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© Eglischay, sxc.hhu

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Komfortabel Pakete managen mit der Apt-Shell

22.05.2012 Die Apt-Shell bietet eine Bedienoberfläche für viele Tools rund um das ausgefeilte Debian-Paketmanagement. Mit ihr nutzen Sie die vielfältigen Funktionen über ein zentrales Interface.

Bei jeder Installation eines Debian-Grundsystems gelangt automatisch das Paket apt mit auf den Rechner (siehe Kasten "Der lange Weg zu Apt"). Dieses enthält die Tools Apt-cdrom, Apt-get und Apt-cache sowie die entsprechenden Konfigurationsdateien. Weitere Apt-Pakete installieren Sie bei Bedarf mittels Apt-get nach.

Die Konfigurationsdateien von Apt finden Sie unter /etc/apt. In der Datei /etc/apt/sources.list stehen die Bezugsquellen für die Pakete beziehungsweise die Paketdatenbanken. Jede Zeile der Datei enthält dabei eine Bezugsquelle, mit den vier Felder Paketart, Bezugsquelle, Distribution und Komponenten. So beschreibt etwa der Eintrag:

deb http://ftp.de.debian.org/debian/ squeeze main

eine Quelle für Debian-Binärpakete (deb), die Sie vom deutschen FTP-Server des Debian-Projekts beziehen, daraus die Distribution squeeze und davon wiederum nur die freien Komponenten aus dem Bereich main.

Die Datei /etc/apt/sources.lst entsteht während der Installation des Systems automatisch. Für den Alltagseinsatz können Sie auf Änderungen an dieser Konfiguration verzichten. Für weitere Pakete und Paketquellen bedarf die Datei hingegen einer näheren Inspektion. Je nachdem, welche Variante Sie zum Installieren des Grundsystems gewählt haben, stehen in der Datei nur die bislang verwendeten Paketquellen – also CD-ROMs oder Paket-Mirrors.

Der lange Weg zu Apt

In der ersten Hälfte der 1990er Jahre existierten noch recht wenige Distributionen. Zu den Pionieren zählen Yggdrasil, SLS, Slackware, Suse, Red Hat und Debian. Bis dahin gab es kaum distribustionsspezifische Pakete – der Anwender passte die Software nach den eigenen Bedürfnissen an und pflegte diese Version dann kontinuierlich weiter.

Ein einfaches Verwalten der Software war zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich, weil die Strukturen nicht erdacht und umgesetzt waren. Abhängigkeiten der Software ließen sich nicht automatisch auflösen. Der Benutzer musste einerseits wissen, welche Software einander bedingte, und andererseits, welche Versionen und Varianten sich miteinander vertrugen. Namensgleiche Dateien und Verzeichnisse waren problematisch. Die große Kunst bestand im Wissen, in welcher Reihenfolge es die Software zu installieren galt.

Aus diesem Wissen heraus startete 1993 das Debian-Projekt unter Ian Murdock mit einer revolutionären Idee: Dem Bereitstellen von kompilierten, sauber aufeinander abgestimmten Software-Paketen. Es folgte die Entwicklung von Dpkg, dem Debian-Paketsystem ("Debian Package"), das bis heute ein robuster Baustein der Systems geblieben ist. Das Paketformat kommt unter anderem bei Derivaten wie Ubuntu und Skolelinux sowie den beiden Live-Systemen Knoppix und Grml zum Einsatz.

Beim Einsatz von Dpkg besteht das Problem, dass die Abhängigkeiten zwischen den Paketen nicht automatisch aufgelöst werden. Dem Unix-Prinzip "ein Werkzeug für eine Aufgabe" folgend entstand Apt (Advanced Packaging Tool) als Oberfläche für Dpkg.

Apt steuert Dpkg an und löst die Abhängigkeiten der Pakete automatisch auf. Durch diesen Komfort erlangte das Tool sehr schnell große Popularität. Nach kurzer Zeit standen weitere Oberflächen für Apt bereit, so zum Beispiel Aptitude, das eine Kommandozeilenschnittstelle und eine Ncurses-Oberfläche bereitstellt, sowie Synaptic für das X-Window-System.

Paketquellen hinzufügen

Bereits während Installation und auch nachträglich können Sie weitere Paketquellen hinzufügen. Für CDs und DVDs nutzen Sie das Programm Apt-cdrom. Liegt bereits ein Datenträger im Laufwerk, setzen Sie als root folgendes Kommando zum Einbinden ab:

# apt-cdrom add

Das System liest den Datenträger und überprüft, ob es sich dabei um ein Installationsmedium für Debian handelt. Verläuft der Test erfolgreich, legt Apt-cdrom einen neuen Eintrag für den Datenträger in der Datei /etc/apt/sources.lst an.

Bei der Auswahl eines geeigneten Mirrors hilft das Programm Netselect-apt [1] aus dem gleichnamigen Paket weiter. Damit laden Sie die Liste aktueller Debian-Paketmirrors herunter. Nachdem Sie aus dieser Liste einen geeigneten Server ausgewählt haben, erstellt Netselect-apt dazu einen passenden Eintrag in der Datei /etc/apt/sources.list.

Mit dem Programm Netselect [2] prüfen Sie die Erreichbarkeit eines Paket-Mirrors. Netselect erwartet als Parameter eine Liste von URLs verschiedener Paket-Mirrors. Es vergleicht diese untereinander bezüglich der Erreichbarkeit und gibt eine Empfehlung in Form einer Punktzahl zurück, welcher Mirror als der geeignetste erscheint.

Je nach Netztopologie, Standort und Anbindung fällt das Ergebnis unterschiedlich aus. Im Beispiel aus Listing 1 macht ftp.debian.org mit 1654 Punkten das Rennen. Erfahrenere Benutzer öffnen die Konfigurationsdatei einfach in ihrem Lieblingstexteditor und passen diese Datei von Hand an.

Listing 1

# netselect -vv ftp.debian.org ftp.tu-chemnitz.de ftp.tu-dresden.de ftp.informatik.hu-berlin.de
  Running netselect to choose 1 out of 4 addresses.
  .............
  ftp.informatik.hu-berlin.de           9999 ms  30 hops    0% ok
  ftp.debian.org                         752 ms  12 hops  100% ok (10/10) [ 1654]
  ftp.tu-chemnitz.de                    9999 ms  30 hops    0% ok
  ftp.tu-dresden.de                     9999 ms  30 hops    0% ok
  1654 ftp.debian.org

Erste Schritte

Für ein besseres Verständnis der Apt-Befehle lohnt es sich, einen Blick auf die interaktive Shell Aptsh aus dem gleichnamigen Paket zu werfen. Falls noch nicht auf dem System vorhanden, installieren Sie es mittels apt-get install aptsh einfach nach. Danach rufen Sie die Aptsh über das gleichnamige Kommando auf.

Die Entwickler der Aptsh beschreiben diese als "nette Pseudo-Shell mit Auto-Vervollständigung und vereinfachtem Zugriff auf die Apt-Befehle". Die Parameter von Apt-get und Apt-cache stehen als einzelne Kommandos in der Aptsh bereit. Damit entfällt das wiederholte Aufrufen der vollständigen Apt-get und Apt-cache-Kommandos. Je nach Kommando ruft die Aptsh im Hintergrund die entsprechenden Apt-Befehle auf.

Nach dem Start der Aptsh fällt als erstes der bunte Prompt auf. Einen ersten Überblick zu den Kommandos erhalten Sie, indem Sie [Tab] zweimal drücken (Abbildung 1). Dabei nutzen Sie die Eigenschaft aus, dass die Aptsh Kommandos und Paketnamen komplettiert. Dieses automatische Vervollständigen kennen Sie schon aus der Bash.

Abbildung 1

Abbildung 1: Über das Autovervollständigen erhalten Sie sehr schnell einen Überblick über die integrierten Kommandos.

Für eine ausführliche Hilfe steht das Kommando help bereit. Die Aptsh zeigt daraufhin den Inhalt der englischsprachigen Manpage an. Ein ebenfalls englischsprachiges Handbuch mit vielen Beispielen verbirgt sich hinter help-howto. Um nur eine kurze Hilfe zu einem bestimmten Befehl zu erhalten, ergänzen Sie obigen Aufruf von help um das Kommando (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Die Aptsh zeigt auf Wunsch eine kurze Hilfe zu den Kommandos an.

Möchten Sie die Shell wieder verlassen, gelingt das über die Kommandos quit und exit, alternativ steht die Tastenkombination [Strg]+[D] bereit.

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