AA_blue-eye_123rf-3081804_AndrejsPidjass.jpg

© Andrejs Pidjass, 123rf.com

HD-Videodisks selbst erstellt

HD für Alle!

Mangels Player für kommerzielle Blu-rays stehen Linux-Anwender dem Medium bislang skeptisch gegenüber. Dabei übersehen viele, dass man durchaus eigene HD-Disks unter Linux erstellen kann – auf Blu-ray wie auf DVD.

Allmählich wird Blu-ray als Speichermedium attraktiv: Mit Preisen von um die 2 Euro für eine BD-R und Blu-ray-Multibrennern, die beim Händler schon für knapp über 90 Euro zu haben sind, kommt das speicherstarke optische Medium endlich im Mainstream an. Obwohl es noch immer keinen Linux-Player für kommerzielle Blu-rays gibt, kann man eigene Scheiben durchaus unter Linux selbst erstellen – völlig ohne den Kopierschutz-Horror von AACS, BD+ und Konsorten.

Um Scheiben mit HD-Videos zu erstellen, benötigen Sie streng genommen noch nicht einmal Bluray- Medien oder einen entsprechenden Brenner: Das ursprünglich von Sony und Panasonic für HD-Camcorder spezifizierte Format AVCHD [1] ermöglicht es, auf DVDs oder DL-DVDs HDInhalte zu brennen, die die meisten Blu-ray-Player abspielen. Nahezu alle aktuell verkauften Player beherrschen das AVCHD-Format, lediglich einige ältere Modelle streiken – achten Sie auf das AVCHD-Logo auf dem Gerät. MPEG4 AVC, auch unter dem Namen H.264 bekannt, ist ein äußerst effizienter Codec, und der freie AVC-Encoder x264 [2] liefert insbesondere bei niedrigeren Bitraten die mit Abstand beste Qualität. So bekommen Sie mit den richtigen Einstellungen bis zu 3 Stunden Video in 1080p-Auflösung in guter Qualität schon auf eine 8 GByte große DL-DVD, bei 1,5 Stunden unterscheidet sich eine 8-GByte-AVCHD qualitativ kaum mehr von einer Blu-ray.

Es fehlen unter Linux bislang noch Frameworks wie beispielsweise das für DVD-Authoring zum Standard avancierte DVDauthor, sodass es noch kein Tool gibt, mit dem Sie Blu-ray- oder AVCHD-Menüs erstellen. Werkzeuge wie das russische TSmuxer [3] erlauben es jedoch, einen einzelnen Film so zu präparieren, dass er auf BD-R(E) oder DVD gebrannt beim Einlegen im Bluray- Player automatisch startet.

Der beschwerliche Weg zur eigenen Blu-ray oder AVCHD teilt sich in vier Arbeitsschritte: Erst gilt es, passende HD-Inhalte zu finden, diese anschließend Bluray/ AVCHD-kompatibel zu encodieren, sie dann in eine passende Filestruktur und einen geeigneten Container zu verpacken und zu guter Letzt im richtigen Format auf das gewünschte optische Medium zu brennen.

HD-Inhalte

Um eine Blu-ray oder AVCHD zu erstellen, brauchen Sie geeignete HD-Inhalte verfügen. Mit HD-fähigen Schnittprogrammen wie Kdenlive, OpenShot Video Editor oder Cinelerra schneiden Sie Ihre eigenen, mit dem HD-Camcorder aufgenommene Filme und exportieren diese anschließend als eine große HD-Videodatei. Auch im Netz gibt es durchaus legale HD-Inhalte, beispielsweise HD-Versionen von Youtube-Videos oder die freien Blender-Kurzfilme Elephants Dream, Big Buck Bunny und Sintel [4]. Auch im Internet Archive finden sich legale HD-Filme, beispielsweise der unter Creative Commons veröffentlichte Zeichentrickfilm Sita Sings the Blues [5] oder der George-Romero-Zombieklassiker "Die Nacht der lebenden Toten" [6], bei dem die Macher das Copyright vergaßen, sodass er frei kopiert werden darf.

Vorgaben

Der Blu-ray- und AVCHD-Standard legt genau fest, wie Video und Audio beschaffen sein müssen, damit Blu-ray-Player (oder die Playstation 3) sie abspielen. Dabei bildet die AVCHD-Spezifikation eine Untermenge der Blu-ray-Spezifikation.

Viel Konfusion herrscht darüber, worin sich Blu-ray und AVCHD denn nun unterscheiden. Sie ähneln sich stark, AVCHD weist aber in der Struktur und Benennung von Dateien leichte Unterschiede auf und hat einige zusätzliche Einschränkungen bei Bitrate und Codec. Gelegentlich stolpert man auch über die (falschen) Bezeichnungen BD5 oder BD9 für AVCHD. Dieses von Warner Home Video vorgeschlagene, aber nie offiziell von Blu-ray-Playern unterstützte Format entspricht von der Dateistruktur und in den Spezifikationen zu 100 Prozent Blu-ray, nur dient hier eine DVD als Medium.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Opensource-Software kann keine Blurays brennen!
  • Arbeiten mit aktuellen Camcorder-Videoformaten
    Seit dem langsamen Aussterben der kassettenbasierten DV-Videokameras treten günstige, ultrakompakte und HD-fähige Camcorder deren Nachfolge an – und führen eine Vielzahl an neuen Video- und Dateiformaten ein.
  • VLC in Version 1.0
    Fast achteinhalb Jahre nach der Erstveröffentlichung erreicht der beliebte Mediaplayer VideoLAN Client nun endlich die Versionsnummer 1.0.
  • Vielseitiger HD-Mediaplayer
    HD-Mediaplayer gibt es von zahllosen Herstellern wie Sand am Meer. Der SSD- und Speicherspezialist Patriot bringt ein neues Modell, das einige zusätzliche attraktive Funktionen bietet, die es von der Konkurrenz abheben.
  • Medienzentrale
    Als vielseitiger Zuspieler für HD-Fernseher sind HD-fähige Mediaplayer heiß begehrt. Western Digitals Verkaufsschlager WD TV gibt es jetzt in einer Neuauflage mit Netzwerk und mehr Leistung, Konkurrent Seagate hält mit dem FreeAgent Theater+ dagegen.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2016: Neue Desktops

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Drucker Epson XP-332 unter ubuntu 14.04 einrichten
Andrea Wagenblast, 30.11.2016 22:07, 2 Antworten
Hallo, habe vergeblich versucht mein Multifunktionsgerät Epson XP-332 als neuen Drucker unter...
Apricity Gnome unter Win 10 via VirtualBox
André Driesel, 30.11.2016 06:28, 2 Antworten
Halo Leute, ich versuche hier schon seit mehreren Tagen Apricity OS Gnome via VirtualBox zum l...
EYE of Gnome
FRank Schubert, 15.11.2016 20:06, 2 Antworten
Hallo, EOG öffnet Fotos nur in der Größenordnung 4000 × 3000 Pixel. Größere Fotos werden nic...
Kamera mit Notebook koppeln
Karl Spiegel, 12.11.2016 15:02, 2 Antworten
Hi, Fotografen ich werde eine SONY alpha 77ii bekommen, und möchte die LifeView-Möglichkeit nu...
Linux auf externe SSD installieren
Roland Seidl, 28.10.2016 20:44, 1 Antworten
Bin mit einem Mac unterwegs. Mac Mini 2012 i7. Würde gerne Linux parallel betreiben. Aber auf e...