Home / LinuxUser / 2012 / 01 / Linux für Notebooks anpassen

Newsletter abonnieren

Lies uns auf...

Folge LinuxCommunity auf Twitter

Top-Beiträge

Eingedost
(161 Punkte bei 4 Stimmen)
Aufteiler
(161 Punkte bei 4 Stimmen)

Heftarchiv

LinuxUser Heftarchiv

EasyLinux Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Partner-Links:

Das B2B Portal www.Linx.de informiert über Produkte und Dienstleistungen.

Bund fürs Leben

Linux für Notebooks anpassen

Windiges

Ein weiteres Problem beim Betrieb von Linux auf Notebooks kann durch eine fehlerhaft eingestellte Lüftersteuerung auftreten. Mobile Rechner benötigen aufgrund ihrer kompakten Bauweise und der daraus resultierenden hohen Dichte wärmeerzeugender Bausteine eine besonders gute Kühlung. Große Lüfter jedoch lassen sich in den engen Gehäusen nicht unterbringen, sodass für die Kühlung des gesamten Geräts meistens ein einziger Ventilator in der Nähe der CPU ausreichen muss.

Bei Belastung des Geräts treten insbesondere am Chipsatz, der CPU, dem Grafikprozessor sowie den Speicherbausteinen erhöhte Temperaturen auf. Der Lüfter springt an und steigert ab einer voreingestellten Temperaturschwelle die Drehzahl, um die Abluft aus dem Gehäuse zu transportieren. Dabei berücksichtigt die Steuerung allerdings meist hauptsächlich die Temperaturmeldung des CPU-Sensors – andere Wärmequellen wie etwa der Grafikprozessor bleiben weitgehend außen vor und können leicht überhitzen. Obendrein setzen viele Hersteller die Temperaturschwellen für den Einsatz des Lüfters sehr hoch an, um das Betriebsgeräusch der Systeme gering zu halten.

Die Folge sind in bestimmten Bereichen stark erwärmte Geräte, bei denen Lötkontakte auf den Platinen an exponierten Stellen spröde werden können. Bei zusätzlicher mechanischer Belastung des Gehäuses und der darin befindlichen Platinen, etwa beim Öffnen und Schließen der Oberschale mit dem Display, können auf Dauer sogenannte kalte Lötstellen entstehen. Die dadurch unterbrochenen Lötkontakte äußern sich zunächst in sporadischen, mit der Zeit immer häufiger auftretenden Fehlfunktionen des Notebooks bis hin zum kompletten Ausfall. Dieser als Flexing bezeichnete Effekt lässt sich nur durch einen kostspieligen sogenannten Reflow der Platinen oder durch deren – nicht minder teuren – Austausch beheben.

Um das Problem der – teils bereits während der Garantiezeit auftretenden – Flexing-Schäden in den Griff zu bekommen, verlegten einige Notebook-Hersteller in den letzten Jahren die Lüftersteuerung komplett zurück in das BIOS. In diesen Fällen arbeitet der Ventilator ohne Unterbrechung (meist auf einer relativ niedrigen Drehzahl zwischen 2700 und 3000 rpm) und sorgt somit für eine permanente Kühlung bei nur geringer Geräuschentwicklung. Entsprechend dimensionierte Kühlkörper aus stark wärmeleitendem Metall wie Kupfer sowie Heatpipes unterstützen zudem den Lüfter.

Nahezu alle älteren Systeme bis zur Core-2-Duo-Generation verwenden jedoch noch einen erst bei hohen Temperaturen anspringenden Lüfter. Hier sollte im Sinne einer Verlängerung der Gerätelebensdauer Linux die Steuerung des Ventilators übernehmen. Dazu gibt es viele teils modellreihen- oder herstellerspezifische Zusatzprogramme, die eine feine Justierung der Lüfterdrehzahlen abhängig vom verwendeten Notebook gestatten (siehe Kasten "Lüftersteuerung").

Lüftersteuerung

Neben den im Text beschriebenen Skripten zur Lüftersteuerung gibt es für viele Linux-Distributionen und Notebook-Modelle weitere Programme, die teils auch grafische Oberflächen enthalten. Besonders für Notebooks von IBM und Lenovo finden Sie im Thinkwiki [7] mehrere Alternativen. Auch für Vaio-Notebooks von Sony existiert ein kleines Tool [8]. Für Mobilcomputer von Acer erhalten Sie unter [9] Software und Anleitungen. Für Notebooks von Asus finden Sie ein entsprechendes Paket zur Lüftersteuerung unter [10].

Neuere Geräte ab der Pentium-4- und Centrino-Generation verfügen meist über mehrere Sensoren zur Temperaturüberwachung sowie über Lüfter, die sich per Pulsweitenmodulation [3] ansteuern und regeln lassen. Um diese korrekt erkennen und anpassen zu können, benötigen Sie unter Linux die Pakete lm-sensors und fancontrol. Beachten Sie bitte, dass je nach verwendeter Distribution das Paket zum Auslesen der Temperatursensoren auch lm_sensors heißen kann. Beide Pakete befinden sich bei den Mainstream-Distributionen in den Repositories. Für solche Linux-Derivate, die fancontrol noch nicht im Softwarefundus führen, finden Sie Pakete unter [4]. Manche Distributionen fassen die beiden Pakete auch gleich zusammen.

Nach Installation der Software rufen Sie zunächst im Terminal den Befehl pwmconfig auf. Das Programm führt nun interaktiv unterschiedliche Tests zur Lokalisierung und Anpassung der Lüfter durch, wobei es die gefundenen Ventilatoren zunächst auf die Höchstdrehzahl beschleunigt und anschließend für fünf Sekunden abschaltet. Nach Abschluss der Konfigurationstests fordert die Software Sie auf, Temperatur- und Drehzahlschwellen in Abhängigkeit von den gefundenen Sensoren festzulegen. Hier sollten Sie besonders vorsichtig vorgehen, da die angegebenen Temperaturwerte für das Zuschalten der maximalen Drehzahl des Lüfters meist sehr hoch angesiedelt sind. Informieren Sie sich in diesem Kontext auch, für welche Betriebstemperaturen der Hersteller den Hauptprozessor des Notebooks spezifiziert. Im Zweifelsfall sollten Sie die abgefragten Konfigurationswerte für das Anspringen des Lüfters ab einer Minimaltemperatur sowie die Erhöhung auf die maximale Drehzahl (meist etwa 4500 rpm) bei einer definierten Temperaturschwelle möglichst niedrig ansetzen (Abbildung 6).

Abbildung 6

Abbildung 6: Pwmconfig führt Sie durch einen Einstellungsdialog.

Nach Abschluss der Eingaben sichern Sie die Konfiguration durch Auswahl des Menüpunkts 4) Save and quit in der Datei /etc/fancontrol. Sofern zukünftig bei jedem Neustart des Systems die Lüftersteuerung automatisch eingeschaltet werden soll, fügen Sie anschließend in die Datei /etc/rc.local die Zeile /usr/sbin/fancontrol ein. Einige Distributionen starten die Software auch wie einen Dienst, sodass sie hier der Datei /etc/rc.local den Eintrag /etc/init.d/fancontrol start hinzufügen müssen.

Fazit

Ein echtes Dream-Team geben Linux und Mobilrechner noch nicht ab. Viele kleine Schwachstellen verhindern eine "ab Werk" einwandfrei konfigurierte Linux-Installation, wobei einige der Probleme eindeutig zu Lasten der auskunftsunwilligen Hardware-Hersteller gehen.

Andererseits erstaunt, dass die Linux-Entwickler das seit Jahren bekannte und vielfach thematisierte ([5],[6]) Problem des viel zu aggressiven Energiesparmanagements bei Festplatten nicht beheben, indem sie die unsinnigen Einstellungen komplett deaktivieren. Ein solch ignorantes Verhalten trägt weder zum guten Ruf des freien Betriebssystems bei, noch animiert es Hardware-Hersteller dazu, den Linux auf ihren Geräten stärker zu unterstützen.

Es bleibt zu hoffen, dass mit der wachsenden Verbreitung mobiler Rechner die Nachfrage nach Linux auf solchen Geräten steigt und mit zunehmender Praxis der Entwickler in diesem Segment eine ähnliche Unterstützung zustande kommt wie bei Desktop-PCs. 

Tip a friend    Druckansicht Bookmark and Share
Kommentare

Hits
Wertung: 0 Punkte (0 Stimmen)

Schlecht Gut

Infos zur Publikation

Infos zur Publikation

LinuxUser 05/2014

Aktuelle Ausgabe kaufen:

Heft als PDF kaufen

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,95 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

Im LinuxUser-Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben für 3 Euro. Das Jahresabo (ab EUR 60,60) können Sie im Medialinx-Shop bestellen.

Tipp der Woche

Bilder vergleichen mit diffimg
Bilder vergleichen mit diffimg
Tim Schürmann, 01.04.2014 12:40, 1 Kommentare

Das kleine Werkzeug diffimg kann zwei (scheinbar) identische Bilder miteinander vergleichen und die Unterschiede optisch hervorheben. Damit lassen sich nicht nur Rätsel a la „Orignial und Fäls...

Aktuelle Fragen

programm suche
Hans-Joachim Köpke, 13.04.2014 10:43, 8 Antworten
suche noch programme die zu windows gibt, die auch unter linux laufen bzw sich ähneln sozusagen a...
Funknetz (Web-Stick)
Hans-Joachim Köpke, 04.04.2014 07:31, 2 Antworten
Bei Windows7 brauche ich den Stick nur ins USB-Fach schieben dann erkennt Windows7 Automatisch, a...
Ubuntu 13.10 überschreibt immer Windows 8 Bootmanager
Thomas Weiss, 15.03.2014 19:20, 8 Antworten
Hallo Leute, ich hoffe das ich richtig bin. Ich habe einen Dell Insipron 660 Ich möchte gerne Ub...
USB-PTP-Class Kamera wird nicht erkannt (Windows-only)
Wimpy *, 14.03.2014 13:04, 15 Antworten
ich habe meiner Frau eine Digitalkamera, AGFA Optima 103, gekauft und wir sind sehr zufrieden dam...
Treiber
Michael Kristahn, 12.03.2014 08:28, 5 Antworten
Habe mir ein Scanner gebraucht gekauft von Canon CanoScan LiDE 70 kein Treiber wie bekomme ich de...