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© Oleksiy Mark, 123rf.com

Backup für PCs im lokalen Netz

Sicher verwahrt

Mit BackupPC sichern Sie wichtige Daten komfortabel auf einem zentralen Server. Unter Linux brauchen Sie dazu nur die Bordmittel.

Wer ein kleines lokales Netz mit einem Server und mehreren physischen oder virtuellen Clients betreibt, der braucht eine Backup-Lösung, die vor allem den administrativen Aufwand zum Sichern mehrerer Rechner in vertretbaren Grenzen hält und die das Planen der Backups und Speichern der Sicherungen an einem zentralen Ort ermöglicht.

Zahlreiche kommerzielle Backup-Lösungen für Linux – zu den beliebten Vertretern der Gattung gehören Arkeia [1], SEP Sesam [2] oder BRU [3] – konkurrieren dabei um die Gunst des Käufers. Als freie Alternative bietet sich da BackupPC [4] an: Dessen Funktionsumfang hält mit der Kaufkonkurrenz locker mit.

Das Programm basiert auf einer Reihe von Perl-Skripten, die Sie über ein Webinterface steuern. Die Software selbst nebst Interface installieren Sie auf einem Linux-Server, der sich mit den zu sichernden Clients im lokalen Netz verbindet, um Daten von diesen zu holen oder wiederherzustellen. Da alle zum Sichern benötigten Werkzeuge, etwa Rsync, SSH, SMB oder Tar, zu den Bordmitteln eines Linux-PC gehören, setzt das System je nach Verfahren keine oder allenfalls eine minimale Konfiguration auf den Clients voraus.

Beim Sichern überträgt BackupPC die Daten nach Möglichkeit via Rsync und profitiert so von dessen Vorteilen, wie etwa den Deltas: Dabei kopiert die Software wenn möglich nur veränderte Teile einer Datei. Zum Sichern von Windows-Clients verwendet BackupPC allerdings ausschließlich das SMB-Protokoll.

Deduplizierung

Optional bietet die Software die Möglichkeit, die Dateien auf dem Server mit Gzip oder Bzip2 zu komprimieren. Das beschleunigt zwar nicht das Übertragen, spart aber Speicherplatz. Ferner unterstützt BackupPC Deduplizierung, was dafür sorgt, das die Software identische Dateien mehrerer Clients stets nur ein Mal sichert. Das funktioniert aus Prinzip nur auf Dateiebene. Gibt es irgendwo innerhalb der zu sichernden Umgebung eine Dublette, erkennt das Programm diese und ersetzt sie in der Sicherung durch einen Hardlink.

Dieses interne Referenzieren identischer Dateien spart zwar Speicherplatz auf dem Server, nicht aber beim Übertragen. Das Programm zieht die Daten immer zunächst zum Server und vergleicht erst dann. Andere Programme beherrschen Deduplizierung vor dem Übertragen.

BackupPC sichert auf jedes Medium, dass Sie am Server über dessen Dateisystem einbinden. Dabei legt es die Daten im nativen Format, auf Wunsch komprimiert, in einem Snapshot-Verzeichnis ab. Über eine Weboberfläche erhalten Sie Zugriff auf die Daten.

BackupPC sichert bei Linux-Clients neben regulären Dateien andere Elemente Unix-typischer Dateisysteme, wie FIFOs, Pipes, Hard- und Softlinks sowie Gerätedateien von block- und zeichenorientierten Geräten, allerdings keine Unix Domain Sockets. Die ermöglichen zwei Prozessen zur Laufzeit das Einrichten eines privaten Kanals zur Kommunikation und haben daher nur eine temporäre Bedeutung.

Findet die Software Hardlinks, die auf die gleiche Datei verweisen, sichert sie nur die Information über den Hardlink und speichert sie wie bei symbolischen Links als reguläre Textdatei, deren Inhalt den Pfad zur verlinkten Datei enthält. Diese Datei komprimiert BackupPC bei Bedarf. Fifos dagegen legt BackupPC als leeres Plain-File ab.

In jedem Fall sichert das Programm sämtliche Attribute einer Datei und stellt sie bei Bedarf korrekt wieder her. Weitere Einzelheiten zum Umgang mit den speziellen Dateitypen finden Sie in der entsprechenden Rubrik der Dokumentation [5]. Die steht wahlweise über den gleichnamigen Menüpunkt im Webinterface bereit.

BackupPC speichert die Unix-Attribute sämtlicher Dateien, Verzeichnisse und Unterverzeichnisse in einer speziellen Datei mit der Bezeichnung attrib, sodass das fertige Backup für jedes gesicherte Verzeichnis und jede einzelne gesicherte Datei ein derartiges File enthält.

Dessen Inhalt beginnt stets mit einer sogenannten Magic-Number, gefolgt von einer Attribut-Kette, die sich aus der Länge des Dateinamens (zur Basis 128, repräsentiert durch den Code "w" in der Pack-Funktion von Perl), dem Dateiname, dem Unix-Dateityp, den Berechtigungen, UID, GID und Größe zusammensetzt. Weitere Einzelheiten dazu finden sich in der Dokumentation. Die Angaben ermöglicht es, den korrekten Zustand sämtlicher Attribute exakt wiederherzustellen – unabhängig davon, welche Attribute der Datenträger für die Sicherung oder das Dateisystem darauf speichern.

Installation

Die Installation von BackupPC geht in den meisten Fällen unproblematisch vonstatten, weil die meisten gängigen Distributionen das Programm in den Paketquellen enthalten. Da die Software einen Apache-Webserver inklusive mod_Perl voraussetzt, bietet das Installieren über die Paketverwaltung der Distribution den Vorteil, dass diese sich auch um die Abhängigkeiten kümmert. Das betrifft nicht nur den Webserver, sondern auch die zum Sichern benötigten Tools wie rsync, libfile-rsyncp-perl und smbfs.

Wie üblich nimmt das Installieren bei Debian-basierten Distributionen wie Ubuntu einen Teil der Konfiguration vorweg, indem der Paketmanager im Verlauf der Installation einige Fragen stellt, etwa nach dem Namen der Arbeitsgruppe oder dem Domain-Namen. Die Frage, ob Debconf die Samba-Konfigurationsdatei smb.conf anpassen soll, verneinen Sie zunächst. Außerdem kümmert sich Debconf um das Anlegen eines Default-Benutzers für den Backup-Administrator und fragt nach dessen Passwort.

TIPP

Bei Bedarf wiederholen Sie die Basis-Konfiguration wie bei Debian/Ubuntu üblich, indem Sie in einem Terminal dpkg-reconfigure backuppc eingeben.

Während der Konfiguration besteht die Möglichkeit, einen Alias für BackupPC zur Apache-Konfiguration hinzuzufügen. Das sollten Sie tun, denn es hat den Vorteil, dass Sie das Webinterface nach Abschluss der Konfiguration sofort unter der Adresse http://Server/backuppc erreichen. Dort melden Sie sich mit dem Account backuppc und dem im Verlauf der Konfiguration gesetzten Passwort an.

Bei RPM-basierten Distribution verläuft die Installation genauso einfach: Unter Red Hat und Fedora genügt dazu wahlweise das Eingeben von yum install backuppc auf der Kommandozeile oder das Verwenden von Package-Kit beziehungsweise Apper. OpenSuse-Anwender installieren die Software über YaST oder Zypper.

Zwar kümmern sich Yum oder Zypper um die Abhängigkeiten, die Konfiguration bleibt aber Ihnen überlassen. Schwierig ist das nicht: Haben Sie den Apache-Webserver samt mod_perl eingespielt, passen Sie die Konfigurationsdatei /etc/httpd/conf.d/BackupPC.conf an die konkreten Gegebenheiten an (Listing 1).

Listing 1

<Directory /usr/share/BackupPC/sbin/>
order deny,allow
# deny from all
# allow from localhost
AuthType Basic
AuthUserFile /etc/BackupPC/apache.users
AuthName "BackupPC"
require valid-user
</Directory>
Alias        /BackupPC/images  /usr/share/BackupPC/html/
ScriptAlias  /BackupPC         /usr/share/BackupPC/sbin/BackupPC_Admin

Beachten Sie dabei, dass die Direktiven deny und allow von Bedeutung sind, und entfernen Sie mindestens eines der beiden Kommentarzeichen. Eine sinnvolle Konfiguration im Beispiel wäre etwa allow from 192.168.0.0/24 für den Zugriff aus dem lokalen Netz.

Außerdem gilt es, den benötigten Apache-Benutzer bei einer RPM-basierten Installation manuell der Konfigurationsdatei /etc/BackupPC/apache.users hinzufügen, wozu Sie das Kommando htpasswd verwenden, das interaktiv das gewünschte Passwort abfragt:

htpasswd -c /etc/BackupPC/apache.users Benutzer

Anschließend starten Sie den Apache-Webserver. Sollte der schon laufen, ist ein Neustart erforderlich. Das funktioniert bei SysV-Init-basierten Systemen mit /etc/init.d/httpd restart. Bei Upstart-basierten Distributionen wie Ubuntu verwenden Sie service apache2 restart. Bei auf Systemd basierenden Systemen wie Fedora führt dagegen systemctl restart httpd.service zum Ziel. Danach sollte das Anmelden am Webinterface unter der Adresse http://Server/backuppc gelingen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Nach erfolgreicher Installation steuern Sie die Software sehr einfach über das Webinterface.

Möchten Sie die Backups später automatisieren, indem Sie im Webinterface den Scheduler konfigurieren, setzt das voraus, dass die Software permanent als Dienst läuft beziehungsweise nach einem Reboot automatisch startet. Das erledigen Sie bei RPM-basierten Systemen wie Fedora mit systemctl enable backuppc oder chkconfig backuppc on. Debian und Ubuntu-Nutzer verwenden das Kommando update-rc.d.

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