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© Florian Effenberger

Aufgekocht!

Von Spaghetti-Code, Forks und Slices

06.12.2010
Was passiert, wenn es einer Horde Geeks vor ihren Maschinen zu langweilig wird? Dann bekommen sie Hunger, kommen auf dumme Gedanken – und tun das, was jeder in dieser Situation tun würde: Sie kochen!

München, Freitagabend, unweit des Hauptbahnhofs in einem Keller in der Luisenstraße. Im Café Netzwerk [1], wo sich normalerweise Open-Source-Enthusiasten zum monatlichen Gedankenaustausch beim Open-Source-Treffen [2] versammeln, dampft es aus der Küche. Nein, es hat nicht etwa jemand beim Versuch, seine WLAN-Reichweite zu erhöhen, die Mikrowelle in Flammen aufgehen lassen: Vielmehr duftet es lecker nach selbstgemachter ungarischer Tomatensuppe, Sahnegeschnetzeltem sowie Bayrisch Creme, und knapp 30 Leute schwingen lässig den Kochlöffel, anstatt in die Tasten zu hauen.

Was ist das denn? Geeks in der Küche? Sind sämtliche Pizzadienste in der Stadt etwa im Streik oder verkauft die Tankstelle nur noch Diät-Cola? Hat der Kühlschrank vielleicht Internetzugang mit eigenem IPv6-Subnetz? Mitnichten – der Hunger und die Lust auf Neues eint all diese Leute und hat sie schon zweimal zum Open-Source-Kochen [3] zusammengebracht (Abbildung 1).

Abbildung 1: Was denn – Geeks in der Küche? Ja, streikt denn jetzt der Pizzadienst?

Die Idee dahinter ist einfach: Anstatt immer nur auf Kongressen, Messen und "vor der Kiste" zusammenzukommen, wollen die Beteiligten – allesamt Anhänger freier Software und offener Standards – gemeinsam ein leckeres Drei-Gänge-Menü zubereiten und das dann in gemütlicher Runde genießen. Dass das Hauptgericht dabei manchmal zeitlich eher zum Mitternachtsvesper wird, schreckt einen echten Hacker natürlich nicht ab.

Call for Recipes

Die Rezepte stimmt die Gourmet-Runde dabei demokratisch im Rahmen des so genannten "Call for Recipes" per Mailingliste ab, gekocht wird gemeinsam. Die Teilnehmer sind dabei alle keine Meisterköche, viele von ihnen haben noch nie für mehr als fünf Leute gekocht. Für manche war es gar die erste Küchenerfahrung jenseits von Tütensuppe und Tiefkühlpizza. Dabei berücksichtigt die Open-Source-Kochrunde auch die Essgewohnheiten von Vegetariern, Veganern und denjenigen, die koscheres Essen möchten. Jeder kann mitkochen, für jeden ist etwas dabei.

Den Preis für den Einkauf teilen sich alle Teilnehmer, weshalb das Drei-Gänge-Menü selten mehr als 10 bis 15 Euro pro Person zu Buche schlägt. Auf der Speisekarte standen beispielsweise schon Bruschetta (Abbildung 2), Kässpatzn, gefüllte Paprika mit Reis und Feta, Bratkartoffeln mit Speck sowie Zabaione. Für künftige Veranstaltungen hat unter anderem der Hack(er)braten große Chancen, auf den Tellern zu landen.

Abbildung 2: Die Vorspeise darf ruhig auch mal ein bisserl opulenter ausfallen – wie man gut an diesen Bruschetta de luxe erkennt.

Was hat's mit freier Software zu tun?

Doch wie kommt man auf die Idee, mal eben mit 30 Leuten gemeinsam zu kochen? Ganz einfach: Die Parallelen zwischen der Küche und freier Software fallen vielschichtiger aus, als man denkt.

Freie Software entsteht dadurch, dass viele Interessierte – jeder mit anderen Talenten ausgestattet – gemeinsam an einer Sache arbeiten, die ihnen Spaß macht. Sie lebt dadurch, dass viele sich in die Gemeinschaft einbringen, Neugier zeigen, Experimente wagen und auch vor Fehlschlägen nicht zurückschrecken. Viele für Open Source Engagierte machen kein Geld damit, die sie antreibende Motivation ist vielmehr eine andere: der Spaß an der Sache, die Begeisterung an dem, was sie tun. Viele Projekte und Veranstaltungen haben vor allem deshalb so großen Erfolg, weil die Aktiven mit dem Spaß, den sie an ihrer Arbeit haben, andere motivieren und begeistern und dabei gleichzeitig den eigenen Horizont erweitern.

Auch bei freier Software gibt es viele Köche. Zunächst mag jeder für sich kochen – doch um wirklich erfolgreich zu sein, muss man zusammenarbeiten und sich abstimmen. Warum also sollte das nicht auch beim echten Kochen funktionieren? Software ist für einen Computer genauso wie die Tiefkühlpizza für den Programmierer: Ohne geht es einfach nicht. Kochen kostet zwar viel Zeit (Abbildung 3), aber gemeinsam in großer Gruppe macht es unglaublich viel Spaß, und jeder trägt seinen Teil zum Gelingen bei. Wenn man nachher das Ergebnis in den Händen hält, und sieht, dass man nicht nur selbst davon profitiert, sondern auch andere sich daran erfreuen – mal ehrlich, was gibt es Schöneres?

Abbildung 3: Das "Quellcode-Repository" für ein typisches Open-Source-Kochen …

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Kommentare
Open-Source-Kochen 3.0 am 15.1. im Unperfekthaus
Florian Effenberger, Donnerstag, 06. Januar 2011 12:12:58
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Das Open-Source-Kochen 3.0 findet am 15.1. im Unperfekthaus statt. Details unter http://article.gmane.org/gm...groups.foss.opensourcekochen/1


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