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© Eric Isselée, 123rf.com

Optimus-Grafikkarten unter Linux

Ungleiches Paar

Leistung nach Bedarf, das verspricht die Optimus-Technologie von Nvidia. Aber die Notebook-Hersteller boykottieren Linux – darum hilft sich die Community selbst.

Im Februar 2010 stellte Nvidia die Technologie Optimus offiziell vor [1]. Die Idee dahinter besticht: Moderne Laptops verwenden häufig neben der eingebauten Grafikkarte (dGPU) recht potente Hardware im Chipsatz (iGPU). Durch geschicktes Verschalten und mit passenden Treibern wechselt das System je nach Bedarf für den Benutzer unbemerkt zwischen beiden hin und her. Die dGPU übergibt im Akkubetrieb an die iGPU, was die Laufzeit merklich verlängert [2].

Mittlerweile haben andere Hersteller die Idee von Optimus [3] übernommen und so populär gemacht: In den meisten neuen Notebooks mit einer der dGPU/iGPU-Kombinationen Intel/Nvidia, Nvidia/Nvidia, Intel/ATI und ATI/ATI findet sich heute Optimus. Allerdings unterstützen die Notebook-Hersteller bisher Linux nicht, und auch der X-Server und der freie Treiber Nouveau vermögen Optimus-verschaltete Hardware bisher nicht richtig anzusprechen.

Warnhinweis

Die meisten der in diesem Artikel vorgestellten Operationen setzen Root-Rechte voraus und greifen tief ins System ein. Es empfiehlt sich, ein Rettungssystem wie Grml auf CD oder auf USB-Stick bereitzulegen. Auf jeden Fall aber sollten Sie vor allen Experimenten ein Backup des Systems machen.

Experimentelles

Als ein typischer Laptop mit Optimus-Grafik dient in unserem Test ein Schenker M4S XMG A700 mit Intel-Core-i5-Prozessor und Nvidia GT 425M (Abbildung 1). Dieses Gerät erlaubt im Gegensatz zu anderen Modellen nicht mehr, das Optimus-Setting über eine BIOS-Einstellung zu beeinflussen – was darauf hinweist, dass die dGPU nicht mehr physikalisch mit den Grafikausgängen zusammenhängt [4].

Abbildung 1: Attraktiv für Linux-Anwender: Schenker verkauft seine Laptops wie das M4S XMG A700 ohne Betriebssystem.

Mit einer aktuellen Distribution – wir verwendeten Linux Mint Debian Edition, das nach einem Update mit aktueller Software wie Kernel 2.6.38-2 und X.org 1.10.1 läuft – zeigt das Testmodell folgendes, Optimus-typisches Verhalten: Alles funktioniert ohne Probleme, aber ein Blick in die Logdatei des X-Servers (/var/log/Xorg.0.log) zeigt, was beim Hochfahren geschehen ist: Das System erkennt beide Grafikeinheiten und wählt grundsätzlich den Intel-Treiber aus.

Dass es die Nvidia-Karte nicht anspricht, zeigt sich zum Beispiel dadurch, dass die Software Nvidia-settings abbricht. Es läge die Idee nahe, den X-Server zum Laden des freien Treibers (nouveau) oder auch des proprietären Treibers (nvidia) zu zwingen, indem Sie ein entsprechendes Setting mit der Bus-ID der anderen Grafikeinheit in /etc/X11/xorg.conf oder unter /usr/share/X11/xorg.conf.d/ anlegen. Jeder entsprechende Versuch scheitert aber, indem der X-Server beim Hochfahren abbricht (No screens found) – ganz so einfach funktioniert es also nicht.

Unter Linux gibt es mittlerweile die Möglichkeit, die unbenutzte dGPU komplett abzuschalten, was einen maßgeblichen Zuwachs an Laufzeit im Akkubetrieb erbringt. Darüber hinaus klappt das manuelle Umschalten zwischen den GPUs. Optimus auch unter Linux automatisch im fließenden Übergang mit Abschaltung zu nutzen, so wie es eigentlich vorgesehen ist und auf aktuellen Windows-Systemen läuft, steckt jedoch noch in einer sehr frühen Phase der Entwicklung (siehe Kasten "Virtuell").

Wer sich mit Optimus auseinandersetzt, für den bieten vor allem das Blog Linux-Hybrid-Graphics [5] und die Mailing-Liste Hybrid Graphics Linux auf Launchpad [6] Informationen und Kontakt zu Mitstreitern. Außerdem existiert seit kurzem ein aufgeräumtes Wiki zu dem Thema [7].

Via Kernel

Es gibt mittlerweile ein spezielles Kernel-Modul, mit dem Sie mithilfe von ACPI-Methoden die dGPU ganz abschalten [8]. Dafür laden Sie zunächst das Programmverzeichnis acpi_call mittels des folgenden Aufrufs herunter:

$ git clone http://github.com/mkottman/acpi_call.git

Das setzt das Paket git voraus. Wechseln Sie in das Verzeichnis, kompilieren Sie das Modul mit make, laden Sie es mittels insmod acpi_call.ko, und sehen Sie dann mit ./test_off.sh nach, ob auf der Hardware eine der vorgesehenen Methoden funktioniert. Auf dem Testmodell war das nicht der Fall.

Es ist hierbei auf jeden Fall eine gute Idee, vorher das Kernel-Modul des Nouveau-Treibers zu deaktivieren, indem Sie der Datei /etc/modprobe.d/blacklist.conf die Zeile blacklist nouveau am Ende hinzufügen und anschließend neu starten. Funktioniert eine der Methoden, konfigurieren Sie das dauerhaft [9]. Die Entwickler nehmen Fehlerberichte für die Weiterentwicklung auf Launchpad entgegen [10].

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