Freie Verwaltung

Dass sich auf Open-Source-Basis auch eine zertifizierte Praxisverwaltungssoftware erstellen lässt, versucht das Projekt OpenPhysio [9] zu beweisen. Zielgruppe dieser Praxissoftware sind Physiotherapeuten, künftig sollen auch Ergotherapeuten und Logopäden hinzu kommen. Anlass für die Entwicklung eines freien Verwaltungssystems bot zum einen die Motivation, eine freie Software-Alternative zu schaffen, zum anderen sieht das Projekt Schwächen bei den kommerziellen Angeboten, vor allem in Punkto Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit.

Das Programm befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase und verfügt noch nicht komplett über den angepeilten Umfang. Immerhin stehen die wichtigsten Grundfunktionen bereits: So erlaubt die derzeit aktuelle Version das Verwalten von Patienten, Terminen, Kursen und Mitarbeitern. Über eine systeminterne Benutzerverwaltung lässt sich der Zugriff auf die Daten granular regeln (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mit dem OpenPhysio Administrator legen Sie als Praxisinhaber fest, welche Verwaltungsrechte Anwendergruppen erhalten.

OpenPhysio gibt es nicht nur für Linux, sondern auch in Varianten für Windows und Mac OS X. Zu den geplanten Funktionen zählern neben einer Zertifizierung gemäß § 302 des fünften Sozialgesetzbuches unter anderem eine umfassende Buchhaltungsfunktionen, ein verbesserte Datensicherung und automatische Updates.

Die Software arbeitet gegen eine MySQL-Datenbank. Für Linux gilt es die Programmarchive über das Forum des Projektes herunterzuladen, was eine Registrierung voraussetzt. Zudem liegt die Software für Linux lediglich in Form des Quellcodes vor, den es manuell zu übersetzen gilt. Dank der vorhandenen Installationshilfe fällt das aber nicht schwer. Parallel muss der Arzt eine MySQL-Datenbank aufsetzen. Dieser Teil erfordert schon etwas Erfahrung in der Administration von Datenbanken, aber mit Hilfe einer etwas ausführlicheren Anleitung wäre auch diese Hürde leicht zu überwinden.

Einmal übersetzt, lässt sich OpenPhysio intuitiv bedienen und gefällt durch eine ansprechende Oberfläche (Abbildung 6). Hier ruft der Arzt wahlweise die Terminverwaltung oder die Kartei auf. Die Kartei gibt eine Übersicht über Patientenstammdaten, ausgestellte Rezepte, Kurse sowie Mitarbeiter. Außerdem findet sich hier eine Übersicht über abgelegte Dokumente, mit dem Ziel das papierlose Arbeiten zu ermöglichen.

Abbildung 6: OpenPhysio erscheint zeitgemäß und aus der Perspektive des Anwenders durchdacht. Das Terminmodul ermöglicht das einfache Anlegen und Auswählen von Patientendaten und das Zuweisen von eingereichten Rezepten.

Die Ansicht Termine zeigt bezogen auf Tag, Woche oder Monat die vergebenen Termine und anderen Arbeitspakete der Praxismitarbeiter an. Beim Anlegen eines Termins ermöglicht ein einziger Dialog die Eingabe der Termindaten sowie entsprechender Patientendaten. Alternativ weist der Bearbeiter dem Termin einen bestehenden Patientendatensatz zu. Einige Funktionen deuten sich bislang allerdings nur durch Buttons ohne Funktion an, Neue Versionen sollen diese Lücke schließen.

Trotz der optischen Überzeugungskraft ist es zur notwendige Praxisreife für OpenPhysio noch ein weiter Weg. Als ähnlich problematisch wie bei den Praxisverwaltungssystemen für Arztpraxen erweist sich die Tatsache, dass der Abrechnungsteil der Software eine Zertifizierung braucht. Einmal implementiert, gehören regelmäßige Updates zum Pflichtprogramm – die nächste Herausforderung für die Projektbeteiligten.

Perspektiven für den Pinguin

Das OpenPhysio-Projekt zeigt, dass es der Community nicht an der Motivation mangelt, gute Praxissoftware zu entwickeln. Kommerzielle Linux-Produkte finden ebenfalls ihre Käufer. Ärzte und Physiotherapeuten sind also bereit, auf den Pinguin zu setzen, um Ihre Praxis zu verwalten und den Patienten zu helfen. Insofern hat Linux seine Nische im medizinischen Umfeld also bereits gefunden. Allerdings gibt es derzeit noch keine Möglichkeit, als Arzt komplett auf Open-Source zu setzen, was der nächste logische Schritt wäre. Hier erweist sich das Regelwerk der kassenärztlichen Vereinigungen derzeit als Hürde.

Wer sich als Arzt mit Linux auseinandersetzt und schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, seine Praxissoftware auf Linux umzustellen, kann diesen Schritt durchaus wagen, sofern die technischen Fragen geklärt sind. An der Verfügbarkeit liegt es jedenfalls sicher nicht, wenn Arzthelferinnen weiterhin auf Fenster aus Redmond starren. Kommerzielle Software wie Data Vital garantiert Updates und den technischen Service, den eine Arztpraxis benötigt. Denn hier handelt es sich um einen Arbeitsbereich, indem die EDV im Prinzip jeden Tag einsatzbereit sein muss und ein Ausfall zum Beispiel aufgrund eines Updates auch echten Geldverlust bedeutet. Allerdings kann gerade deshalb Linux aufgrund seiner Stabilität und konsequenten Benutzerkonzeptes punkten. 

Glossar

XMPP

Extensible Messaging and Presence Protocol. Ein Instant-Messaging-Protokoll für das Übertragen von Kurznachrichten über das Netzwerk.

DICOM

Digital Imaging and Communications in Medicine, ein offener Standard zum Austausch von medizinischen Informationen.

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Deutschland

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Kommentare
Arztbewertungsportale
Annalisa Heredia (unangemeldet), Dienstag, 10. Mai 2011 08:58:32
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<a href="http://www.medrecinst.com/a...talen/">Hier</a> habe ich gelesen, dass es wieder neue Bewertungsportale für Ärzte gibt. Einerseits finde ich es schön, dass man sich im Internet Arztbewertungen anschauen kann. Doch denke ich nicht, dass man dem Internet glauben kann. Ich glaube schon, dass die Webmaster solcher Webseiten wollen, dass auf ihren Webseiten keiner falsche Informationen einträgt. Kann man wirklich solche Arztbewertungsportale auf falsche Bewertungen kontrollieren?


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Wie können Sie AP Wiegand vergessen?
Arnold Kunze, Freitag, 22. April 2011 23:55:46
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Ich benutze APW unter Linux. Es ist sehr gut zu bedienen und hat einen ausgezeichneten und schnellen Support. APW hat alle Zulassungen, die in Deutschland gebraucht werden. Es wird laufend aktualisiert und bietet deshalb immer alle notwendigen und vorgeschriebenen Neuerungen und Einiges mehr. APW ist preiswert.
Endlich habe ich mit APW unter Linux eine Traumkombination gefunden.
Für mich ist es die beste Arztpraxissoftware, die unter Linux im deutschsprachigen Raum zur Verfügung steht. APW und Linux bieten:
Zuverlässigkeit, hohen Datenschutz, lebendige Community, Flexibilität und Aktualität.
Bis jetzt hielt ich LinuxUser für eine faire und ausgewogene Zeitschrift. Nach der Lektüre dieses Artikels habe ich Zweifel ob der Fairness und Ausgewogenheit bekommen. APW steht übrigens in der Liste der KBV auf dem 19. Platz. Ich empfehle Ihnen die Ausgewogenheit mit einem weiteren Artikel über APW im nächsten Heft herzustellen. So einseitig sollten Sie über dieses wichtige Thema nicht berichten!!


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War das Alles?
Walther Koehler (unangemeldet), Freitag, 22. April 2011 20:37:59
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so erfreulich es zunächst ist, wenn ein renommiertes Linux Magazin über fachspezifische Anwendungen im professionellen Bereich berichtet, so enttäuschend oberflächlich ist dann der ganze Artikel. Auf die tatsächlich vorhandenen Probleme und die vielfältigen Lösungsmöglichkeiten (auch ich benutze Linux in der Arztpraxis) wird gar nicht eingegangen und dafür unverhohlen Werbung betrieben. Die DICOM Spezifikation ist zwar offengelegt aber keineswegs frei sondern unter strikter Lizenz der Erfinder! Also erstmal besser recherchieren und dann mehr solcher Artikel auch ohne Sponsor.
Gruß
W. Koehler




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Re: War das Alles?
Dr.-Ing. Christian Heller (unangemeldet), Samstag, 23. April 2011 07:57:33
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Ich gebe Ihnen Recht.

Eine Suche nach Projekten auf sf.net liefert für die Rubrik:
| Scientific/Engineering | Medical Science Apps
aktuell 166 Ergebnisse.

Natürlich ist nur ein Teil davon für Deutschland relevant.
Man kann auch nicht von einem Artikel verlangen,
vollumfänglich auf die Projekte einzugehen.

Aber etwas mehr Vielfalt wäre schon wünschenswert.
GNUmed mit nur einer Zeile zu erwähnen, ohne auf
Details einzugehen, ist schade. Die aktuelle Darstellung
ist einseitig.


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APW-Linux, das richtige Linux-Programm für den (Fach-)Arzt
Dr. med. Claudia Neumann (unangemeldet), Freitag, 22. April 2011 20:08:20
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Scheinbar haben Sie das KBV-zugelassene Arztpraxis-Programm APW-Linux (www.apw-wiegand.de) vergessen. Es kommt vollständig ohne Windows-Clients aus, kam aber auch wahlweise mit Linux und Windows betrieben werden. APW-Linux ist wegen der KBV-Vorschriften nicht OpenSource, setzt aber auf die Eigeninitiative der Anwender, die mit Hilfe einer ausführlichen Installationsanleitung, einer Hotline und einer Mailingliste die Einrichtigung und Pflege des Programms unterstützt.

Neben papierloser Praxis, Unterstützung sämtlicher Linux-fähiger Drucker (auch Duplex-Druck), Anbindung an OpenOffice zur Arztbrieferstellung, Einbindung von externen Befunden und Programmen, eigene Arzneimitteldatenbank bietet APW-Linux etliche Module kostenlos, die bei anderen Programmen zu Buche schlagen, wie DMP-Verwaltung, Privatabrechnung, BG-Abrechnung, PAD-Abrechnung und vieles mehr.

Aus der Entwicklung für APW-Linux ist Code als OpenSource zurückgeflossen: z.B. die Anbindung der neuen Kartenlesegeräte unter Linux, sodass sämtliche neuen eHealth-BCS-Geräte zum Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte unterstützt werden.


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