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© Maxim Malevich, Fotolia

Open-Source-Vernetzung auf persönlicher Ebene

Communities verbinden

Jeder hat seine lokale LUG, der er sich zugehörig fühlt. In Berlin sind das einige mehr – und sie arbeiten geschickt zusammen.

Die Hauptstadtregion umfasst die großen Städte Berlin, Potsdam und Brandenburg (Havel) mit rund 6 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von etwa 30 000 Quadratkilometer [1]. Die Mentalität der Bewohner spiegelt die Widersprüche in der Region wieder – einerseits eine starke lokale Verwurzelung, andererseits eine recht große Offenheit gegenüber weiteren Kulturkreisen. Auffällig ist die starke Identifikation und Verbundenheit mit dem eigenen Kiez, Viertel und Stadtbezirk.

In Bezug auf die Bevölkerungsdichte sowie auf die technische Infrastruktur und Netzanbindung gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. Etwa 80 Prozent der Bewohner Berlin-Brandenburgs leben in und um Berlin sowie in den größeren Städten. Während daher viele Bezirke in Berlin mit schneller DSL-Anbindung glänzen, sind die eher dünn besiedelten Brandenburger Landkreise meist nur über langsames DSL, ISDN oder alternativ über ein Funknetz angebunden (Richtfunk/WiMax).

Aktive Linux-Netzwerke

In Berlin ist die Auswahl grandios – jeder Open-Source-Enthusiast findet seine passende Community in Laufweite (Abbildung 1). Jeden Mittwoch treffen sich die Mitglieder der Berliner Linux User Group (BeLUG, [2]) und die Berliner OpenSolaris UserGroup (brosug, [3]). Donnerstags geht es zur Free Software Foundation Europe (FSFE, [4]), zur German Unix User Group (GUUG, [5]) an die TU Berlin oder zur Linux works! [6] nach Friedrichshain.

Abbildung 1: Open-Source-Netzwerke in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg.

Freitags warten die Veranstalter der Freitagsrunde [7] an der TU Berlin und die Open Source Fan Group in Marzahn-Hellersdorf (OSFanG, [8]) mit buntem Programm auf. Am letzten Freitag im Monat treffen sich die Nutzer des Individual Network Berlin (IN-Berlin, [9]) in ihren Vereinsräumen in Moabit. Wer eher ganznächtige Veranstaltungen in einem recht abgefahrenen Ambiente sucht, dem sei die c-base in Mitte [10] ans Herz gelegt. Dort treffen sich nicht nur die Freifunker Berlins [11], sondern auch jeden Mittwoch die Ubuntu User [12] der Hauptstadt.

Skolelinux, die auf Debian basierende Distribution für Schulen und Bildungseinrichtungen, betreibt seit Mai 2010 ein Lern- und Testzentrum (LTZ) in Berlin-Weißensee [13]. Das ehrenamtlich vom Skolelinux-Regionalteam Berlin-Brandenburg betreute LTZ kann man jeden Sonnabend besuchen, regelmäßige Veranstaltungen rund um Skolelinux befinden sich in Planung.

Vergleichsweise ähnlich aktive Gemeinschaften gibt es auch in Potsdam und Brandenburg (Havel) beheimatet. Die Linux User Group Potsdam (upLUG, [14]) trifft sich jeden Sonntag im Studentischen Kulturzentrum (KuZe) zum Fachsimpeln. Alle zwei Wochen stoßen die Potsdamer Freifunker [15] hinzu und laden zum Kennenlernen ein. Traditionell am Mittwoch lädt die Brandenburger Linux User Group (BraLUG) [16] zum Stammtisch ein, an dem auch die Brandenburger Freifunker [17] teilnehmen.

Etwas magerer sieht es im übrigen Brandenburg aus. Lediglich die Linux User Group Senftenberg (LUGSE, [18]) in der Niederlausitz hält dort die Fahne hoch. Die Domains der LUGs aus Cottbus (COLUG) und Frankfurt (Oder) sind derzeit ohne aktuellen Inhalt. Gleiches gilt für die LUG Berlin-Lichtenrade (LUGL) und den Linux-Stammtisch Rathenow (Havelland).

Spezialisten

Eine Sonderstellung nehmen zwei weitere Berliner Netzwerke ein – die Open-Source-Bürogemeinschaft Büro 2.0 in Berlin-Neukölln [27] und das Unternehmernetzwerk Open Source Berlin (OSB, [28]): Hier zählt hier die Verfolgung wirtschaftlicher Interessen auf der Basis von Freier Software zum erklärten Daseinszweck.

Das Büro 2.0 wurde 2008 als Bürogemeinschaft gegründet und beherbergt auf derzeit 1100 Quadratmeter etwa 20 klein- und mittelständische Firmen und Einzelunternehmer. In deren Fokus stehen ausschließlich Dienstleistungen rund um Linux und freie Software. Es arbeiten etwa 70 Personen in den unterschiedlichsten Bereichen, von der Administration über Entwicklung und Vertrieb von Hard- und Software bis hin zu Projektbetreuung, Portal- und Webentwicklung, Druckvorstufe, Security sowie Wireless- und Voice-over-IP-Lösungen.

Das Netzwerk OSB wurde 2009 von den Partnern Heinlein Support, Linux Information Systems AG, Science+Computing, Sernet und Tarent gegründet. Es hat seinen Ursprung im Berliner Linux-Unternehmerstammtisch, der zuvor regelmäßig in Berlin-Kreuzberg stattfand. Das Netzwerk gilt als offenes Zusammentreffen der Berliner Linux-Unternehmer und zielt auf die Stärkung des Themas Open Source in der Hauptstadt ab. Die Koordination übernimmt dabei die Technologiestiftung Berlin (TSB), die eng mit der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) und der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technik und Frauen (WTF) kooperiert.

Vielfalt im Detail

Wirft man einen genaueren Blick auf die einzelnen LUGs und vergleicht sie miteinander, fallen etliche Gemeinsamkeiten auf: Die vorwiegend kleinen Gruppen mit durchschnittlich 10 bis 30 aktiven Mitgliedern finden sich in regelmäßigen Abständen zusammenfinden. Aufgrund der überschaubaren Mitgliederzahl kennt man sie außerhalb der Linux-Gemeinde kaum. Das setzt der Medienwirksamkeit beim Erreichen der gesetzten Ziele enge Grenzen.

Die starke Heterogenität der Mitglieder in Bezug auf Alter, Einkommen, Interessen, Überzeugungen und die beruflichen und privaten Verpflichtungen beeinflusst den Fortbestand einer LUG entscheidend. Jede Usergroup kämpft um ihre Organisationsform und die damit verbundenen Formalitäten. Das beinhaltet die Struktur und die Form, etwa als Verein mit dem Status der Gemeinnützigkeit. Hinzukommen die Mitglieder und deren Beiträge, die Ressorts und Aufgaben sowie die Nachwuchsförderung.

Als große Hürde stellt sich die Nutzung von Räumlichkeiten mit passender technischer Anbindung und Ausstattung dar. Die finanziellen Einschränkungen führen oft zur Zusammenarbeit mit lokalen Bildungseinrichtungen. Zwischen der BraLUG und der Fachhochschule Brandenburg beispielsweise besteht seit 2006 ein Kooperationsvertrag, die upLUG arbeitet eng mit der Universität Potsdam zusammen, und die GUUG kann Räume der TU Berlin nutzen. Ebenso teilen sich die BeLUG und der nichtkommerzielle Internetanbieter Individual Network Berlin e.V. (IN-Berlin) die Räumlichkeiten.

Die Grundlage für solche Symbiosen bilden meist persönliche Kontakte oder sogar personelle Überschneidungen zwischen den Mitgliedern und den Mitarbeitern der jeweiligen Einrichtung. Alle LUGs nutzen die Räumlichkeiten für ein kostenfreies, qualitativ hochwertiges Vortrags- und Veranstaltungsprogramm.

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Kommentare
Anmerkung zum Thema Atmosphäre in LUGs
Silke Meyer (unangemeldet), Freitag, 03. Dezember 2010 16:33:27
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Hi!
Ich steh nun unter dem Artikel als eine, die ihn mit vordiskutiert hat. Mein Punkt kommt mir zu kurz, nämlich die Atmosphäre in LUGs. Um hier nicht so lang zu werden, hab ich das in meinem Blog ausgeführt: http://silkemeyer.net/anmer...-artikel-communities-verbinden


Bewertung: 235 Punkte bei 95 Stimmen.
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Schöner Artikel, aber kleiner Fehler.
tomtomtom (unangemeldet), Freitag, 19. November 2010 16:54:51
Ein/Ausklappen

Herzlichen Dank für den interessanten Artikel, allerdings eine kleine Anmerkung:

Der Stammtisch von ubuntu-berlin findet nicht jeden Mittwoch, sondern jeweils am zweiten Mittwoch des Monats statt.


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