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Guckst du!

Videokonferenzen unter Linux

10.08.2011
Geht es um Videokonferenzen übers Internet, denken viele zuerst an Skype. Wir suchen nach freien Alternativen.

Telekommunikation war vor nicht allzu langer Zeit noch ein teures Gut. Selbst kurze Auslandsgespräche kosteten mitunter ein Vermögen, die Tonqualität war oft mäßig und Konferenzen mit mehreren Teilnehmern ein schwieriges Unterfangen. Durch das Aufkommen IP-basierter Telefonie hat sich dieses Bild gewandelt. Zahlreiche Voice-over-IP-Anbieter sprießen aus dem Boden, Flatrates für Gespräche nach ganz Europa sind an der Tagesordnung, und moderne Videokonferenzsysteme lassen die Menschen über Kontinente hinweg näher zusammenrücken.

Um mehrere Leute zu einer Konferenz zusammenzuschalten, haben Sie die Qual der Wahl aus verschiedenen Systemen. Der Klassiker schlechthin ist die Dreierkonferenz, bei der Sie drei Teilnehmer per herkömmlicher Telefonverbindung zusammenschalten. Der Vorteil: Sie benötigen keine zusätzliche Hard- oder Software und die Kosten bleiben – zumindest im Inland – überschaubar. Derartige Konferenzen bieten sowohl die meisten Festnetzanbieter und Mobilfunkbetreiber als auch zahlreiche VoIP-Anbieter an.

Komplizierter wird das Ganze, wenn mehr als drei Parteien gleichzeitig telefonieren möchten, denn dazu benötigen Sie einen separaten Anbieter. Preise und Leistungen unterscheiden sich hier sehr stark, eine Recherche im Internet fördert aber auch einige kostenfreie Lösungen zutage [1]. Doch nicht immer ist das Telefon der Mittel der Wahl, denn möchten Sie während des Gesprächs Links oder gar Dokumente austauschen, kommen Sie ohne zusätzliche technische Hilfsmittel nicht aus. Der neueste Schrei sind Videokonferenzen, bei denen Sie per Webcam Ihren Gesprächspartner sogar sehen können.

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige interessante Ansätze zur Videokonferenz vor. Als Testsystem dient uns dabei Ubuntu 11.04, wobei unser Augenmerk jedoch auf Plattformunabhängigkeit liegt – schließlich möchten Sie auch mit Anwendern reden, die Mac OS X oder Windows benutzen.

Der Klassiker: Skype

Denkt man an Konferenzsoftware, kommt man an Skype [2] nicht vorbei. Binnen weniger Jahre hat das Programm einen hohen Verbreitungsgrad erreicht. Skype läuft nicht nur auf Linux, Mac OS X und Windows, sondern auch auf mobilen Geräten mit Symbian, Android oder iOS. Zudem genießt Skype den Ruf, hinter nahezu jeder Firewall zu funktionieren. Das Programm unterstützt viele Sprachen und beherrscht neben Audiokonferenzen auch Videogespräche und Textchat.

Doch auch wenn weltweit mehrere Millionen Anwender auf die Dienste von Skype zurückgreifen, hat es einen Nachteil: Weder beim dem Programm noch dem zugrunde liegenden Protokoll handelt es sich um freie Software, weswegen Sie auf den offiziellen Client des Herstellers oder zertifizierte Endgeräte wie Skype-Telefone angewiesen sind. Zudem arbeitet Skype nach dem Peer-to-Peer-Prinzip, sodass auch Ihr System als Vermittlungsstelle für Anrufe von Dritten dient, was Bandbreite benötigt.

Zudem betrachtet Skype Linux offensichtlich als Stiefkind: Neue Features fließen in den Linux-Client meist erst später ein als in die Windows-Version. Obendrein sorgte Skype in der Vergangenheit immer wieder für Unmut: So blendet der Windows-Clients seit einiger Zeit Werbebanner ein, Gruppen-Videokonferenzen bleiben mittlerweile zahlenden Kunden vorbehalten. Auch die Frage, wie abhörsicher Skype-Telefonate sind, lässt sich aufgrund es proprietären Protokolls nicht nachprüfen. Dafür bietet Skype andererseits eine unübertroffen einfache Bedienung sowie attraktive (aber kostenpflichtige) Zusatzdienste wie Anrufweiterschaltung, SMS-Versand, echte Telefonnummern, Anrufe ins Festnetz, Voicemail und vieles mehr.

Der Client selbst ist schnell installiert. Unter Ubuntu aktivieren Sie über System | Systemverwaltung | Aktualisierungsverwaltung | Einstellungen | Andere Software das Canonical-Partner-Repository. Danach richten Sie das Skype-Paket beispielsweise mittels sudo apt-get install skype ein. Es nistet sich im Gnome-Menü unter Anwendungen | Internet ein. Im Test klappte die Verbindung zwischen Linux- und Mac-Client zwar problemlos, aber nur bei geöffneter Firewall. Mit unserer ursprünglichen – zugegebenermaßen sehr restriktiven – Netzwerk-Policy kam Skype nicht zurecht und konnte nur Textnachrichten austauschen, Video- und Audio-Verbindungen schlugen fehl.

Wenn aber die Verbindung einmal steht, dann macht das "Skypen" wirklich Spaß (Abbildung 1). Video, Sprache, Text-Chat und Dateiversand zur gleichen Zeit klappten problemlos und bieten im Vergleich zum klassischen Telefon einen echten Mehrwert. Mehrere Gesprächspartner fügen Sie einfach der Konferenz hinzu, Skype verbindet sie dann sowohl per Sprache als auch per Textchat miteinander. Die Audio- und Video-Qualität hängt naturgemäß stark von der Bandbreite ab, war im Test aber immer akzeptabel und ohne allzu große Latenzen. Die Tatsache, dass weltweit mehrere Millionen Menschen Skype nutzen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch der Gesprächspartner auf diesem Weg erreichen lässt.

Abbildung 1: Der Skype-Client ist einfach zu bedienen und strotzt vor Funktionen.

Freie Alternative: Ekiga

Mit Ekiga [3] steht quasi ein freies Pendant zu Skype zur Verfügung, das mit SIP und H.323 offene Standards unterstützt. Interessant ist vor allem das erstgenannte, mit dem Sie Ekiga als Client für herkömmliche VoIP-Provider nutzen. Unter Ubuntu installieren Sie das Programm beispielsweise mittels sudo apt-get install ekiga und starten es anschließend im Gnome-Menü unter Anwendungen | Internet | Ekiga-Softphon. Auf unserem Testsystem klappte die Installation erst im zweiten Anlauf: Beim ersten Versuch meldete das Paket zwar keinen Fehler, legte aber weder ein Icon noch ein startbares Programm an.

Zum Testen erstellten wir ein kostenfreies SIP-Konto beim programmeigenen Dienst Ekiga.net (Abbildung 2), das wir im komfortablen Einrichtungsassistenten konfigurierten. Zudem richteten wir ein herkömmliches SIP-Konto eines deutschen VoIP-Anbieters ein. Während bei Letzterem ein- und ausgehende Telefonate problemlos funktionierten, weigerte sich der Ekiga.net-Dienst standhaft, Audiodaten zu übertragen – sowohl unter Windows als auch unter Linux. Interessanterweise funktionierte Ekiga.net in Verbindung mit anderen SIP-Clients problemlos, und auch die Video-Übertragung im so genannten Echotest verlief problemlos. Möglicherweise handelte es sich um ein temporäres Problem, vielleicht kam Ekiga mit unserer Firewallkonfiguration auch einfach nicht zurecht. So konnten wir den Ekiga.net-Konferenzservice nicht testen – mit ihm richten Sie laut Anbieter kostenfrei einen Sprachkonferenzraum ein, den Sie zudem mit einer PIN schützen.

Abbildung 2: Ekiga kommt mitsamt einem kostenfreiem SIP-Konto.

Abgesehen von diesen Unzulänglichkeiten macht Ekiga einen guten Eindruck. Das Programm gibt sich schlank und übersichtlich (Abbildung 3) und unterstützt eine Vielzahl von Audio-Codecs. Lediglich die erstmalige Installation fällt mitunter etwas aufwändig aus, da Sie beispielsweise etwaige STUN-Server erst mühsam per Kommandozeile eintragen müssen [4]. Problematisch erscheint auch, dass Ekiga nur einen SIP-Proxy für alle Anbieter gleichzeitig unterstützt – andere Programme erlauben die Konfiguration pro Konto.

Abbildung 3: Der Ekiga-Client gefällt durch seinen übersichtlichen Aufbau.

Den Client erhalten Sie in verschiedenen Sprachen für Windows und Linux, zu entsprechenden Mac-OS-X-Programmen ist Ekiga kompatibel. Neben Audio und Video unterstützt Ekiga zudem Textchat, lediglich ein Dateitransfer fehlt. Gegen zusätzliche Gebühr rufen Sie mit Ekiga gewöhnliche Festnetztelefone an; eingehende Rufnummern kaufen Sie bei einem Ekiga-Partner oder bei einem SIP-Anbieter Ihrer Wahl.

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