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Im Gespräch mit Jean-Manuel Croset, CEO von Mandriva SA

Die Community

LU: Das Mandriva-Kernprodukt "Server" soll ja künftig auf Mageia-Code basieren. Will Mandriva dazu den Mandriva-Fork Mageia zurückforken? Oder setzt das Unternehmen eher auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Mageia-Community? Falls ja, will sich Mandriva an den Mageia-Gremien beteiligen, und wie? Und planen Sie ein Sponsoring für Mageia?

JMC: Wir setzen konsequent auf Zusammenarbeit und eine harmonische Entwicklung der Partner. Es ist keineswegs geplant, irgendwelche Produkte zu "forken", und wir unterhalten sehr gute Beziehungen zu sämtlichen Partnern. Für uns zählen Offenheit, Klarheit und als Konsequenz Vertrauen zu den Grundwerten des Unternehmens.

Wir möchten bei Partnern oder Communities keine leitenden Positionen übernehmen, leisten aber gerne jederzeit Unterstützung im jeweils gewünschten Rahmen. Dies wird primär auf technischem Gebiet durch entsprechende Beiträge geschehen, könnte aber auch in beiderseitigem Einvernehmen mit anderen Mitteln erfolgen. Mandriva SA beabsichtigt nicht, sich – gleich in welcher Weise – aufzudrängen, sondern zielt darauf ab, sich stets vorab mit den Partnern zu einigen.

Ich möchte hier hervorheben, dass zwar Mageia als Basis für Server-Produkte ausgewählt wurde, dass aber für den Desktop-Einsatz weiter Mandriva Linux als Grundlage dienen soll.

LU: Apropos Desktop: Sie haben ja dieser Tage in einem Eintrag auf dem Firmenblog die Rückkehr Mandrivas zu einer Community-getriebenen Entwicklung propagiert. Wie viel Community (in Ziffern) hat Mandriva denn überhaupt noch, nachdem ein Großteil der Entwickler und Anwender zu Mageia abgewandert ist? Wie wichtig ist für Sie eine eigene Community, die das Unternehmen unterstützt, wobei zur "Community" ja sowohl freiwillige Kontributoren gehören, als auch eine Benutzerbasis der Enduser-Distribution Mandriva Linux? Und welchen Sinn sehen Sie darin, künstlich eine zweite Community parallel zur lebendigen und hochproduktiven Mageia-Gemeinschaft zu implementieren, die bereits zwei Releases vorgelegt hat?

JMC: Es liegt in der Natur der Sache, dass sich eine Community schwer zahlenmäßig abschätzen lässt. Ich kann Ihnen aber versichern, dass die Mandriva-Linux-Community existiert und dass eine große Anzahl von Kontributoren und Benutzern bereit sind, wieder in die aktive Arbeit an der Distribution einzusteigen. Mandriva SA wünscht, dass sich in Zukunft die Community dem Projekt widmet, nicht das Unternehmen.

In diesem Sinn haben wir eine initiale Auswahl von Protagonisten der Entwickler- und Benutzer-Gemeinschaft dazu eingeladen, in einem Kick-Off-Meeting die Rahmenbedingungen, Strukturen und Lenkungsaspekte der künftigen Mandriva-Linux-Organisation gemeinsam zu definieren. Als Basisbegriffe für diese Organisation wünschen wir uns die Begriffe "unabhängig", "transparent" und "meritokratisch".

Ich genieße dabei den persönlichen Vorteil, frei von irgendwelchen Vorurteilen aufgrund alter Streitigkeiten zu sein, und so wünsche ich mir für die Zukunft, dass sich Mandriva Linux frei, eigenständig und offen für jedwede Zusammenarbeit entwickeln kann.

LU: Wieviel Einfluss will Mandriva in der neuen Mandriva-Community ausüben, und wie? Behalten Sie sich da eine Richtlinienkompetenz, ein Veto-Recht oder Ähnliches in den Community-Gremien vor? Was bekommt die Community von Mandriva, was sie von Mageia nicht haben könnte?

JMC: Mandriva SA möchte keine besonderen Rechte in der Community ausüben. Wir wollen die Eigenständigkeit und Freiheit von Mandriva Linux sichern und keine Richtlinien oder Gesetze vorschreiben. Diese Funktion sehen wir als Aufgabe der Community selbst. Es ist zurzeit schwierig zu beurteilen, welche Vorteile Mandriva Linux als Community-Projekt gegenüber gleichartigen Projekten anderer Communities bieten kann, da sich das Projekt erst in der Entstehung befindet. Wir als Unternehmen sehen aber keinerlei Hindernisse, in verschiedenen Projekten tätig zu sein und daran beizutragen.

Ausblick

LU: Wie sieht Ihre Vision der künftigen Entwicklung Mandrivas aus? Wo sehen Sie das Unternehmen nächstes Jahr um diese Zeit? Wo in fünf Jahren?

JMC: Ich sehe das Unternehmen nächstes Jahr erfolgreich mit ausgereiften und gleichzeitig innovativen Unternehmensprodukten. Ich sehe uns in mittelfristiger Zukunft als führender europäischer Anbieter alternativer und solider Lösungen sowie als Referenz für die erfolgreiche Industrialisierung innovativer Forschungsprojekte. Ganz sicher werden wir auch dem Cloud-Bereich einen großen Teil unserer Aktivität widmen.

LU: Herr Croset, wir bedanken uns ganz herzlich für diesen Dialog und wünsche Ihnen und Mandriva viel Erfolg.

Das Interview führte Wolfgang "wobo" Bornath im Umfeld der jährlich stattfindenden Open-Source-Messe Solutions Linux**[2] in Paris. Wolfgang Bornath ist ein langjähriges Mitglied der Mandriva-Community, von Anfang an auch im Mageia-Projekt aktiv, und beschäftigt sich insbesondere mit der Kommunikation in der deutschen und internationalen Mandriva- und Mageia-Benutzergemeinde. 

Glossar

COO

Chief Operations Officer. Ein Manager, der das operative Geschäft eines Unternehmens leitet, aber nicht die strategische Planung.

CEO

Chief Executive Officer. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied beziehungsweise der Vorstandsvorsitzende oder Generaldirektor eines Unternehmens.

Infos

[1] Mageia 2: Wolfgang Bornath, "Langsamer Steigflug", LU 07/2012, S. 12, http://www.linux-community.de/25935

[2] Description: http://www.solutionslinux.fr

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