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© Andrewatla, sxc.hu

Videos schneiden und bearbeiten mit Flowblade

Klares Konzept

Für schnelle Schnitte und coole Effekte brauchen Sie keine Profi-Tools: Es genügt ein flexibler Videoeditor wie Flowblade.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit werkelt Janne Liljeblad schon seit einiger Zeit an einem äußerst interessanten Schnittprogramm für Videos. Mit dem Flowblade getauften Werkzeug bringen Amateure schnell ein Video aus dem Urlaub in Form, während Profis aus den umfassenden Möglichkeiten an Effekt und Animation schöpfen.

Obwohl äußerst schlank, bietet das Programm mehr nützliche Werkzeuge als so manch ein Konkurrent. Es erlaubt das Arrangieren der Videoclips auf mehreren Spuren, vermag Effekte flexibel über sogenannte Keyframes zu steuern und verarbeitet unzählige Videoformate. Trotz der zahlreichen Funktionen bietet es eine übersichtliche und aufgeräumte Benutzeroberfläche, die den Einstieg vereinfacht. Etwas komplexer gestaltet sich derzeit allerdings die Installation der in Python geschriebenen Software (siehe Kasten "Installation").

Installation

Aufgrund des jugendlichen Alters fehlt Flowblade noch in den Repositories der Distributionen. Folglich kommen Sie nicht umhin, das Programm per Hand zu installieren. Auf der Homepage stand zum Redaktionsschluss nur ein DEB-Paket, bereit, das ausschließlich unter Ubuntu 12.04 und Linux Mint 12 funktioniert.

Setzen Sie eine andere Distribution ein, müssen Sie zunächst über den Paketmanager die Hilfswerkzeuge nachinstallieren. Der Tabelle "Abhängigkeiten" zeigt die entsprechenden Programme und Bibliotheken, die Version 0.6.0 von Flowblade voraus setzt. Die entsprechenden Paketnamen beziehen sich auf Ubuntu 12.10. GTK, Cairo und Python sollten auf den meisten Distributionen bereits standardmäßig installiert sein.

Haben Sie alles vorbereitet, wechseln Sie auf der Homepage [1] zum Register Downloads, holen von dort das etwa 6 MByte große Tar-Archiv und entpacken es in einem beliebigen Verzeichnis. Die Software starten Sie über den Aufruf von ./flowblade-0.6.0/flowblade in einem Terminal. Eine Installation ist nicht notwendig. Sollte eine Abhängigkeit fehlen, mahnt das Programm dies mit einer entsprechenden Nachricht im Terminal an.

Abhängigkeiten

Archiv Beschreibung
python Python ab Version 2.5
gtk2-engines-pixbuf, librsvg2-common GTK2
libcairo2 Cairo
melt MLT-Framework. Flowblade benötigt vor allem das Hilfsprogramm Melt, das unter Ubuntu 12.10 im gleichnamigen Paket steckt
fontconfig Fontconfig
python-gtk2, python-cairo und python-mlt5 Python-Anbindung an GTK, Cairo und MLT
python-numpy Python Numpy
Optional
swh-plugins LADSPA-Audio-Plugins
sox, libsox2 Audio-Bibliothek Sox
frei0r-plugins Videoeffekt-Bibliothek Frei0r
ffmpeg Ffmpeg

Oberflächlich

Nach dem Start erscheint das große Hauptfenster aus Abbildung 1. Links oben in der Ecke verwaltet es auf mehreren Registern alle im Film verwendeten Videos, bietet zahlreiche Effekte an und ermöglicht später die Ausgabe des fertigen Videos. Rechts daneben finden Sie die nach dem Start noch schwarze Vorschau. Am unteren Rand sitzt schließlich noch die Zeitleiste, auf der Sie die Videos zum Gesamtkunstwerk zusammensetzen.

Abbildung 1: Das Hauptfenster gibt sich aufgeräumt, verlangt aber viel Platz auf dem Bildschirm – kleiner als die Standardgröße bekommen Sie es nicht.

Den aktuellen Stand der Arbeit nebst allen Einstellungen speichert Flowblade in einer Projektdatei. Um ein erstes, leeres Projekt zu erstellen, rufen Sie File | New... auf. Unter Project Profile wählen Sie das Format, in dem die Videos vorliegen. Besitzen Sie eine DV-Kamera, entscheiden Sie sich hier für DV/DVD PAL. Zeichnet die Kamera hingegen im AVCHD-Format auf, ist einer der mit HD beginnenden Punkte der Richtige – welcher genau, verrät das Handbuch der Kamera.

Möchten Sie Videos aus unterschiedlichen Quellen zusammenfügen, sollten Sie hier in der Ausklappliste das Format wählen, das Sie später ausgeben möchten. Sofern Sie eine DVD erstellen wollen, wäre DV/DVD PAL passend. Nach einem Klick auf OK legt die Applikation ein neues Projekt an. Viel hat sich bis hierhin noch nicht getan – außer, dass Flowblade die Vorschau auf das gewählte Videoformat eingestellt hat.

Zu jeder geladenen Videodatei erstellt das Programm gleich ein kleines Symbol für die Vorschau. In welchem Verzeichnis die Schnittsoftware diese Dateien zwischenspeichert, legen Sie vorab in den Einstellungen fest.

Öffnen Sie die Grundeinstellungen hinter Edit | Preferences. Klicken Sie dazu neben Thumbnail folder auf Select folder und wählen Sie ein geeignetes Verzeichnis auf der Festplatte aus. Flowblade zeigt ihnen in den Grundeinstellungen das gewählte Verzeichnis übrigens nicht an, merkt es sich aber dennoch. Schließen Sie das Fenster mit einem Klick auf OK.

Materialschlacht

Als Nächstes müssen Sie alle Videos laden, die Sie für den zu erstellenden Film benötigen. Dazu stellen Sie sicher, dass links oben das Register Media aktiviert ist, klicken auf Add über der rechten Liste und wählen eine der fraglichen Videodateien aus. Diese erscheint dann in der Liste auf dem Media-Reiter mit besagter Vorschau und der Laufzeit (Abbildung 2).

Abbildung 2: Auf dem Media-Register sammelt die Schnittsoftware alle im Projekt verwendeten Videos. Das Video zingst5.avi dauert gerade einmal 23 Sekunden.

Nach und nach ziehen Sie dann über Add alle weiteren Videos nach. Je nach Videodatei müssen Sie dabei gelegentlich ein wenig Geduld aufbringen: Insbesondere bei HD-Videos legt Flowblade gern eine kleine Denkpause ein, in der es nicht mehr reagiert. Die paar Minuten Warten lohnen sich aber.

Sobald alle Videos geladen sind, ziehen Sie sie einfach nacheinander in die Zeitleiste am unteren Fensterrand und ordnen sie dort an. Oft enthalten die Videos jedoch nur einen kleinen Teil, der sich zum weiteren Verarbeiten lohnt. Das gilt insbesondere für Urlaubsvideos, bei die Kamera einfach mitlieft. Um ein Video schon vorab zu beschneiden, klicken Sie es auf dem Media-Register doppelt an: Flowblade öffnet das Video daraufhin rechts in der Vorschau.

Über die Schaltfläche zur Wiedergabe direkt unterhalb der Vorschau steuern Sie nun im Video den neuen Startpunkt an. Die Doppelpfeile sorgen dabei für einen schnellen Vorlauf, die Pfeile mit dem Strich wechseln einen Frame vor beziehungsweise zurück. Alternativ verschieben Sie den orangefarbenen Strich unterhalb der Vorschau per Drag & Drop. Mit dieser Scrubbing genannten Methode navigieren Sie besonders schnell durch das Video.

Bei HD-Videos läuft die Vorschau je nach Leistungsfähigkeit des Computers unter Umständen recht langsam ab, mitunter dauert es sogar ein paar Sekunden, bis das angesteuerte Bild erscheint. Hier bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als Geduld zu bewahren oder in einen schnelleren Computer zu investieren.

Sobald Sie die neue Anfangsstelle gefunden haben, klicken Sie auf das Symbol, das wie eine schließende eckige Klammer aussieht. Fahren Sie jetzt weiter zum neuen Ende und klicken Sie auf die Schaltfläche mit der sich öffnenden Klammer. Die Klammern erscheinen auch als Orientierungshilfe unterhalb der Vorschau im weißen Balken (Abbildung 3).

Abbildung 3: Flowblade übernimmt den mit den Klammern festgelegten Ausschnitt in das Arrangement. Die Positionen der neuen Start- und Endpunkte lesen Sie bei Bedarf am oberen Rand der Vorschau ab.

Flowblade übernimmt jetzt nur noch denjenigen Teil des Videos ins Arrangement, der sich zwischen den beiden Klammern befindet. Haben Sie sich vertan, setzen Sie die Klammern einfach erneut oder entfernen sie mit einem Klick auf das Symbol mit den zwei eckigen Klammern.

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