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Arbeit und Kosten mit dem Terminal-Server ThinLinc reduzieren

Schlank, schnell, zentral

ThinLinc präsentiert sich als leicht zu installierende und zu wartende Terminal-Server-Lösung, die keine Wünsche offen lässt.

Ein Terminal-Server erleichtert das Leben des Admins deutlich. Alle Nutzer arbeiten mit den selben, zentral gepflegten Programmen und Einstellungen. Statt teuerer und pflegeintensiver PCs genügen als Arbeitsplatz auch preiswerte Thin-Clients anschaffen oder umfunktionierte ältere Rechner. So lässt sich nicht nur Geld sparen: Die Anwender finden an jedem Rechner im Netz ihren gewohnten Desktop vor und können ohne großen Aufwand einen häuslichen Tele-Arbeitsplatz erhalten.

Für Linux gibt es mehrere Terminal-Server-Lösungen. In diesem Artikel soll es um ThinLinc [1] gehen, ein Produkt der schwedischen Cendio AB. Weitere Vertreter wären NX Nomachine [2], das Linux Terminal Server Project (LTSP) [3] oder X2Go [4]. Zwar nutzt ThinLinc viel freie Software, beim Terminal-Server selbst handelt es sich jedoch um proprietäre Software. Für kleine Installationen bis zehn Nutzern ist die Terminal-Lösung kostenlos, danach fallen gestaffelte Gebühren an.

Cendio hat ThinLinc mit reichlich Features ausgestattet. Dazu zählen zum einen gebräuchliche Funktionen wie Kommunikation über SSH, VPN, Hochverfügbarkeit, Skalierbarkeit, Authentifizierung gegen Verzeichnisdienste und die Unterstützung von Sound, lokalen Datenträgern oder seriellen Ports über Netzwerkverbindungen. Daneben offeriert ThinLinc auch eine integrierte OpenGL-Implementierung für beschleunigte 3D-Grafiken auf den Clients, Smartcard-Unterstützung, einen integrierten VDI-Broker und spielt mit vorhandenen Windows-Datei- und Terminal-Services sowie Microsofts Active Directory zusammen. Läuft auf dem ThinLinc-Server ein Webserver, lassen sich Sitzungen auch in einem Browser starten.

Bei ThinLinc handelt es sich um ein Framework, als dessen zentraler Bestandteil der von Cendio entwickelte VNC Session Manager (VSM) fungiert. Der VSM kümmert sich um die Nutzerauthentifizierung, verwaltet Sitzungen, Lastausgleich, Hochverfügbarkeit und dient als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Terminal-Servern ("Agents") und deren Anwendungen. Grafische Informationen tauschen Server und Client via TigerVNC [5] ausgetauscht. Auf dem Server läuft der VNC-Server Xvnc, der für Anwendungen als X-Server fungiert.

Dieser Artikel zeigt, wie eine Terminal-Server-Lösung für den Hort einer Ganztagsschule aussehen könnte. In dessen Bibliothek stehen mehrere alte Rechner, welche die Kinder für Internetrecherchen und ihre Hausarbeiten nutzen können. Als Grundlage für die ThinLinc-Installation dient ein Server mit Ubuntu 12.04.

Installation

ThinLinc setzt auf dem Server lediglich eine halbwegs aktuelle Linux-Distribution voraus. Cendio hat den Terminal-Server ausgiebig mit Red Hat Enterprise Linux Server 6, Suse Linux Enterprise Desktop 11 SP2 und Ubuntu 12.04 getestet, wobei jeweils die 64-Bit-Versionen herhalten mussten.

Die Hardwareanforderungen an den ThinLinc-Server hängen von den Anforderungen der Anwender ab. Erfahrungsgemäß sollte die CPU 150 bis 300 MHz Taktfrequenz sowie 100 bis 200 MByte Arbeitsspeicher pro aktiven Nutzer bereitstellen können. So lassen sich die meisten Büroarbeiten gut bewältigen. Für rechen- und speicherintensive Anwendungen muss der Server entsprechend üppiger ausfallen.

Um den ThinLinc-Server herunterzuladen, müssen Sie sich registrieren. Anschließend wird das in einem ZIP-Archiv verpackte Thinlink-Server-Bundle heruntergeladen und entpackt. Aktuell liegt ThinLinc in der Version 3.4 vor. ThinLinc bringt DEB- und RPM-Pakete mit, sodass Sie es auf vielen Systemen mithilfe der Paketverwaltung installieren können. Anderenfalls starten Sie die Installation manuell mit ./install-server im neu entstandenen Verzeichnis tl-3.4.0-server.

Nach dem Einrichten der Pakete bietet der Installer an, gleich mit der Konfiguration fortzufahren. Diesen Schritt können Sie auch später nachholen, indem Sie als Root /opt/thinlinc/sbin/tl-setup aufgerufen. Sie müssen Lizenzen akzeptieren und sich entscheiden, ob der Server ein Master oder Agent sein soll. Bei Mastern handelt es sich um die Server, mit denen sich Clients verbinden, Agenten führen die Tasks der Anwender aus. In unserem Szenario reicht ein Server aus, der sowohl die Aufgaben des Masters als auch des Agents übernimmt. Nach der Wahl werden eventuelle Abhängigkeiten aufgelöst, was dem Admin bei einem frisch aufgesetzen Server eine kleine Pause beschert.

Gegebenenfalls installiert das Setup-Programm neben den Abhängigkeiten auch noch einen NFS-Client (für Local Drive Redirection), PyGTK, PyGlade oder Python LDAP. Erstere dienen dazu, an Clients Daten auf USB-Sticks zu speichern oder die Bildschirmauflösung am Terminal zu ändern. Python LDAP brauchen Sie nur dann, wenn Sie Anwender gegen Novell NDS/eDirectory oder Microsoft Active Directory authentifiziert werden sollen.

:Anschließend fragt ThinLinc noch nach der E-Mail-Adresse des Admins sowie einem Passwort für die webbasierte Admin-Oberfläche und richtet die Firewall und vorhandene Drucker ein. Zu guter Letzt starten die ThinLinc-Services und Sie erreichen die webbasierte Administrationsoberfläche unter https://thinlinc-server:1010/ (Abbildung 1).

Abbildung 1: ThinLinc lässt sich bequem über den Browser steuern.

ThinLinc-Client

Die Terminals verbinden sich über den ThinLinc-Client [6] mit dem Server. Sie erhalten den Client in Form separater, 5 bis 6 MByte großer Dateien für Linux (Binary, DEB- und RPM-Paket), Mac OS X, Solaris und Windows. Gibt es keinen Rechner mit vorinstalliertem Betriebssystem, kann das Client Operating System (TLCOS) eine interessante Alternative zur Neuinstallation sein: Das knapp 460 MByte große ISO-Image basiert auf Fedora 8 und begnügt sich bereits mit einem Pentium-Rechner mit 128 MByte Arbeitsspeicher und 3 GByte freiem Festplattenspeicher.

Nach dem Einrichten des Clients starten Sie ihn mit dem Aufruf tlclient oder – bei manueller Installation --mit /opt/thinlinc/bin/tlclient. Anschließend präsentiert sich ein Fenster, das außer drei Eingabefeldern noch drei (in TLCOS vier) Schaltflächen zeigt (Abbildung 2). Sie können sich jetzt bereits auf dem ThinLinc-Server einloggen und gegen alle Methoden authentifizieren, die das Pluggable Authentication Modules (PAM) unterstützt. ThinLinc nutzt in der Voreinstellung die normale Passwd-Datei des Linux-Rechners, um Anwender zu authentifizieren.

Abbildung 2: Der ThinLinc-Client läuft während einer Sitzung im Hintergrund.

Mit einem Klick auf die Systemeinstellung ändern Anwender mit TLCOS als Betriebssystem die Bildschirm-Auflösung oder das Maus- und Tastatur-Verhalten. Die Einstellungsmöglichkeiten unter Optionen fallen vielfältig aus (Abbildung 3). Hier legen Sie beispielsweise fest, ob eine bestehende Session automatisch weiter genutzt wird, am Thin Client befindliche lokale Geräte wie Drucker, Speicherlaufwerke oder Sound Devices an den Server durchgeschleift werden und über welchen Port der Client mit dem Server kommuniziert. Weiterhin lassen sich hier noch einige Optimierungen hinsichtlich der Bandbreite vornehmen, etwa SSH-Komprimierung aktivieren oder die Farbtiefe reduzieren.

Abbildung 3: Das Optionsmenü des ThinLinc-Clients.

Eine Session beginnt mit dem Login und endet mit dem Logout. ThinLinc ermöglicht es dabei, Sitzungen zu unterbrechen. Wechselt ein Anwender dann beispielsweise den Rechner, kann er mit seiner Arbeit so fortfahren, als hätten er nur eine kleine Pause eingelegt. Der ThinLinc-Client läuft fortwährend im Hintergrund, mit [F8] holen Sie ihn jederzeit auf den Schirm – etwa, um eine Sitzung zu unterbrechen oder Einstellungen zu ändern.

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