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© Linder6580, sxc.hu

Stiller Postbote

IMAP-Postfächer synchronisieren mit OfflineIMAP

16.11.2011
Ob Mail-Backup oder Synchronisation zwischen verschiedenen Accounts – OfflineIMAP erledigt diese Aufgaben gezielt, effizient und auf Wunsch vollautomatisch.

Viele Anwender setzen heute auf IMAP, um ihre E-Mails zu verwalten. Kein Wunder, denn das Protokoll birgt einiges an Komfort: Nachrichten und Ordner liegen im Gegensatz zum veralteten POP-Protokoll zentral auf dem Server, wodurch jeder Client inklusive Smartphone und Tablet Zugriff auf dieselben Nachrichten hat, und das sogar gleichzeitig.

IMAP ermöglicht darüber hinaus das serverseitige Filtern [1] und Push-E-Mail. Doch die Sache hat einen Haken: Das Protokoll geht davon aus, dass der Anwender beim Arbeiten mit den Nachrichten ständig online bleibt. Dank Flatrate ist das heutzutage zwar eher die Regel als die Ausnahme. Dennoch gibt es Situationen, in denen ein Offline-Zugriff auf das Postfach optimal wäre: Unterwegs, im Ausland, oder ganz einfach bei Ausfall des Netzwerks.

Zwar legen die meisten Mailprogramme einen lokalen Cache an, auf den sie bei Problemen zurückgreifen, aber das funktioniert nicht immer zuverlässig [2]. Zudem steht dieses Archiv dann nur auf genau einem Client in einem bestimmten Programm bereit – Firmen oder Anwender mit mehreren Rechnern schauen in die Röhre.

Ein weiteres Problem stellt die falsche Sicherheit dar, in der sich die Nutzer großer Freemail-Anbieter häufig wiegen. Große Postfächer mit nahezu unbegrenztem Speicherplatz in der Cloud laden dazu ein, alles im Netz zu speichern. Um das Backup kümmern sich die Anbieter, und komfortabel ist es obendrein.

Doch wer seine gesamte virtuelle Korrespondenz in die Hände eines einzigen Anbieters legt, der geht ein Risiko ein: Datenverluste und Einbrüche in Konten lassen sich nie hundertprozentig ausschließen. Gerade für Firmen stellen verloren gegangene E-Mails ein Problem dar, sind sie doch gesetzlich zum Aufbewahren der elektronischen Post verpflichtet.

Eine Lösung des Dilemmas besteht darin, sich einen Mailserver am heimischen Router zu installieren und alle E-Mails dorthin weiterzuleiten. Doch das verursacht nicht nur großen Aufwand, sondern erweist sich bei herkömmlichen Internetzugängen und ihren dynamischen IP-Adressen schlicht als zu fehleranfällig.

Daher kommen häufig Programme zum Einsatz, mit denen man die E-Mails von entfernten Servern herunterladen und lokal einsortieren kann. Doch dieser Weg führt nur in eine Richtung – lokale Änderungen spielen diese Tools meist nicht zurück. An ein effektives Offline-Arbeiten mit IMAP ist daher nicht zu denken.

Rettung naht

Genau hier kommt OfflineIMAP [3] ins Spiel. Das Programm macht im Grunde genommen genau das, was der Name suggeriert: Es stellt den Inhalt eines IMAP-Kontos offline auf dem eigenen Rechner bereit – sei es fürs Backup oder um die Nachrichten auf diesem Wege im Mailclient zu bearbeiten.

Das funktioniert im Gegensatz zu anderen Tools aber in beide Richtungen: Lokal gelöschte E-Mails löscht OfflineIMAP beim nächsten Durchlauf am Server, und neu eintreffende Post lädt es vom Server automatisch nach. Dabei kopiert OfflineIMAP nicht einfach jedes Mal stupide Ordner für Ordner, sondern gleicht den Inhalt intelligent ab, sprich: Es überträgt nur die Daten, die sich im Vergleich zum vorherigen Start geändert haben.

Mit OfflineIMAP synchronisieren Sie aber nicht nur komplette Postfächer, sondern übertragen auch gezielt nur einzelne Ordner. Dabei lässt sich das Programm entweder auf einem einzelnen Client einrichten oder aber auf einem zentralen Server installieren. Besonders beliebt ist das Tool beispielsweise bei den Anwendern von Mutt, einem konsolenbasierten Mailprogramm.

Raus aus der Cloud

Die Installation von OfflineIMAP gestaltet sich angenehm einfach. Auf unserem Testsystem, einem Notebook mit der aktuellen Version 11.10 von Ubuntu, genügte das Kommando

$ sudo apt-get install offlineimap

um das Programm zu installieren. Alternativ greifen Sie auf einen Paketmanager mit grafischer Oberfläche zurück.

Die Konfiguration gestaltet sich sehr einfach. Erstellen Sie für einen ersten Test eine Datei namens .offlineimaprc in Ihrem Home-Verzeichnis. Dort tragen Sie den die Daten für das Synchronisieren ein. Listing 1 zeigt ein Beispiel, das ein Postfach bei Google Mail auf den heimischen PC sichert.

Listing 1

[General]
accounts = googlemail
maxsyncaccounts = 1
[Account googlemail]
localrepository = googlemail-local
remoterepository = googlemail-remote
[Repository googlemail-local]
type = Maildir
localfolders = ~/googlemail
[Repository googlemail-remote]
type = Gmail
remoteuser = Name@googlemail.com
remotepass = Passwort

Die Datei .offlineimaprc enthält persönliche Daten wie Benutzernamen und Passwörter. Denken Sie daher nach dem ersten Speichern daran, mittels chmod 600 .offlineimaprc anderen Benutzern den Zugriff darauf zu verweigern. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich Dritte Zugriff auf Ihr Postfach verschaffen.

In der Konfiguration definieren Sie in der Sektion General einen Account namens googlemail, das Sie synchronisieren möchten, und legen zudem fest, dass die Software maximal ein Konto zur gleichen Zeit abgleicht, was die Bandbreite des lokalen Internetzugangs schont. Dem Google-Mail-Konto weisen Sie im Bereich Account zwei Repositories zu. Dahinter verbergen sich die Ordner zum Speichern der zum Konto gehörigen E-Mails.

Als lokales Repository – also als Ziel, zu dem OfflineIMAP die Mails überträgt – dient im Beispiel der Ordner googlemail im Home-Verzeichnis. Dort speichert OfflineIMAP die Nachrichten im Maildir-Format zum Einsatz, wie es auch auf vielen Servern zum Einsatz kommt. Die eigentlichen Zugangsdaten definieren Sie im letzten Abschnitt. Neben dem Servertyp sind der Benutzername und das Passwort obligatorisch. Letzteres dürfen Sie aus Sicherheitsgründen weglassen: Dann fragt OfflineIMAP Sie bei jedem Start danach.

Im Beispiel für Google Mail ist der Benutzername in Kombination mit der entsprechenden Domain angegeben. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Vorgabe von OfflineIMAP, sondern vielmehr um eine Eigenheit des Anbieters. Ähnlich verhält es sich beispielsweise bei GMX: Auch hier müssen Sie sich immer unter Angabe ihrer vollständigen Mail-Adresse authentifizieren. Kleinere Provider oder firmeninterne IMAP-Server verlangen hingegen oft nur einen einfachen Benutzernamen – tritt bei der Verbindungsaufnahme also einen Fehler auf, überprüfen Sie nochmals, in welcher Schreibweise Ihr Provider die Daten erwartet.

Im Test gab sich OfflineIMAP übrigens pingelig, was die Groß- und Kleinschreibung in der Konfigurationsdatei betrifft – die Namen der Abschnitte für Konten und Repositories sowie die Angabe Maildir müssen zwingend mit einem Großbuchstaben beginnen, sonst verweigert die Software den Dienst. Haben Sie diese Hürde gemeistert, steht das Programm für den ersten Durchlauf bereit.

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Kommentare
Sehr gute Beschreibung, aber es kommt dennoch zu einer Fehlermeldung
Linuxnoob (unangemeldet), Donnerstag, 12. März 2015 18:46:30
Ein/Ausklappen

Hallo,

ich weiß der Artikel ist schon alt, aber für Offlineimap immer noch aktuell der beste.

Ich habe Offlineimap auch zum laufen bekommen, aber ich bekomme immer folgende Fehlermeldung:

Creating folder /[RemoteZugang]
ERROR: Creating folder on repository RemoteZugang
Folder '/'[RemoteZugang] could not be created. Server responded: ('NO', ['unsupported folder name'])

Ich habe RemoteZugang in der Datei offlineimaprc unter dem Punkt remoterepository = RemoteZugang deklariert.

Das ganze soll ein Backup von meinem gmx-account machen.
Die Mails sind auch alle offline verfügbar, nur das mit den

[mbnames]
enabled = yes
filename = ~/Mutt/muttrc.mailboxes
header = "mailboxes "
peritem = "+%(accountname)s/%(foldername)s"
sep = " "
footer = "\n"

hat nicht funktioniert und die Fehlermeldung oben stört im log.
Das Programm legt kein muttrc.mailboxes an.

Bitte weiterhin so gute Artikel
Linuxnoob



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