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© Colin Broug, sxc.hu

Objekte mit Motion per Video überwachen

Blickpunkt

Es tut sich was im Hinterhof, und Sie wollen wissen was? Mit Motion und einem Linux-PC bauen Sie mit wenigen Handgriffen ein kleines Videoüberwachungssystem.

Brandenburg an der Havel: Die Selbstständige Beate B. musste in der Vergangenheit mehrfach feststellen, dass Fremde in ihrer Abwesenheit ihre Hof betreten hatten. Die Eindringlinge aßen Obst von den Sträuchern, stahlen Werkzeug von einer Baustelle, durchsuchten Schuppen und öffneten einen Hundekäfig, um den darin befindlichen überaus verspielten und verfressenen Beagle zu befreien.

Es fiel auf, dass die Eindringlinge immer dann kamen, wenn das Grundstück unbewacht war. Allerdings gab es keine regelmäßigen Zeiten, zu denen Frau B. ihr Anwesen verließ. Zudem befindet sich das Grundstück in einer ruhigen Gegend, in der Fremde auffallen würden.

Statt nun auf teure professionelle Überwachungstechniken, wie Bewegungsmelder, Meldeanlagen und Wachschutz zu setzen, nutzte Frau B. einen alten Rechner, einige Webcams und das kleine Werkzeug Motion [1], um sich für wenige Euro ein Überwachungssystem zusammenstellen, das einen Vergleich mit mancher professionellen Anlage nicht zu scheuen braucht.

Motion empfängt nonstop Bilder von beliebig vielen Webcams oder Netzwerkkameras. Ändert sich dabei von einem Bild zum anderen eine definierte Anzahl Pixel, liegt die Vermutung nahe, dass im zu überwachenden Bereich sich etwas oder jemand bewegt. In diesem Fall nimmt das Programm mit Hilfe von Ffmpeg einen Videostream oder eine Serie von Einzelbildern auf und speichert sie auf einem Server. Die Applikation ermöglicht darüber hinaus noch weitere Aktionen, wie etwa das Versenden einer SMS oder einer E-Mail.

Neben der Funktion als Bewegungsmelder eignet sich Motion auch, um innerhalb bestimmter Intervalle Schnappschüsse zu speichern oder fortlaufend Videos aufzunehmen. Das Werkzeug verfügt zudem über eine Möglichkeit, die aktuell empfangenen Bilder von überall mit einem Browser abzurufen und gestattet es, Bereiche in Bildern zu maskieren, um Bewegungen in ihnen zu ignorieren. Letzteres hilft vor allem dann, wenn sich beispielsweise Bäume, Sträucher oder Wäscheleinen im Erfassungsbereich befinden, die im Wind schaukeln.

Der Server

Als Grundlage für den Server dient Ubuntu Server 10.04 [2]. Der spätere Überwachungsrechner benötigt weder Tastatur noch Monitor. Beim Partitionieren gilt es zu beachten, dass abhängig von der Anzahl der Kameras, der Dauer der Zeiträume und den Aktivitäten in den zu überwachenden Bereichen erhebliche Datenmengen anfallen, sodass Sie gleich zu Beginn genügend Platz für Bilder und Videos auf der Zielpartition einplanen sollten.

Um den Server später aus der Ferne zu administrieren, wählen Sie bei der Frage nach der zu installierenden Software auch den SSH-Server aus. Nach der Installation des Grundsystems lohnt es sich, dieses mit sudo apt-get update, sudo apt-get upgrade auf den neuesten Stand zu bringen. Anschließend braucht es noch einige zusätzliche Pakete, bevor es an die eigentliche Konfiguration geht. Dazu zählt ntp, um die Serverzeit zu synchronisieren – So zeigen die Überwachungsvideos stets die korrekte Zeit an. Das Paket acpi-support bietet einen einfachen Weg, um den Motion-Server abzuschalten, und zu guter Letzt brauchen Sie natürlich motion selbst.

Motion konfigurieren

Nach der Installation ist Motion so konfiguriert, dass es nicht automatisch beim Booten als Daemon startet. Um dem abzuhelfen, setzen Sie in der Datei /etc/default/motion den Wert start_motion_daemon auf yes. Um das Programm im Daemon-Modus zu betreiben, benötigt es eine Möglichkeit, eine Systemdatei und die Bilder abzulegen. Im Beispiel kam für die Dateien die Home-Partition zum Einsatz, wo mit mkdir /home/motion und chown -R motion:motion /home/motion ein passendes Verzeichnis für die Programmdaten entstand.

Jetzt geht es daran, Motion an die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse anzupassen. Alle Einstellungen finden sich in /etc/motion/motion.conf. Kommen mehrere Kameras zum Einsatz, sind für deren individuelle, von den Standards abweichende Einstellungen die Dateien threadNummer.conf vorgesehen. Die Hauptkonfigurationsdatei enthält Angaben, die für alle Kameras gelten. Dazu zählen unter anderem der Speicherort der Daten, das Format des Videostreams und der Bildern, die Zugangsdaten für den Zugang über ein Webinterface oder Aktionen, die die Software bei Bewegungen auslöst.

Auf dem Server verwenden Sie die Applikation über die Option daemon on, um Motion im Hintergrund zu betreiben. Die Werte für das Videogerät (videodevice /dev/video0) übernehmen Sie in der Regel ebenso wie die Schalter v4l2_palette und input. Letzteres erfordert Änderungen, wenn es sich bei den Kameras nicht um Webcams handelt, sondern um Geräte, die Sie über eine Video-Capture-Karte angeschlossen haben. Für weitere Kameras verwenden Sie die oben genannten zusätzlichen Konfigurationsdateien.

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Kommentare
Programm ausführen
Baumaister (unangemeldet), Dienstag, 16. Februar 2016 16:46:56
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Hi,
danke für den artikel. was muss ich eingeben, damit Motion nach jeder Aufnahme aus einem bestimmten Verzeichnis (/home/pi/GoogleDrive/) das Programm grive ausführt?



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PGM womit erzeugen?
Sven (unangemeldet), Dienstag, 28. Januar 2014 18:30:15
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hallo und danke für deinen Artikel.

Wie kann ich denn PGM´s erzeugen. Meine normalen Grafikprogramme kennen das Dateiformat nicht.

Muss ich den ganzen Pfad zur pgm später angeben in der Motionconf?

Danke!


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Re: PGM womit erzeugen?
asub (unangemeldet), Montag, 02. Juni 2014 21:04:03
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z.B. mit GIMP Graustufen s/w als PGM-Rohdaten exportieren


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