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© Roland Warmbier, 123rf.com

Entwicklungsumgebung für Free Pascal

Oberflächlich

Mit Lazarus klicken Sie rasch eine Benutzeroberfläche zusammen, fügen etwas Programmlogik hinzu – fertig ist die eigene Anwendung. Das und eine weitgehende Kompatibilität zu Delphi verspricht die Free-Pascal-IDE allen Object-Pascal-Programmierern.

Den eigenen Object-Pascal-Programmen eine schicke Benutzeroberfläche zu verpassen ist eine langweilige Routineaufgabe, die zudem noch viel Zeit schluckt. Um das fortwährende stupide Ableiten von zahlreichen Klassen zu vereinfachen, entwickelte die Firma Borland bereits Mitte der 90er Jahre Delphi. In dieser Entwicklungsumgebung klickt der Autor seine Benutzeroberfläche schnell und komfortabel mit der Maus zusammen. Delphi kostet jedoch einen Haufen Geld und beschränkt sich zudem auf Windows. Eine mehr als ebenbürtige Alternative bietet die komplett freie Entwicklungsumgebung Lazarus: Sie setzt auf dem beliebten Pascal-Compiler Free Pascal auf, besitzt einen großen Funktionsumfang, liegt den meisten großen Distributionen bei und ist sogar in vielen Bereichen kompatibel zum guten alte Delphi. Obendrein läuft sie auch noch unter Windows und Mac OS X.

Zeichenbrettchen

Nach dem ersten Start überschüttet Lazarus den Programmierer mit zahlreichen Fenstern, in denen sich Delphi-Programmierer schnell heimisch fühlen dürften (Abbildung 1). Aus einer Palette am oberen Bildschirmrand wählen Sie zunächst ein passendes GUI-Element und platzieren es dann auf einem Formular – so nennt Lazarus alle (Dialog-)Fenster des entstehenden Programms. Einmal abgelegt, zupfen Sie die Elemente über Anfasser wie in einem Malprogramm auf die passende Größe und schiebt sie an ihre korrekte Stelle. Feineinstellungen und Eigenschaften, wie etwa die Beschriftung einer Schaltfläche, modifizieren Sie bequem im Fenster des sogenannten Objektinspektors.

Abbildung 1: Lazarus begrüßt den Entwickler mit zahlreichen Fenstern. Das leere Formular in der Mitte stellt das Hauptfenster der späteren Anwendung.

Im Hintergrund generiert Lazarus automatisch den passenden Quellcode, den Sie in einem eigenen Editor-Fenster nur noch um die eigentliche Programmlogik ergänzen müssen. Und selbst dabei hilft in einigen Fällen der Objektinspektor: Er listet nicht nur alle möglichen Ereignisse auf, die das gerade markierte GUI-Element versteht, sondern verknüpft diese mit wenigen Mausklicks mit bestehenden Methoden beziehungsweise legt eine passende, leere an.

Pflicht und Kür

Darüber hinaus bietet Lazarus sämtliche Funktionen einer herkömmlichen Entwicklungsumgebung. So jongliert die Projektverwaltung auch komplexe Projekte. Den Überblick über alle beteiligten Dateien und Packages gewährt ein eigenes Projektinspektor-Fenster. Um eine Anwendung zu übersetzen, genügt es in der Regel schon, die grüne Wiedergabeschaltfläche zu drücken. Falls notwendig dürfen Sie jedem Projekt individuelle Compiler-Einstellungen mitgeben. Fehler listet ein eigenes Fenster auf, ein Mausklick auf ein Problem springt direkt zur fraglichen Codestelle (Abbildung 2). Der eingebaute Debugger kümmert sich um Abstürze und unterbricht das Programm an zuvor im Editorfenster per Mausklick festgelegten Haltepunkten. Zusätzlich dürfen Sie das eigene Programm schrittweise ausführen und die Inhalte von Variablen einsehen.

Abbildung 2: Dank integriertem Debugger spürten Sie fehlerhafte Codestellen, wie hier einen Tippfehler, rasch auf.

Der Editor bietet den von anderen professionellen Entwicklungsumgebungen gewohnten Leistungsumfang. So färbt er den Quellcode ein ("Syntax Highlighting") und klappt Codeblöcke beispielsweise in Form von Methoden vorübergehend aus beziehungsweise wieder ein ("Code Folding"). Bei der Programmierung schlägt die Autovervollständigung ("Code Completion") mögliche Methoden- und Klassennamen vor, hilft beim Ausfüllen von Parametern und ergänzt beispielsweise automatisch das end nach einem begin (Abbildung 3).

Abbildung 3: Schon während der Eingabe macht der Editor Vorschläge.

Per Tastenkombination kommentieren Sie schnell alle gerade markierten Zeilen oder rücken sie einen Ebene tiefer ein. Häufige oder wiederkehrende Codeblöcke können Sie in als eine Art Textbaustein in Form einer Code-Schablone speichern. Es genügt dann die Eingabe eines Kürzels gefolgt von [Strg]+[J], damit Lazarus sie gegen die komplette Vorlage ersetzt. Die Entwicklungsumgebung bringt bereits Code-Schablonen für häufige Konstrukte mit, wie etwa for-Schleifen oder begin/end-Blöcke.

In einer Klassendeklaration genügt es, Methoden und Eigenschaften vorzugeben. Eine Tastenkombination erzeugt dann automatisch leere Methodenrümpfe sowie passende Getter- und Setter-Methoden. Tippfehler spürt die Schnelle Syntaxprüfung schon vor der Übersetzung auf, weitere Assistenten erraten offene Quelltexteblöcke beziehungsweise IFDEF/ENDIFs.

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