backup anlegen. Ergänzend testet das Werkzeug badblocks beliebige Datenträger auf defekte (Daten-)Blöcke. Die Partition sde1 prüfen Sie beispielsweise mittels des Kommandos badblocks -sv /dev/sde1.

Der nun laufende Test kann einige Zeit in Anspruch nehmen, bei über USB angeschlossenen Festplatten mehrere Stunden. Sofern die beiden Werkzeuge keine Fehler vermelden, ist das Medium selbst zumindest noch lesbar.

Zunächst sollten Sie das fehlerhafte Medium möglichst mit einem physischen Schreibschutz versehen. Damit kann beim Rettungsversuch weder das Betriebssystem noch eines der Rettungswerkzeuge die Daten weiter zerstören. Die Speicherkarte aus der Digitalkamera entpuppte sich im eingangs beschriebenen Fall als eine etwas ältere, 2 GByte große SD-Karte, bei der man nur den kleinen Schreibschutzriegel an der rechten Seite verschieben musste.

USB-Sticks, Festplatten und SSDs besitzen meist keinen Schreibschutzschalter. Bei sehr wichtigen Daten können Sie einen Schreibschutz-Adapter kaufen, wie sie in der Computerforensik zum Einsatz kommen. Dieser Hardware-Schutz kostet jedoch einige hundert Euro. Eine Festplatte oder SSD mit weniger wichtigen Daten sollten Sie ausbauen und in ein externes USB-Gehäuse stecken. Das verhindert zumindest, dass das zur Rettung gestartete Linux gleich eigenmächtig die Festplatte nutzt. Letzteres passiert gerne mit Swap-Partitionen – oder solchen, die Linux fälschlicherweise dafür hält.

Wo ist Walter?

Starten Sie jetzt den PC, auf dem Sie die Rettung durchführen möchten. Sofern auf ihm kein Linux installiert ist, können Sie ihn einfach von einer beliebigen Live-CD starten. Erst wenn Linux läuft, schließen Sie das defekte Medium an. Eine SD-Karte schieben Sie beispielsweise in einen USB-Kartenleser und stöpseln diesen an den Linux-PC. Lassen Sie den Datenträger noch nicht einbinden, auch wenn Linux das vorschlägt.

Als Nächstes müssen Sie herausfinden, über welche Gerätedatei sich das defekte Medium erreichen lässt. Dabei hilft der Befehl blkid -o list, den Sie genau wie alle weiteren als Benutzer root absetzen. Der Befehl spuckt eine Liste mit allen angeschlossenen Datenträgern und ihren Gerätedateien aus (Abbildung 1). Orientieren können Sie sich am label. Einen weiteren Anhaltspunkt liefert die Größe der Partitionen, die der Befehl cat /proc/partitions ausspuckt (Abbildung 2).

Abbildung 1: Je mehr Partitionen und Festplatten ein Computer eingebaut hat, desto unübersichtlicher ist die von blkid gelieferte Liste. Hier verfügt der Rechner über zwei Festplatten sda und sdb. Die SD-Karte kann somit nur das Laufwerk sdc sein.
Abbildung 2: Die Größe der Partitionen untermauert, dass es sich bei sbd1 um die SD-Karte handeln muss.

Merken Sie sich den Namen der zu rettenden Partition oder des kompletten Datenträgers. Auf der Speicherkarte aus unserem Beispiel hat blkid eine Partition mit dem Gerätenamen /dev/sde1 ausgemacht (Abbildung 3). Finden die Programme bei Ihnen keine Partition, ist noch nicht alles verloren: Rufen Sie dann fdisk -l auf, das sämtliche angeschlossenen Datenträger nennt. Merken Sie sich dann die Gerätedatei des kompletten Datenträgers, im Beispiel also /dev/sde.

Abbildung 3: Der letzte Eintrag von fdisk bestätigt, dass es sich bei der Platte namens sde um die SD-Karte handelt.

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