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© Chode, 123RF

Calligra: KDE-Office aus einem Guss

Kleinere Baustelle

Die KDE-Bürosuite Calligra positioniert sich bewusst als leichtgewichtige Office-Alternative für den praktischen Alltagseinsatz. Noch arbeiten allerdings nicht alle Komponenten der Sammlung alltagstauglich.

Die freie KDE-Bürosuite Calligra ging 2010 durch Abspaltung aus dem KDE-Office-Paket KOffice hervor und speichert wie LibreOffice alle Dokumente im Open Document Format ODF. Derzeit besteht Calligra aus der Textverarbeitung Words, der Tabellenkalkulation Sheets, dem Datenbank-Modul Kexi sowie dem Zeichenprogramm Krita. Dazu gesellen sich das Diagramm- und Flowchart-Tool Flow, das Präsentationsprogramm Stage, der Projektplaner Plan, der Vektorzeichner Karbon und die Notizverwaltung Braindump.Beim jüngst erschienenen Calligra 2.5 handelt es sich um die zweite offiziell stabile Version des Projekts.

Das Calligra-Projekt [1] tritt mit der Absicht an, dem zunehmend überfrachteten LibreOffice eine leichtgewichtige und intuitiv bedienbare Alternative entgegenzustellen, die trotzdem den Alltagsanforderungen genügt. Das Vorstellen aller neun Module von Calligra würde den Rahmen diesen Beitrags sprengen. Wir haben uns daher auf die Kernmodule Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Datenbank konzentriert – wohl wissend, dass die einzelnen Module in Calligra durchaus einen unterschiedlichen Reifegrad aufweisen und gerade das Zeichenprogramm Krita oder das Diagramm-Tool Flow ganz spezifische Stärken haben.

Was die Gewichtung innerhalb der von uns fokussierten Module Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Datenbank angeht, haben wir uns mit Calligra Words am intensivsten befasst, da Textverarbeitung die funktional wichtigste Komponente jeder Bürosuite darstellt und Words der jüngste Spross der Calligra-Familie ist.

Entstehungsgeschichte von Calligra

Obwohl Calligra 2.5 nach der Version 2.4 erst das zweite stabile Release des Office-Pakets darstellt, kann das Projekt mit seinen Wurzeln in KOffice auf eine recht lange Entwicklungsgeschichte verweisen: Calligra setzt die Codebasis von KOffice 2.3 fort, ist also ein Fork von KOffice. Die Abspaltung war aufgrund eines lang anhaltenden Streits mit dem KWord-Entwickler Thomas Zander notwendig geworden. Der betreut nun weiterhin KOffice als One-Man-Show, während ein Großteil des ehemaligen Teams KOffice 2.3 unter dem neuen Namen Calligra weiter entwickelt. Allerdings bekam das neue Paket mit Word ein vollständig neu entwickeltes Textverarbeitungsmodul.

Mit der Umbenennung in Calligra Ende 2010 ging auch eine Neutaufe der übrigen KOffice-Komponenten einher. So erhielt die älteste KOffice-Anwendung, KPresenter, den Namen Stage. Aus der Tabellenkalkulation KSpread wurde Sheets, der Flowcharter Kivio heißt jetzt Flow und der Projektplaner KPlato schlicht Plan. Alle anderen KOffice-2.3-Komponenten wurden ersatzlos entfernt.

Office für KDE

Calligra ist eine waschechte KDE-Suite: Alle Programme setzen auf Qt auf, verwenden Qt-Widgets, bedienen sich der in KDE üblichen Dialoge zum Laden und Speichern, kennen KDE-typische Shortcuts und integrieren sich allgemein besonders gut in KDE. Calligra profitiert somit von allen wichtigen KDE-Funktionen wie D-Bus, KParts, Flake und anderen mehr.

So können alle Calligra-Komponenten mithilfe der Flake-Technologie jede beliebige Calligra-Komponente in jedes Calligra-Dokument einbetten. So fügen Sie etwa eine in Sheets erstellte Tabelle direkt in ein Words-Dokument ein und gestalten so komplexe zusammengesetzte Dokumente.

Als besonders angenehm erweist sich die weitgehend einheitliche Bedienung fast aller Programme mit auf der rechten Seite andockbaren Dialogen. Auch beim ersten Start präsentieren sich die einzelnen Calligra-Modul weitgehend einheitlich und bieten jeweils die Möglichkeit, ein bestehendes Dokument zu bearbeiten, ein leeres Dokument zu erzeugen oder eine Dokumentvorlage auszuwählen. Einen gemeinsamen Launcher für alle Anwendungen gibt es jedoch nicht.

Calligra 2.5 installieren

Für den Test richteten wir Calligra 2.5 unter Kubuntu 12.04 ein, was zurzeit nur durch Hinzufügen der PPA-Backport-Repositories [2] funktioniert, dann aber problemlos über die Paketverwaltung klappt. Das Hinzufügen des PPAs gelingt am einfachsten über den Befehl

$ sudo add-apt-repository ppa:kubuntu-ppa/backports

Alle Calligra-Komponenten lassen sich auch einzeln installieren. Sie müssen dabei jedoch umsichtig vorgehen, da in den Paketquellen der meisten Distributionen auch KOffice zur Verfügung steht.

Grundlagen

Die Oberfläche der meisten Calligra-Module wirkt auf dem ersten Blick wohltuend schlicht, erschließt aber nach Ansicht der Entwickler alle für den Alltagsbetrieb benötigten Funktionen. Die Symbolleiste enthält nur einen minimalen Satz an Icons. Sie können aber die Werkzeugleiste fast jedes Calligra-Programms über Einstellungen | Werkzeugleiste einrichten Ihren individuellen Wünschen anpassen. Dazu lagern die meisten Calligra-Programme häufig benötigte Werkzeuge in Dialoge aus, die sie auf der rechten Fensterseite andocken.

Erfahrene KDE-Anwender können die Oberfläche von Calligra auch individuell anpassen. Das funktioniert allerdings nicht mithilfe grafischer Dialoge, sondern über das Bearbeiten der beiden XML-Dateien calligra_shell.rc und words.rc – je eine für das GUI und für die Rahmendateien, die das Aussehen der jeweiligen Calligra-Komponente ohne geöffnetes Dokument beschreiben.

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