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© colindamckie, 123RF

Große Dateien transferieren

Übergröße

Einige Dateisysteme orientieren sich meist an Dateien kleiner und mittlerer Größe und bekommen bei größeren Brocken schnell Schluckauf. Kleine Umwege versprechen hier Abhilfe.

Die Situation kommt Vielen vermutlich bekannt vor: Sie möchten eine große Datei auf einem USB-Stick speichern, das Unterfangen schlägt aber fehl, obwohl genügend Platz vorhanden wäre. In diesem Fall sind Sie sehr wahrscheinlich an die Grenzen des Dateisystems auf dem verwendeten Datenträger gestoßen. Als Ursache kommt eine gefüllte File Allocation Table (FAT) – das Verzeichnis über den Inhalt des Datenträgers – und das Erreichen der maximalen Anzahl der Blöcke pro Datei in Frage.

Aus Kompatibilitätsgründen liefern viele Hersteller ihre Medien mit den Dateisystemen VFAT oder FAT32 aus. Dass diese die Größe einer Datei begrenzen, fällt oft lange Zeit nicht auf. Beide speichern Dateien bis zu einer maximalen Größe von rund 4 GByte. Allerdings gibt es verschiedene Lösungsansätze, wie Sie solche großen Dateien dennoch von Rechner zu Rechner transportieren.

Variante Eins ist der Datentransfer über eine Netzwerkverbindung, Variante Zwei das Komprimieren der Daten, Variante Drei das Formatieren des Datenträgers mit einem anderen Dateisystem und Variante Vier das Zerlegen der Datei in mehrere Stücke und das nachfolgende Zusammenfügen auf dem Zielsystem.

Netzbetrieb

Ob der Transfer über das Netz infrage kommt, hängt vom Durchsatz der Leitung und einer stabilen Bandbreite während der Verbindung ab. Für den Upload über einen Zugang mit asymmetrischer Bandbreite (Beispiel: ADSL) stellen Internet Service Provider häufig weniger Kapazität bereit als für den Download. In Zeiten des stets verfügbaren Netzes gerät diese Tatsache leicht in Vergessenheit.

Vermag das Zielsystem Daten via FTP zu empfangen, erweist sich dieses Protokoll als erste Wahl. Neben dem klassischen Werkzeug ftp für die Kommandozeile (Listing 1) vereinfacht der Client Gftp mit seiner grafischen Oberfläche das Hin- und Herschieben der Daten mitunter erheblich (Abbildung 1).

Listing 1

$ ftp Nutzer@Server
Password:
230 Login successful. Have fun.
ftp> put Datei
ftp> bye
221 Goodbye.
Abbildung 1: Der Client Gftp erleichtert mit seiner grafischen Oberfläche den Dateitransfer zu einem FTP-Server.

Bei FTP handelt es sich aber um ein unsicheres Protokoll, das sämtliche Daten unverschlüsselt verschickt. Als sicherere Alternativen stehen seit längerem Secure FTP (SFTP) und FTPS (FTP über SSH) bereit. Daneben bietet sich zum sicheren Übertragen der Einsatz von Secure Copy (SCP) an. Das Programm gehört in der Regel zum Umfang einer SSH-Installation auf einem Client-PC. Auf dem Zielsystem setzt dieser Weg einen SSH-Server voraus.

Beide Komponenten stehen unter Debian und Ubuntu in den Paketen openssh-client und openssh-server bereit. Der Client gehört bei vielen Distributionen bereits zur Standardumfang, eine Installation ist deswegen meist nicht erforderlich. Den Server installieren Sie nachträglich, unter Ubuntu/Debian mittels apt-get install openssh-server auf dem Zielsystem.

Um Daten vom Host zum Server zu übertragen, genügt das Kommando aus der ersten Zeile von Listing 2. SCP baut eine verschlüsselte Verbindung zum Zielrechner auf und überträgt die Datei ins angegebene Verzeichnis. Dieses benennen Sie explizit, in dem Sie es im Aufruf an den Rechnernamen anfügen. Als Trennzeichen fungiert im SCP-Aufruf der (obligatorische) Doppelpunkt. Geben Sie nur den Doppelpunkt an, wählt die Software automatisch das Home-Verzeichnis auf dem entfernten System als Ziel aus.

Listing 2

$ scp Datei Nutzer@Ziel:
$ scp Datei Nutzer@Ziel:/tmp/
$ scp -C datei3.iso Nutzer@Ziel:debian.iso
$ scp -C Nutzer@Quelle:debian.iso datei4.iso

Während die ersten beiden Aufrufe in Listing 2 den Dateinamen auf dem Zielsystem beibehalten, ändert das dritte Kommando ihn in debian.iso. Zusätzlich erfolgt der Transfer durch den Schalter -C in Gzip-komprimierter Form. Bei Textdateien und Tar-Archiven verringert sich dadurch unter Umständen die Dauer der Übertragung ganz erheblich.

SCP holt auf Wunsch auch Daten vom Server. Im Aufruf geben Sie dazu im ersten Parameter den Namen des Rechners an, auf dem die Dateien bereitstehen, und im zweiten Parameter den Pfad und Dateinamen im lokalen System. In der letzten Zeile von Listing 2 liest das Programm die Datei debian.iso vom angegebenen Rechner aus dem Home-Verzeichnis des Benutzers, überträgt diese Gzip-komprimiert auf das lokale System und speichert das File im aktuellen Verzeichnis unter dem Namen datei4.iso ab.

Haben Sie sich noch nicht mit den Werkzeugen auf der Kommandozeile vertraut gemacht, bietet der Midnight Commander sich hier als Alternative an. Hinter den beiden Menüpunkten Links | FTP-Verbindung und Links | Shell-Verbindung verbergen sich Aufrufe, über die Sie eine FTP- beziehungsweise SCP-Verbindung herstelle (Abbildung 2).

Abbildung 2: Wer den Kontakt mit der Kommandozeile scheut, dem bietet der Midnight Commander, in einer grafischen Oberfläche verpackt, eine ähnliche Funktion wie SCP und FTP.

Beachten Sie, dass der Midnight Commander Daten im Verzeichnis /tmp puffert. Prüfen Sie daher vor dem Übertragen großer Dateien, ob dort genügend Platz bereitsteht.

Abgleich mit Rsync

Eine weitere Möglichkeit, Daten zu transferieren, besteht im Synchronisieren zweier Verzeichnisse via Rsync oder dessen grafischen Frontend Grsync (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die grafische Oberfläche Grsync erleichtert den Umgang mit den zuweilen recht kryptisch wirkenden Rsync-Kommandos.

Listing 3 zeigt, wie Sie den Inhalt des Verzeichnisses /original von einem Rechner mit dem lokalen Verzeichnis kopie abgleichen. Rsync überträgt dabei nur die Änderungen zwischen dem Original und der Kopie – identische Daten(blöcke) erkennt das Tool und spart sie aus. Die Option -z sorgt dafür, dass die Daten beim Abgleich via Gzip komprimiert übers Netz laufen.

Listing 3

$ rsync -z Nutzer@Quelle:/original/ kopie

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