Team sucht Worker

LibreOffice-Box braucht Mitstreiter

22.05.2012
Die LibreOffice-Box fasst die freie Bürosuite samt zahlloser hilfreicher Vorlagen, nützlicher Erweiterungen und ergänzender freier Software zusammen. Wir stellen die Macher sowie die Geschichte hinter der Box vor und zeigen, wie auch Sie das Projekt tatkräftig unterstützen können.

So mancher kennt sie noch aus OpenOffice-Zeiten als PrOOo-Box, schon damals war sie auf jeder Veranstaltung präsent: Die Rede ist von der LibreOffice-Box [1], der DVD-Distribution zur freien Bürosuite. Als sich im Herbst 2010 ein großer Teil der damaligen OpenOffice.org-Community zur Document Foundation formierte, waren auch die Macher der Box mit von der Partie und gaben ihrem Projekt nicht nur einen neuen Namen, sondern auch einen frischen Anstrich im charakteristischen TDF-Grün. Erich Christian (Abbildung 1), seit vielen Jahren im Projekt, erinnert sich: "Schon zum Münchener Office-Kongress für Wirtschaft und Verwaltung im November 2010 stellten wir auf Basis der damaligen LibreOffice-3.3-Beta die erste Box für die Teilnehmer fertig. Seitdem gibt es jedes Mal kurz nach Veröffentlichung einer neuen Programmversion auch eine aktualisierte DVD, inklusive Sonderausgaben für die wichtigsten Messen."

Abbildung 1: Erich Christian kümmert sich seit langem um die LibreOffice-Box.

Sein Kollege Friedrich Strohmaier (Abbildung 2), ebenfalls ein Mann der ersten Stunde, erklärt die Idee hinter der Silberscheibe: "LibreOffice ist zwar ein hervorragendes Programm, doch die Menschen wollen etwas zum Anfassen haben. Die LibreOffice-Box stellt neben dem Programm in vier Sprachen zahlreiche Extras und Erweiterungen zusammen. Obendrein macht sie mit ihrer einfachen und übersichtliche Oberfläche die Installation zum Kinderspiel. Gerade auf den Messen ist daher die DVD ein beliebtes Objekt zum Mitnehmen bei vielen Besuchern. In jüngster Zeit greifen zudem immer mehr Schulen, Universitäten und Organisationen auf die Box zurück, um ihre Mitarbeiter mit LibreOffice auszurüsten – Bestellungen von 50 bis 100 Stück vorgebrannter Medien kommen durchaus vor."

Abbildung 2: Friedrich Strohmaier ist seit vielen Jahren eine treibende Kraft hinter der Box.

Dabei ist die Abgabe auf Messen genauso wie der Versand durch verschiedene Anbieter [2] ein zusätzlicher Service, denn die gesamte Box gibt es auch kostenfrei zum Herunterladen und Selberbrennen im Internet. Besonders stolz sind die Macher, dass es das Paket im letzten Sommer sogar in den Buchhandel geschafft hat [3], ein kleines Handbuch inklusive (Abbildung 3). Die Idee macht zudem international Schule: So arbeiten schon seit einiger Zeit Teams aus Brasilien und Nordamerika daran, spezifische, lokalisierte Versionen zu erstellen [4]. Für die deutschsprachige Version gibt es sogar eine Online-Ausgabe [5], die sich ideal für den direkten Zugriff auf die enthaltenen Dateien eignet.

Abbildung 3: Die LibreOffice-Box als Ausgabe für den Buchhandel (Bild: Open Source Press).

Mithelfer dringend gesucht!

Doch der schnelle Release-Zyklus von LibreOffice [6] macht alle vier Wochen eine Neuauflage nötig, will das Team die Inhalte aktuell halten. Das weiß auch Uwe Richter, der (etwas kamerascheue) dritte Mann im Team, aus eigener Erfahrung: "Das Herstellen der DVD kostet enorm viel Zeit, die Arbeit stemmen wir im Wesentlichen leider nur zu Dritt. Software will aktualisiert, Vorlagen wollen erweitert und das Gesamtergebnis getestet werden. Das hat nicht nur mir einige lange Nächte beschert – besonders kurz vor Messen wie der CeBIT, bei der wir mit einer aktuellen Ausgabe aufwarten wollen."

Besonders am Herzen liegt ihm zudem die CD-Version für Windows-Anwender, eine der wichtigsten Zielgruppen für das Projekt. "Sofern die Zeit es zulässt, versuchen wir ein bis zwei Wochen nach Veröffentlichung der DVD die entsprechende CD fertigzustellen", fügt er hinzu. Diese Arbeitsbelastung lässt sich auf Dauer aber nicht zu dritt stemmen, weswegen das Team derzeit darüber nachdenkt, nur noch bei jeder zweiten oder dritten LibreOffice-Version eine Neuauflage der Box herauszubringen [7].

Neue Mitstreiter wünscht sich auch Erich Christian: "Zwar hat die Gründung des LibreOffice-Projekts viele neue Entwickler ins Boot geholt, und LibreOffice an und für sich ist insgesamt sehr gut aufgestellt – doch gerade bei der Box würde uns der ein oder andere zusätzliche Helfer wirklich gut tun." Dabei sind keinesfalls nur Technik-Experten gefragt, stellt er klar, denn: "Die Arbeit an der Box spiegelt die ganze Vielfalt des LibreOffice-Projekts wider."

Jede Hilfe zählt

Zu tun gibt es jede Menge, wie Friedrich Strohmaier zu berichten weiß: "Eine der regelmäßigen Aufgaben ist das Testen eines fertigen DVD-Abbilds. Bevor wir das Paket verteilen oder ins Presswerk schicken, wollen wir sicherstellen, dass auch alles funktioniert. Dazu brauchen wir Anwender, die zeitnah das aktuelle ISO-Image herunterladen, brennen, und unter Linux, Mac OS X oder Windows testen, damit wir etwaige Fehler rechtzeitig beseitigen können. Auch für Hinweise auf zusätzliche Software, gute Vorlagen, weitere Extensions oder aktuelle Versionen sind wir jederzeit dankbar, denn das große Programmangebot will gepflegt werden."

Die Oberfläche der LibreOffice-Box basiert auf HTML. Unter Windows wird sie durch den auf der DVD mitgelieferten K-Meleon-Browser dargestellt, der auch eine bequeme Installation der Software über ein Menü ermöglicht. Zum Verwalten dieser Oberfläche sowie der Projekt-Homepage dient das CMS Silverstripe, erklärt Erich Christian: "Wer uns beim Korrigieren der Texte oder beim Pflegen der Seiten unterstützen möchte, der benötigt dank des grafischen Editors keine HTML-Kenntnisse. Hauptaufgabe ist das Einpflegen neuer Programmversionen, aber auch Überarbeitungen der Oberfläche sind immer gern gesehen."

Um das fertige Produkt möglichst bekannt zu machen, sollen in Zukunft auch eigene Flyer erstellt werden: "Zwar funktioniert das Marketing für LibreOffice schon sehr gut, aber speziell für die Box benötigen wir noch eigene Materialien, um potenziellen Anwendern die Idee dahinter näher zu bringen. Jemand, der textsicher beim Verfassen von Flyern und Pressemitteilungen ist, oder Kreative, die für die grafische Gestaltung sorgen können, sind uns immer willkommen: Das Auge isst schließlich mit.", fasst Uwe Richter die Situation zusammen. Ein wichtiges Anliegen ist ihm auch die Bereitstellung der Box als Repository, mit dem Linux-Anwender immer die aktuelle Version von LibreOffice installieren können, ohne auf entsprechende Pakete ihres Distributors zu warten. Eine DEB-Variante für Debian, Ubuntu und Derivate gibt es schon, doch sucht das Team für die RPM-Repositories unter OpenSuse, Fedora und Co. noch nach einem Maintainer.

Aktuell in Arbeit ist zudem eine Neuauflage der beliebten Community-Broschüre, die wichtige Fachartikel und Hilfestellungen rund um LibreOffice beinhaltet [8]. Die Koordination aller Arbeiten erfolgt dabei über die Mailingliste mailto:discuss@de.libreoffice.org der deutschsprachigen LibreOffice-Community [9]. Für direkte Anfragen steht das Team auch gerne persönlich unter mailto:team@libreofficebox.org zur Verfügung und hilft beim Einstieg. Friedrich Strohmaier bemerkt zusammenfassend: "Die LibreOffice-Box hat schon vielen Anwendern den Weg zum freien Office geebnet. Damit wir nach einem fulminanten Start auch in Zukunft neue Ideen einbringen können, brauchen wir dringend Mitstreiter, die uns dabei unterstützen."

Der Autor

Florian Effenberger engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für freie Software. Er ist Chairman of the Board der Document Foundation. Zuvor war er fast sieben Jahre im Projekt OpenOffice.org aktiv, zuletzt als Marketing Project Lead.

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