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© pitris, 123rf.com

Videos schneiden und in Echtzeit verfremden mit LiVES

Schnittkunst

Mit dem Videoeditor LiVES erzeugen Sie aus kleinen Clips kleine Kunstwerke, komplett mit Blenden und Effekten.

VJs und Videokünstler schaffen aus ein paar Filmschnipseln und einer stimmungsvollen Musik ein bewegtes Gemälde. Oft geschieht das live vor Publikum. Alle dazu notwendigen Werkzeuge dazu stellt LiVES bereit, ein nicht-linearer Videoeditor. Das Programm spielt auf Wunsch Videoclips in verschiedenen Geschwindigkeiten ab, mixt sie ineinander und versieht sie in Echtzeit mit Effekten.

Dabei steuern Sie die Software komfortabel über Tastatur, Joystick und sogar MIDI-Geräte. Als Bonbon vermag LiVES das Video zu einer anderen Installation der Software im Netzwerk zu streamen. Davon ab erlaubt das Programm natürlich auch einen normalen Videoschnitt. Der erfolgt ähnlich wie beim Platzhirsch Kdenlive auf mehreren Videospuren, auf denen Sie einzelne Schnipsel zu einem neuen Werk arrangieren.

Installation

Obwohl die Software auf den ersten Blick nicht so aussieht, hat sie schon einige Jahre auf dem Buckel: Gabriel Finch begann mit der Arbeit bereits 2002. Dennoch liegt LiVES selbst heutzutage nur wenigen Distributionen bei. Unter Debian und Ubuntu genügt es, das Programm über den Paketmanager einzuspielen.

Unter Ubuntu lohnt es sich, im Software-Center nicht sofort auf Installieren zu klicken, sondern erst die Informationen abzurufen und dort die angebotenen Erweiterungen anzukreuzen. Nur dann verarbeitet LiVES wirklich alle gängigen Videoformate. Im Test stürzte LiVES allerdings unter Ubuntu 10.11 immer wieder ab. Sie sollten daher Ihre Ergebnisse möglichst häufig zwischenspeichern.

Nutzer von OpenSuse finden LiVES im Packman-Repository. Das aktivieren Sie in YaST via Software-Repositories | Hinzufügen | Community/Gemeinschafts-Repositories | Weiter. Dann setzen Sie einen Haken vor Packman Repository und klicken schließlich auf OK. Das angezeigte Zertifikat akzeptieren Sie mit einem Klick auf Vertrauen. Dann schließen Sie das große Fenster mit OK. Jetzt steht LiVES über den Paketmanager bereit; die zahlreichen Abhängigkeiten akzeptieren Sie dabei ebenfalls.

Wer auf Fedora beziehungsweise Red Hat setzt, findet im Netz fertige Pakete [2]. Für Arch Linux warten ebenfalls passende Pendants im Web [3]. Um LiVES aus dem Quellcode selbst zu übersetzen, braucht es aufgrund der vielen Abhängigkeiten viel Geduld und ordentlich Rechenpower.

Wer LiVES erst einmal ausprobieren möchte, greift am einfachsten zu AV Linux [4]: Die auf Video- und Audiobearbeitung spezialisierte Distribution startet in ein Live-System mit einer fertig eingerichteten LiVES-Installation. Da LiVES sich als äußerst speicherhungrig erweist, gelingen in diesem Modus aber oft nur kleine Projekte.

Beim ersten Start einer regulären LiVES-Installation erscheint ein Assistent. Mit dessen Hilfe richten Sie als erstes ein Arbeitsverzeichnis ein, in dem LiVES seine Zwischenergebnisse ablegt. Dafür sollte möglichst viel freier Speicherplatz bereitstehen. Anschließend prüft der Assistent, ob alle von LiVES genutzten Hilfsprogramme installiert sind. Zwar funktioniert das Programm auch ohne die Hilfe dieser Tools, Sie müssen dann aber auf ein paar Funktionen verzichten.

Im nächsten Schritt wählen Sie das System für die Audio-Wiedergabe. Im Zweifelsfall übernehmen Sie hier einfach den Vorschlag PulseAudio Player. Zum Schluss entscheiden Sie sich für den vorgegebenen Clipschneidemodus (beziehungsweise Clip edit mode). Nach dem Klick auf Fertigstellen erscheint das ziemlich opulente Hauptfenster (Abbildung 1). Erschrecken Sie hier nicht über das zunächst etwas chaotisch wirkende Hauptmenü.

Abbildung 1: Das Hauptfenster von LiVES nach dem ersten Start.

Dicke Dinger

Um eine erste Videodatei zu laden, entscheiden Sie sich im Hauptmenü für Datei | Öffne Datei/Verzeichnis. Es erscheint ein ziemlich großes Auswahlfenster, in dem Sie über die Liste am linken Rand zum Verzeichnis mit Ihren Videos navigieren und dann rechts eines auswählen (Abbildung 2). Mit einem Klick auf die entsprechende Schaltfläche darunter starten Sie bei Bedarf eine Vorschau.

Abbildung 2: Je nach Ausgangsmaterial erscheint die Vorschau im Import-Fenster etwas verzerrt.

Haben Sie den passenden Schnipsel gefunden, klicken Sie auf OK und LiVES importiert das Video. Im Gegensatz zu vielen anderen Schnittprogrammen speichert es dabei jedes einzelne Bild im PNG-Format im Arbeitsverzeichnis. Das erleichtert es der Applikation, in Echtzeit Effekte anzuwenden. Umgekehrt belegt das komplette Video aber extrem viel Plattenplatz. Eine Minute Film im DV-Format mit Standardauflösung frisst satte 1,6 GByte, wohingegen die Originaldatei gerade einmal 240 MByte belegt. Nicht umsonst warnt LiVES bei längeren Filmen, dass es nur auf kurze Häppchen optimiert sei.

Den großen Speicherhunger sollten Sie im Hinterkopf behalten, wenn Sie ein Video direkt von einer DV-Kamera oder einer anderen Videoquelle importieren. Die entsprechenden Funktionen zum Auslesen finden Sie allesamt im Menü Datei. Videos aus DV- und HDV-Kameras verfrachtet beispielsweise der Punkt Datei | Import from Firewire auf die Festlatte, Youtube-Videos holt Datei | Öffne Fremdverzeichnis/Videoadresse... | Open YouTube Clip....

Teilweise benötigen Sie dazu weitere Werkzeuge, im Fall von Youtube etwa youtube-dl. Welche Helfer LiVES verlangt, zeigt es in den entsprechenden Fenstern an. Diese müssen Sie dann gegebenenfalls über den Paketmanager nachziehen.

Auf die beschriebene Weise importieren Sie beliebig viele weitere Filmsequenzen. Mehrere Dateien markieren Sie auf einmal im Auswahlfenster, indem Sie [Strg] gedrückt halten. Dann liest das Programm die Dateien auf einen Rutsch ein. Nach dem Import der Videos arbeitet LiVES übrigens nur noch auf seinen selbst erstellten Kopien, die Originaldateien tastet es nicht weiter an.

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