AA_0881509_welle-mit-signal-symbolf_ika747.jpg

© ika747, 123rf.com

Vom iPad oder iPhone via Airprint und Cups drucken

Luft-Druck

Apple-Geräte setzen auf eigene Technologien. Aber mit wenigen Handgriffen klappt der Druck via Airprint auch über einen Cups-Server.

Bereits seit der iOS-Version 4.2 können Apples iPad und iPhone auch drucken – aber nur auf Druckern, die Airprint [1] unterstützen. Entsprechende Geräte gibt es mittlerweile von allen namhaften Herstellern in jeder Preis- und Leistungsklasse. Trotzdem schrecken viele davor zurück, sich gleich einen neuen Drucker zu kaufen, nur um mit iPhone und iPad etwas zu Papier zu bringen.

Läuft im heimischen Netzwerk aber ein Linux-Rechner, dann stehen damit die Voraussetzungen bereit, alle im Netz freigegebenen Drucker als Airprint-fähige Geräte bereitzustellen.

Das Thema beschäftigt die Linux-Gemeinde schon eine ganze Weile. So hat Till Kamppeter für die Ubuntu-Versionen "Natty" und "Oneiric" schon 2011 die Implementation des Common Unix Printer System Cups entsprechend angepasst, sodass die angeschlossenen Drucker direkt bereit stehen [2]. Allerdings lohnt es zu wissen, wie Sie dieses Kunststück auch selbst fertigbringen: Auf diese Weise sind Sie von einer bestimmten Distribution unabhängig.

Cups

Bei Airprint sendet das Gerät einfach PDF-Dateien an den Drucker. Zusätzlich schickt es Angaben über die gewünschte Anzahl von Kopien sowie diejenigen Seiten, die tatsächlich gedruckt werden sollen. Eine funktionierende Cups-Installation sollte also eigentlich ausreichen, damit iPad und iPhone die im Netzwerk freigegebenen Drucker finden und darauf drucken.

Jedoch hat Apple inzwischen Cups um einige wichtige Funktionen beraubt, auf die Mac OS X verzichten kann, weil sie dort über den Dienst Bonjour [3] bereitstehen. Unter Linux existiert zum Glück mit Avahi [4] eine ähnliche Implementation von Zeroconf [5], mit der die betreffenden Funktionen dann auch wieder bereitstehen.

Die Konfiguration von Cups erläutern zahlreiche Quellen im Netz [6]. Läuft der Dienst, überprüfen Sie zunächst einmal, ob Ihr Drucker funktioniert, indem Sie eine Testseite ausdrucken. Öffnen Sie dazu einen Browser und geben Sie die URL http://Rechnername:631 ein. Sie erreichen diese Seite von jedem anderen Rechner im Netzwerk aus. Im Reiter Drucker finden Sie unter Verwaltung den Befehl zur Ausgabe der Testseite (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Druck einer Testseite verschafft Ihnen Klarheit darüber, ob ein angeschlossenes Gerät korrekt eingerichtet ist.

Damit der Drucker im Netz bereit steht, vergewissern Sie sich, dass die Datei /etc/cups/cupsd.conf die entsprechenden Einträge enthält. Listing 1 zeigt dazu ein Beispiel. Dabei ermöglichen es die beiden ersten Zeilen, den Server von jedem Client aus zu erreichen. Allzu freizügige Rechte erleichtern dabei jedoch Angriffe auf den Dienst. Daher gilt es, die Änderungen mit Bedacht vorzunehmen.

Listing 1

ServerAlias *
Listen *:631
Listen /var/run/cups/cups.sock
# Restrict access to the server...
<Location />
   Allow @LOCAL
   Order allow,deny
</Location>
# Restrict access to the admin pages...
<Location /admin>
  Order allow,deny
  Allow @LOCAL
</Location>
# Restrict access to configuration files...
<Location /admin/conf>
  AuthType Default
  Require user @SYSTEM
  Order allow,deny
  Allow @LOCAL
</Location>

Ändern Sie die Datei entsprechend und starten sie Cups neu (Listing 2). Jetzt sollte es möglich sein, den Drucker von einem Windows-Rechner aus zu finden. Rufen Sie hierzu in dessen Systemsteuerung Neuen Netzwerkdrucker hinzufügen auf und geben Sie unter Freigegebenen Drucker über den Namen auswählen die Adresse des Cups-Servers und den Namen des Druckers ein (Abbildung 2).

Listing 2

# Cups neu starten unter OpenSuse
$ sudo systemctl restart cups.service
# Cups neu starten unter Debian/Ubuntu
$ sudo /etc/init.d/cups restart
Abbildung 2: Wollen Sie den freigegebenen Drucker zusätzlich unter Windows nutzen, dann richten Sie auf dem entsprechenden System einen neuen Netzwerkdrucker ein.

Windows fragt nach dem Druckermodell, um den richtigen Treiber zu installieren. Erscheint hier die Nachricht Es konnte keine Verbindung hergestellt werden erscheinen, überprüfen Sie nochmals die CUPS-Installation und Netzwerkfreigabe des Druckers.

Avahi

Damit die Apple-Geräte den Drucker erkennen, machen Sie ihn über einen Bonjour-Broadcast im Netz bekannt. Hierzu richten Sie den Dienst Avahi ein. Dessen Konfigurationsdateien finden Sie im Verzeichnis /etc/ahavi/services. Listing 3 zeigt die Datei Airprint-HP1220C.service unseres Testsystems.

Listing 3

<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<!DOCTYPE service-group SYSTEM "avahi-service.dtd">
<service-group>
  <name replace-wildcards="yes">Airprint HP1220C @ %h</name>
  <service>
    <type>_ipp._tcp</type>
    <subtype>_universal._sub._ipp._tcp</subtype>
    <port>631</port>
    <txt-record>txtvers=1</txt-record>
    <txt-record>qtotal=1</txt-record>
    <txt-record>Transparent=T</txt-record>
    <txt-record>URF=none</txt-record>
    <txt-record>rp=printers/HP1220C</txt-record>
    <txt-record>note=Raw Queue with driver HP Deskjet 1220c hpijs, 3.12.11</txt-record>
    <txt-record>product=(GPL Ghostscript)</txt-record>
    <txt-record>printer-state=3</txt-record>
    <txt-record>printer-type=0x82b01c</txt-record>
    <txt-record>pdl=application/octet-stream,application/pdf,application/postscript,image/gif,image/jpeg,image/png,image/tiff,image/urf,text/html,text/plain,application/vnd.cups-banner,application/vnd.cups-command,application/vnd.cups-pdf,application/vnd.cups-postscript</txt-record>
  </service>
</service-group>

Nun ist es nicht jedermanns Sache, solche Service-Dateien für jeden Drucker im System von Hand zu erzeugen und anzupassen. Der Entwickler Timothy J. Fontaine hat erfreulicherweise ein kleines Python-Skript implementiert, das diese Dateien für alle Cups-Drucker im System automatisch erzeugt [7].

Das geht ganz einfach: Sie starten das Skript einmalig ohne Parameter und erhalten für jeden Drucker eine passende Datei, die Sie ins Verzeichnis /etc/avahi/services kopieren (Listing 4). Nach dem Neustart von Avahi und Cups klappt das Drucken von den Apple-Geräten aus dann problemlos.

Listing 4

$ wget https://github.com/tjfontaine/airprint-generate/blob/master/airprint-generate.py
$ ./airprint-generate.py
$ mv Airprint-HP1220C.service /etc/avahi/services
$ sudo systemctl restart avahi-daemon.service
$ sudo systemctl restart cups.service

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2016: Neue Desktops

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Brother Drucker DCP-J4120
Achim Zerrer, 09.12.2016 18:08, 0 Antworten
Hallo, ich wollte unter Leap 42.1 den Brother Drucker installieren und dazu das PPD- Datei vom do...
Drucker Epson XP-332 unter ubuntu 14.04 einrichten
Andrea Wagenblast, 30.11.2016 22:07, 2 Antworten
Hallo, habe vergeblich versucht mein Multifunktionsgerät Epson XP-332 als neuen Drucker unter...
Apricity Gnome unter Win 10 via VirtualBox
André Driesel, 30.11.2016 06:28, 2 Antworten
Halo Leute, ich versuche hier schon seit mehreren Tagen Apricity OS Gnome via VirtualBox zum l...
EYE of Gnome
FRank Schubert, 15.11.2016 20:06, 2 Antworten
Hallo, EOG öffnet Fotos nur in der Größenordnung 4000 × 3000 Pixel. Größere Fotos werden nic...
Kamera mit Notebook koppeln
Karl Spiegel, 12.11.2016 15:02, 2 Antworten
Hi, Fotografen ich werde eine SONY alpha 77ii bekommen, und möchte die LifeView-Möglichkeit nu...