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© Corina Rosu, 123rf.com

OpenOffice und LibreOffice im Vergleich

Gewichtsbestimmung

2010 trennten sich die Entwicklungswege von OpenOffice und LibreOffice. Welche der beiden Bürosuiten hat inzwischen die Nase vorn?

Im Mai 2002 erschien die erste Version von OpenOffice [1]. Nun stand unter Linux endlich eine vollwertige Office-Suite bereit, die auch professionellen Ansprüchen gerecht wurde. Sun Microsystems sponserte das Projekt und sorgte damit für seine kontinuierlich Weiterentwicklung. OpenOffice blieb im ruhigen Fahrwasser, bis 2010 Sun von Oracle übernommen wurde. Der neue Eigner unterstützte OpenOffice nicht mehr so umfassend wie zuvor Sun und hüllte sich über dessen Entwicklung und Zukunft in Schweigen.

Dies veranlasste einige führende Entwickler dazu, sich im September 2010 vom OpenOffice-Projekt abzuspalten. Sie gründeten die Document Foundation und entschlossen sich dazu, die damals aktuelle Version von OpenOffice unter dem Namen LibreOffice weiter zu entwickeln [2]. Schnell erschien die erste Version, die zwar nur der Umetikettierung diente, aber auch zeigen sollten, dass es weitergeht. Oracle hingegen entschied sich dazu, das OpenOffice-Projekt nicht weiterzuführen, und übergab den Quellcode an die Apache Software Foundation [3].

Rund drei Jahre sind nun seit der Abspaltung ins Land gegangen, und mittlerweile zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen beiden Office-Pakete. Freilich sehen sich die beiden Geschwister nach dem Start noch zum Verwechseln ähnlich – der Unterschiede verstecken sich hier im Detail. Worin die beiden Office-Pakete differieren, zeigen wir im Folgenden anhand der vier wichtigsten Werkzeuge der beiden Suiten: der Textverarbeitung Writer, der Tabellenkalkulation Calc, des Zeichenprogramms Draw und des Präsentationstools Impress. Wie Sie die neuesten Versionen auf einem Ubuntu-System einrichten, zeigt der Kasten "Aktuelle Versionen installieren".

Aktuelle Versionen installieren

Üblicherweise stellen die Linux-Distributionen nicht immer die aktuellste Version (derzeit: LibreOffice 4.1 und OpenOffice 4.0) der Bürosuiten in den Repositories zur Installation bereit. Entsprechend gilt es, die Software aus anderen Quellen einzurichten.

Unter Ubuntu gestaltet sich das Update auf die neueste LibreOffice-Version besonders einfach. Hier geben Sie der Reihe nach die Befehle aus Listing 1 ein. Ähnlich simpel klappt das für OpenOffice (Listing 2), vor dessen nachträglicher Installation Sie jedoch alle LibreOffice-Pakete deinstallieren sollten (Listing 2, erste Zeile).

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:libreoffice/ppa
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get upgrade

Listing 2

$ sudo apt-get purge libreoffice*
$ sudo add-apt-repository ppa:upubuntu-com/openoffice
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install apache-openoffice

Textverarbeitung

Da sich LibreOffice in der Tradition des "alten" OpenOffice sieht, setzte die Foundation die Versionierung einfach fort, die zu Redaktionsschluss bei Release 4.1 angelangt war. Diese Version bietet gerade für die Textverarbeitung Writer einige nützliche Neuerungen.

So erlaubt es die Kommentarfunktion jetzt, die Anmerkungen ein- oder auszublenden. Außerdem dürfen sie sich nun auch über mehrere Absätze erstrecken. Eingebettete Bilder drehen Sie jetzt schnell in 90-Grad-Schritten. Hintergründe, beispielsweise von Tabellen oder Absätzen, lassen sich jetzt auch mit Farbverläufen kolorieren.

Statt der veralteten und nicht mehr gepflegten Text-Layout-Engine setzt die Software jetzt auf HarfBuzz [4]. Dieser Motor im Hintergrund unterstützt OpenType-Schriftarten und besondere Schriften wie zum Beispiel Arabisch besser und steigert nach Angaben des Projekteams auch die Performance des Writers. Um Dateien mit anderen Anwendern besser auszutauschen, erlaubt die Software es jetzt auch, bei Bedarf Schriften in Writer-Dokumente einzubetten. Diese Funktion steht auch in der Tabellenkalkulation Calc und dem Präsentationstool Impress zur Verfügung.

Die neue Seitenleiste

Auffälligster Unterschied zwischen den beiden Textverarbeitungen ist aber die neue Seitenleiste in OpenOffice Writer (Abbildung 1). Sie erschien mit der aktuellen Version 4.0 und soll den Platz auf den heute weit verbreiteten Breitbildschirmen besser ausnutzen. So stehen die wichtigsten Bearbeitungsfunktionen schnell zur Verfügung, ohne dass Sie die Menü- oder Symbolleisten bemühen müssen. Die Seitenleiste stellt vier Funktionsgruppen bereit, Sie über die vier Symbole am rechten Fensterrand wechseln.

Abbildung 1: Hier stehen im Broken Sword: Director's Cut die Protagonisten Nico und George vor dem zerstörten Café. In Gesprächen wählen Sie mit einem Klick auf eines der Symbole das gewünschte Thema.

In der Grundeinstellung zeigt der OO-Writer Funktionen zum Anpassen von Eigenschaften des Textes an. Es enthält die wichtigsten Textformatoptionen wie Fettdruck, Schriftauswahl und Schriftgröße. Außerdem noch Absatzeigenschaften wie linksbündig oder rechtsbündig ausrichten sowie Absatzabstände und Seiteneigenschaften. Arbeiten Sie dagegen beispielsweise an Grafiken oder anderen Objekten, passt die Software die Eigenschaften kontextbezogen an und zeigt die Optionen zum Einstellen der jeweiligen Objekteigenschaften.

Die Seitenleiste zeigt außerdem Formatvorlagen, Galerien von Bildern, Videos und ähnlichen Objekten sowie den hilfreichen Navigator an. Optional docken Sie die Seitenleisten auch vom Programmfenster ab um sie zum Beispiel auf einen anderen Bildschirm schieben. Dazu dient das kleine Symbol in der oberen rechten Ecke der Seitenleiste.

LibreOffice fehlt auf den ersten Blick diese praktische Seitenleiste. Allerdings begannen die Entwickler damit, sie ebenfalls einzubauen, wodurch sie jetzt schon zur Verfügung steht. Navigieren Sie dazu in den Einstellungsdialog Extras | Optionen | LibreOffice | Erweitert und setzten Sie ein Häkchen vor Experimentelle Seitenleiste aktivieren. Nach einem Neustart steht Ihnen dieselbe Seitenleiste im LibreOffice Writer zur Verfügung.

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