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© Danil Chepko, 123RF

Textbausteine einfügen und Aktionen automatisieren mit Autokey

Wie von Geisterhand

Autokey setzt wiederkehrende Phrasen automatisch in Texte ein und automatisiert obendrein auch beliebige andere Aufgaben, unabhängig von der gerade genutzten Anwendung.

Sie kennen sicher die praktische Autokorrekur von LibreOffice Writer: Es genügt, mfg einzutippen, und schon macht die Textverarbeitung daraus "Mit freundlichen Grüßen". Dummerweise lassen sich diese Kürzel nur innerhalb der Office-Programme nutzen – das E-Mail-Programm weiß davon genau so wenig wie der Texteditor oder das Instant-Messaging-Programm.

Hier springt das kleine Werkzeug Autokey [1] in die Bresche. Es beobachtet penibel alle Tastatureingaben. Kommt dabei ein Kürzel vor, das Autokey kennt, ersetzt es dieses automatisch gegen einen zuvor hinterlegten Textbaustein. Alternativ fügt eine frei wählbare Tastenkombination den Textbaustein ein. Das spart nicht nur Briefeschreibern Arbeit, sondern beispielsweise auch Programmierern, die sich so schnell ganze Codeblöcke in ihren Editor zaubern. Damit diese Automatik Sie auf Twitter oder in einem Terminalfenster nicht in den Wahnsinn treibt, lässt sie sich auch auf ganz bestimmte Programme beschränken.

Darüber hinaus bringt Autokey eine Art Makrorekorder mit, der auf Wunsch alle vorgenommenen Aktionen aufzeichnet. Autokey wiederholt sie dann später bei einem Druck auf Tastenkombination oder nach Eingabe eines speziellen Stichworts. Auf diese Weise automatisieren Sie sehr einfach wiederkehrende oder stupide Abläufe.

Wem das immer noch nicht genügt, der kann sogar beliebige Python-Skripte einbinden. Die fügen dann beispielsweise das aktuelle Datum ein, stellen Datenbankanfragen oder füllen komplette Formulare aus. Das Aufsetzen solcher komplexen Skripte erfordert allerdings gute Python-Kenntnisse.

Autokey selbst steht unter der GPLv3-Lizenz und besitzt eine komfortable Benutzeroberfläche, die das Anlegen von Skripten und Textbausteinen leicht macht.

Einspieler

Mittlerweile hat Autokey den Weg in die Repository zumindest einiger der gängigen Distributionen gefunden – allerdings durchweg nur in veralteten Versionen. Zu Redaktionsschluss brachte beispielsweise Ubuntu 12.04 nur Autokey 0.71 mit, während auf der Autokey-Homepage schon die Version 0.90 bereitstand. Immerhin gibt es ein Autokey-PPA für Ubuntu (siehe Kasten "Autokey für Ubuntu").

Autokey für Ubuntu

Für Ubuntu gibt es immerhin ein eigenes Autokey-PPA. Dieses fügen Sie den Paketquellen in einem Terminalfenster durch folgenden zwei Befehle hinzu:

$ sudo add-apt-repository ppa:cdekter/ppa
$ sudo apt-get update

Anschließend installieren Sie komfortabel über das Ubuntu Software-Center das Paket AutoKey (GTK).

In aller Regel gilt es jedoch, Autokey aus den Quellen selbst einzurichten. Dazu stellen Sie zunächst über den Paketmanager der verwendeten Distribution sicher, dass Python installiert ist. Hinzu kommen die Python-Module Xlib, Pyinotify, Qsci und – je nach Benutzeroberfläche – noch Python-Qt oder Python-GTK. Unter OpenSuse 12.1 steckt das Gesuchte beispielsweise in den Paketen python-gtk (beziehungsweise python-qt), python-xlib, python-pyinotify und python-qscintilla.

Anschließend angeln Sie sich das aktuelle Autokey-Archiv von der Homepage, entpacken es auf der Festplatte, öffnen ein Terminalfenster, wechseln darin ins Autokey-Verzeichnis und rufen als Benutzer root den Befehl python setup.py install auf. Auf GTK-Systemen, wie unter Gnome oder Unity, startet Autokey dann via autokey-gtk &, unter KDE hingegen mit autokey-qt &

Nun sollten Sie einen Blick an den oberen beziehungsweise unteren Bildschirmrand werfen: Dort verankert sich Autokey mit einem kleinen Symbol im Panel. Je nach Desktop-Umgebung reicht es eventuell schon aus, dieses Icon einmal anzuklicken. Klappt dann hingegen ein Menü aus, wählen Sie dort Show Main Window. Damit erscheint dann in jedem Fall das Autokey-Hauptfenster (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Hauptfenster von Autokey in der GTK-Variante (hier unter Unity) unterscheidet sich von der Qt-Variante nur in Details.

Anlageberatung

Eine Liste am linken Rand des Autokey-Fensters führt alle vorhandenen Textbausteine und Skripte auf. Um auch bei sehr vielen Einträgen den Überblick zu wahren, gruppiert Autokey sie in Ordnern. In My Phrases stecken beispielsweise ein paar mitgebrachte Textbausteine, unter Sample Scripts eine Handvoll Beispiel-Skripte. Analog könnten Sie beispielsweise alle in Briefen verwendeten Textbausteine in einem neuen Ordner sammeln. Um einen solchen anzulegen, klicken Sie auf Neu beziehungsweise New in der Symbolleiste und wählen dann Folder.

Da die Ordner für die Textbausteine tatsächlich den Inhalt echter Verzeichnisse auf der Festplatte widerspiegeln, müssen daher jetzt für den neuen Ordner irgendwo in Ihrem Heimatverzeichnis ein passendes Plätzchen finden. Unter Umständen offeriert Autokey, den neuen Ordner in seinem Standardverzeichnis anzulegen. Das wiederum finden Sie unter ~/.config/autokey/data/. Lehnen Sie das Angebot mit Create Elsewhere ab, können Sie den Ordner an beliebiger Stelle selbst anlegen.

Es empfiehlt sich dabei, alle Autokey-Ordner in einem gemeinsamen Verzeichnis zu sammeln: Das erleichtert zum einen die Übersicht, zum anderen das spätere Backup. Textbausteine für Briefe könnten Sie beispielsweise in ~/Dokumente/Briefe/ ablegen. Dazu steuern Sie in der GTK-Fassung von Autokey das Verzeichnis Dokumente an, tippen unter Name die Briefe ein und klicken auf OK. Unter KDE legen Sie in Dokumente über die rechte Maustaste das Verzeichnis Briefe an, stellen sicher, dass dessen kompletter Pfad im Eingabefeld ganz unten steht, und klicken auf OK.

Im Hauptfenster finden Sie jetzt auf der linken Seite den neuen Ordner. Wo auf der Festplatte er liegt, prüfen Sie gegebenenfalls durch Anzeigen der Folder Settings. Stimmt die Verknüpfung nicht, wählen Sie den Ordner in der Liste auf der linken Seite an und klicken in der Symbolleiste auf Delete (oder wählen Edit | Delete Item). Doch Vorsicht: Autokey löscht dann das komplette Unterverzeichnis auf der Festplatte samt aller Inhalte.

Um im Ordner Briefe jetzt einen neuen Textbaustein anzulegen, stellen Sie sicher, dass der Ordner links in der Liste markiert ist, klicken auf Neu beziehungsweise New in der Symbolleiste und entscheiden sich für die Phrase. Dem neuen Textbaustein geben Sie jetzt einen Namen, wie etwa Gruß. In der GTK-Version erscheint dazu ein neues Fenster, unter KDE tippen Sie einfach direkt drauf los.

In jedem Fall taucht der neue Textbaustein links in der Liste unterhalb des Ordners Briefe auf. Vergewissern Sie sich, dass er dort wie in Abbildung 2 angewählt ist. In das große Eingabefeld auf der rechten Seite tippen Sie jetzt den gewünschten Text ein – in unserem Beispiel also etwa Mit freundlichen Grüßen,. Dabei überschreiben Sie einfach das vorgegebene Enter Phrase Content.

Falls Sie Always prompt before pasting this phrase abhaken, fragt Autokey später immer noch einmal kurz nach, bevor es den Text tatsächlich einsetzt. Da das wiederum den Arbeitsfluss hemmt, sollten Sie die Funktion nur bei selten verwendeten Textbausteinen aktivieren.

Abbildung 2: Autokey speichert jeden Textbaustein und jedes Skript in einer ganz normalen Textdatei. Wie die heißt und wo sie liegt, verrät der Link rechts oberhalb des großen Eingabefeldes.

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