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Durchleuchtet

Hardware-Informationen sammeln mit Lshw

14.01.2011
Was steckt unter der Haube? Mit Lshw enthüllen Sie Details der PC-Hardware, die Sie in einigen Fällen noch nicht einmal in den Datenblättern finden.

Jede vom Kernel und seinen Modulen erkannte Hardware hinterlässt Spuren in den Log-Dateien oder den Pseudo-Dateisystemen /proc und /sys. Das Zusammentragen der Informationen von Hand fällt recht aufwändig aus. Einige Distributionen versuchen daher mit verschiedenen Programmen und unterschiedlichem Erfolg, dem Anwender diese Arbeit abzunehmen. Lshw [1] erweist sich dagegen als ein Programm, das auf allen Plattformen gut funktioniert und die Ergebnisse übersichtlich präsentiert.

Der Name der Software leitet sich von "List Hardware" ab. Das Programm ermittelt Informationen zu Hardwarekomponenten wie CPU, Speichermodulen oder auch zu Geräten, die Sie an PCI-, USB- oder IDE-Schnittstellen angeschlossen haben (zum Beispiel Soundkarte, Grafikkarte oder externe Laufwerke). Das kleine Tool arbeitet auf der Kommandozeile. Sie steuern es durch Optionen (siehe Tabelle "Wichtige Optionen").

Wichtige Optionen

Option Beschreibung
-html HTML-Ausgaben generieren
-xml XML-Ausgaben generieren
-short kurze Zusammenfassung erzeugen
-businfo Bus-Information ausgeben
-X grafische Oberfläche verwenden
Aktionen
-c, -C, -class Klasse Informationen zu Klasse zeigen
-disable Test Test auslassen
-enable Test Test vornehmen
-quiet Statuszeile nicht anzeigen
-sanitize sensible Informationen unterdrücken
-numeric numerische IDs anzeigen

Die erste Gruppe von Optionen steuert das Ausgabeformat. Voreingestellt schreibt Lshw die Ausgaben als Klartext auf das kontrollierende Terminal (Listing 1). Das ist praktisch, wenn es darum geht, die Ausgaben zu archivieren oder automatisch zu bearbeiten – etwa um mittels Grep bestimmte Zeilen herauszufiltern und weiter zu verarbeiten (lshw ... | grep size ...).

Für ähnliche Anwendungen existiert die Option -xml, die ein vollständiges, wohlformatiertes XML-Dokument erzeugt, das sich gut für das Archivieren in einer Datenbank eignet. Schöner und für Menschen besser zu lesen erscheinen die Ausgaben als HTML-Seite, wie sie die gleichnamige Option (klein geschrieben: -html) erzeugt. Noch einen Schritt weiter geht -X, das eine grafische Oberfläche startet.

Um nur eine kurze Übersicht statt der teilweise wirklich sehr detaillierten Informationen, wie Lshw sie voreingestellt ausgibt zu erhalten, stehen die Optionen -businfo und -short bereit.

Listing 1

# lshw
...
  *-multimedia
      description: Audio device
      product: Azalia Audio Controller
      vendor: Silicon Integrated Systems [SiS]
      physical id: f
      bus info: pci@0000:00:0f.0
      version: 00
      width: 32 bits
      clock: 33MHz
      capabilities: pm bus_master cap_list
      configuration: driver=HDA Intel latency=0 maxlatency=11 mingnt=52
      resources: irq:18 memory:d4200000-d4203fff
...
  *-usb:1
      description: USB Controller
      product: USB 1.1 Controller
      vendor: Silicon Integrated Systems [SiS]
      physical id: 3.1
      bus info: pci@0000:00:03.1
      version: 0f
      width: 32 bits
      clock: 33MHz
      capabilities: bus_master
      configuration: driver=ohci_hcd latency=32 maxlatency=80
      resources: irq:21 memory:d4205000-d4205fff
  *-usb:2
      description: USB Controller
      product: USB 2.0 Controller
      vendor: Silicon Integrated Systems [SiS]
      physical id: 3.3
      bus info: pci@0000:00:03.3
      version: 00
      width: 32 bits
      clock: 33MHz
      capabilities: pm debug bus_master cap_list
      configuration: driver=ehci_hcd latency=32 maxlatency=80
      resources: irq:22 memory:d4206000-d4206fff
...

Im Detail

Ohne Root-Privilegien hat Lshw nur begrenzten Zugriff auf die Systeminformationen. Entsprechend schlanker fällt die Ausgabe aus, allerdings fehlen dann relevante Teile. Normalerweise sollten Sie Lshw daher als Root (sudo lshw) verwendet. Mit den entsprechenden Optionen passen Sie die Ausgabe den Wünschen entsprechend an. Dazu nutzen Sie zum Beispiel Klassen (Tabelle "Klassen") und Tests (Tabelle "Tests").

Klassen

address Speicheradressen für Extension-ROM oder Videospeicher
bridge PCI-to-PCI, AGP, PCMCIA
bus nur Busse, ohne daran hängende Hardware
communication serielle Ports, Modem
disk Laufwerke (auch optische)
display Grafikkomponenten (ohne Monitor)
generic andere Komponenten
input Tastaturen, Mäuse, Joysticks
memory RAM, BIOS, Firmware
multimedia Sound-, TV- und Video-Karten
network Bluetooth, Ethernet, FDDI, WLAN
power Stromversorgungen, Batterien
printer Drucker, All-in-one-Geräte
processor CPU, aber auch RAID-Controller
storage SCSI- oder IDE-Controller
system Art des Systems: Laptop, Desktop, Server oder "Computer"
tape DAT/DDS-Streamer
volume Dateisysteme, Partitionen

Tests

cpuid die ausgelesene CPU-ID
cpuinfo Daten der CPU
device-tree OpenFirmware Device Tree (PowerPC)
dmi DMI/SMBIOS-Erweiterungen
ide klassische IDE- und ATAPI-Geräte
isapnp ISA-PnP-Erweiterungen
pci PCI- und AGP-Geräte
pcmcia PCMCIA- und PC-Card-Erweiterungen
memory Memory-Size-Heuristiken
network Netzwerk-Interfaces
scsi echte und simulierte SCSI-Geräte
spd Serial Presence Detect [2]
usb alle USB-Geräte

Mithilfe der Option -sanitize ersetzt Lshw sensible Informationen (wie Seriennummern und IP-Adressen) durch die Zeichenkette [REMOVED]. Das erweist sich dann also sinnvoll, wenn Sie diese Informationen an Dritte weitergeben möchten, etwa bei Anfragen in Foren oder Ähnlichem. Die Option -quiet verhindert, dass Lshw auf dem Terminal anzeigt, welche Klasse die Software momentan testet.

Ganz anders -numeric: Diese Option veranlasst die Ausgabe numerischer IDs für PCI, USB und andere Geräte. Die Ausgaben der einzelnen Klassen zeigt Lshw in einer Baumstruktur. Die Äste ("nodes") können dabei mit einem von vier möglichen Schlüsselwörtern gekennzeichnet sein:

  • CLAIMED – es gibt einen geeigneten Treiber und er ist geladen (oft zeigt Lshw direkt die entsprechenden Informationen).
  • UNCLAIMED – markiert Klassen, für die es (derzeit) keinen Treiber gibt.
  • ENABLED – kennzeichnet Klassen mit voll funktionsfähigen Treibern (oft zeigt Lshw direkt die entsprechenden Informationen).
  • DISABLE – erscheint, falls es mit dem Treiber ein Problem gibt

Für die Interpretation der Angaben gilt: Die Aussagen in den Bereichen size und capacity hängen von der jeweiligen Klasse ab. Sie unterscheiden sich also danach, ob Sie eine CPU oder einen Speicher analysieren. Die Angabe serial bezieht sich auf die Seriennummern von Geräten wie Festplatten, Speicherriegel, Prozessoren oder Mainboards. Bei Netzwerkgeräten gibt sie die MAC-Adresse an, bei Partitionen die GUID.

Festplatten mit mehreren logischen Partitionen erscheinen mehrfach: Einmal als logische Partition, einmal in der sie enthaltenen erweiterten Partition. Unter capabilities fasst Lshw die jeweils verfügbaren Features der Klassen zusammen; dabei hängt die Interpretation wieder vom jeweiligen Gerätetyp ab.

Mit GUI

Für Lshw gibt es eine grafische Oberfläche: Lshw-gtk (Abbildung 1). Sie starten diese zum einen direkt unter diesem Namen oder via Lshw mit der Option -X. Diese Ansicht spiegelt die Baumstruktur der von Lshw erhobenen Informationen wider. Diese erscheinen in bis zu drei Ebenen verschachtelt, ein Doppelklick öffnet die jeweils nächste Ebene.

Das klappt nur bei Einträgen, für die Lshw durch Fettung das Vorhandensein von Untereinträgen signalisiert. Ganz rechts zeigt das Fenster die jeweiligen Daten an. Die grafische Oberfläche unterstützt nicht die Optionen der Befehlszeile, sodass hier geduldiges Suchen angesagt ist, wenn es darum geht, bestimmte Einträge zu finden.

Abbildung 1: Die grafische Oberfläche Lshw-gtk bietet einen einfacheren Zugriff auf den Baum der Informationen, der Software fehlen aber die nützlichen Optionen des Kommandozeilenwerkzeugs.

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