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© Oleksiy Mark, 123RF

Ordnung ins Chaos

Fotosammlungen verwalten mit Digikam

17.07.2013
Das Allround-Talent Digikam beherrscht alle Aufgaben rund um die Bildverwaltung. Dabei reichen seine Fähigkeiten vom Import der Fotos über die Sortierung und Verschlagwortung bis hin zu umfangreichen Bearbeitungsfunktionen.

Der typische Hobby-Fotograf kommt nach dem Urlaub mit einem Stapel randvoller Speicherkarten nach Hause. Nun beginnt die Arbeit, die Fotos auf den Rechner zu packen, zu sichten, die besten Aufnahmen auszusuchen und dann davon Abzüge oder Fotobücher zu bestellen. Bei all diesen Arbeiten hilft Ihnen Digikam [1] weiter – und bietet dazu eine komfortable Oberfläche. Falls notwendig, rufen Sie aus Digikam heraus auch andere Programme auf und bearbeiten die Fotos dort weiter. Doch meist bietet das Tool schon alles, was Sie brauchen, um Ihre Fotos zur Bestellung vorzubereiten.

Ursprünglich war das aus dem KDE-Fundus stammende Digikam lediglich dazu gedacht, Fotos von Kameras und Speicherkarten unkompliziert auf einen Linux-Rechner zu ziehen – eine Aufgabe, die sich damals alles andere als einfach gestaltete. Den Import beherrscht Digikam noch immer perfekt und bietet heute auch eine Verknüpfung mit Internet-Konten für den aktuellen Datenimport. Den Schrecken der Datenübertragung hatte Linux jedoch bald verloren, sodass Digikam zusätzlich eine Fotoverwaltung spendiert bekam.

Durch die Systemintegration und die Verwendung der Kipi-Plugins kamen letztendlich noch diverse Funktionen zum Optimieren und Bearbeiten von Bildern hinzu. Die fallen so umfangreich aus, dass von ihnen in einem zweiten Teil des Artikels in der nächsten Ausgabe die Rede sein wird. Im vorliegenden ersten Teil des Artikels widmen wir uns zunächst den grundsätzlichen Einstellungen sowie den vielfältigen Verwaltungsfähigkeiten von Digikam.

Digikam installieren

Nahezu alle Distributionen bringen in ihren Softwareverwaltungen Digikam-Binärpakete mit, meist aber nicht die der aktuellsten Version. Möchten Sie die jeweils neueste stabile Version – zu Redaktionsschluss war das Digikam 3.2.0 – nutzen, dann müssen Sie diese in aller Regel aus den Quellen [2] selbst übersetzen. Diese Aufgabe gestaltet sich jedoch alles andere als trivial, da es vor dem Kompilieren von Digikam und den Kipi-Plugins gut drei Dutzend Abhängigkeiten [3] aufzulösen gilt.

Erste Schritte

Nach der Installation startet Digikam mit einem Assistenten, der grundsätzliche Informationen zur Einrichtung abfragt. Im ersten Schritt geben Sie den Speicherort für Bilder an. Dort legt Digikam später alle importierten Fotos in der von gewünschten Weise ab (etwa nach Datum geordnet oder in manuell benannten Verzeichnissen). Sie können hier auch ein Verzeichnis verwenden, das bereits Fotos enthält: Diese zeigt Digikam in seiner Übersicht dann ebenfalls an. An gleicher Stelle geben Sie ein weiteres Verzeichnis an, in dem Digikam seine Datenbank anlegt. Diese nimmt sämtliche Metadaten zu den Fotos auf. Es ist sinnvoll, für die Bildablage und die Datenbank den selben zentralen Ordner zu verwenden, Digikam schlägt von sich aus hier das Nutzerverzeichnis und das meist bereits vorhandene Unterverzeichnis Bilder vor. Es ist aber auch möglich, Bilder und Datenbank auf einem Wechselmedium oder einem zentralen NAS-Speicher abzulegen.

Im nächsten Schritt legen Sie fest, wie Digikam mit Kamera-Rohdaten umgehen soll (Abbildung 1). Zur Wahl stehen das schnelle Öffnen, das die RAW-Daten mit Standardeinstellungen anzeigt, sowie das Importwerkzeug, das gezielte Einstellungen passend zum Motiv, der Kamera oder der Bilderserie ermöglicht. Mit den Metadaten hängt auch die nächste Frage zusammen: Hier legen Sie fest, ob Digikam Metadaten grundsätzlich in den Bilddaten hinterlegt oder lediglich in der Datenbank festhalten soll. Das Einbinden der Metadaten in die Fotos erleichtert den Austausch mit anderen Programmen, kann aber das Speichern der Daten verlangsamen.

Abbildung 1: Der Installationsassistent weist eine ganze Reihe von Schritten auf, in denen Sie das grundsätzliche Verhalten von Digikam festlegen – unter anderem auch den Umgang mit RAW-Fotos.

Die nächsten beiden Einstellungen beschäftigen sich mit den Vorschaubildern. Zunächst legen Sie fest, ob Sie verkleinerte Vorschauen laden möchten oder in der Übersicht die vollständige Bilder sehen wollen. Besonders bei Rohdaten-Bildern gibt es teils erhebliche Abweichungen zwischen den Thumbnails aus den Originaldaten und den von einer RAW-Software gelieferten Fotos. Im vorletzten Schritt legen Sie fest, wie sich Digikam bei einem Rechtsklick auf ein Vorschaubild verhält. Verwenden Sie Digikam überwiegend als Verwaltungsprogramm, dann sollten Sie hier die Option Vorschau öffnen wählen, um eine größere Bildanzeige zu öffnen. Andernfalls kommen Sie mit der Einstellung Im Editor öffnen zu einem schnelleren Workflow.

Im letzten Schritt, bevor Sie endlich richtig loslegen können, aktivieren Sie die Ansicht der Kurzinfos. Diese geben in einem fliegenden Fenster Auskunft über die zur einem Foto hinterlegten Metadaten, sobald Sie mit dem Mauszeiger in den Übersicht über eine Bild fahren. Damit ist Digikam konfiguriert, und der Import der ersten Fotos steht an.

Fotos importieren

Digikam liest Fotos sowohl direkt von Kameras ein als auch von den üblichen Speichermedien wie Kartenlesern oder USB-Speichern. Außerdem lassen sich Fotos vom Scanner oder einem entfernten Rechnern über den Import-Dialog in den Digikam-Datenbestand überführen. Auch die Anbindung an Internet-Dienste bauen die Entwickler immer weiter aus. Der Web-Import gelingt derzeit von Picasaweb, Facebook und dem Profi-Bilderdienst SmugMug.

Haben Sie den Speicherort ausgewählt und gegebenenfalls die Zugangsdaten eingegeben, erhalten Sie eine Übersicht der dort lagernden Fotos (Abbildung 2). Mit einem Schieberegler unterhalb der Anzeige verändern Sie die Vorschaugröße. Am rechten Bildrand finden Sie zudem einige Symbole, mit denen Sie die Anzeige beeinflussen und zum Beispiel die Eigenschaften, Meta- oder Geodaten aufrufen. Über das Werkzeug-Symbol bestimmen Sie zudem, wie Digikam mit den importierten Fotos verfährt – etwa, ob diese auf der Speicherkarte verbleiben oder dort gelöscht werden und ob Digikam die Dateinamen beim Import verändert.

Abbildung 2: Der Import-Dialog bietet eine gute Übersicht über Fotos, die sich auf dem gewählten Medium befinden, und ermöglicht eine komfortable Bildauswahl.

Über Herunterladen stehen Ihnen nun drei Optionen zur Verfügung: Alle herunterladen, Ausgewählte herunterladen und Neue herunterladen. Dabei gleicht Digikam neue und vorhandene Fotos anhand der Speicherkartenbezeichnung mit seiner Datenbank ab. Nachdem Auswahl der gewünschten Aktion erscheint ein Dialog, in dem Sie den Speicherort angeben. Nach dem Bestätigen des Dialogs überträgt Digikam die Fotos auf das System und integriert sie in die Datenbank. Sie können Digikam derweil in den Hintergrund schicken, eine Systemnachricht informiert Sie nach dessen Abschluss über den erfolgreichen Import. Die neuen Fotos erscheinen nun in der Übersicht von Digikam und stehen Ihnen für die weitere Arbeit zur Verfügung.

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