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© Kirsty Pargeter, 123rf.com

Buchmacher

Fotobuchsoftware DPS 4.8 von Farbglanz im Test

17.11.2010 Brauchbare Software zum Erstellen von Fotobüchern ist unter Linux dünn gesät. Farbglanz erweitert die Auswahl um einen vielversprechenden Kandidaten.

Wer bisher unter Linux ein Fotobuch zusammenstellen wollte, verwendete dafür entweder generische DTP-Programme wie Scribus oder den Fotobuch-Designer von Cewe [1] – andere brauchbare Software für diesen Zweck gab es praktisch nicht. Die Firma Farbglanz [2] schickt sich mit dem Programm DPS 4.8 an, das zu ändern. Die native Linux-Software eignet sich aber nicht nur zum Gestalten von Fotobüchern, sondern bildet das komplette Produktportfolio des Unternehmens ab. Sie bestellen damit auch Kalender, Tassen mit Ihren Bildern oder Einzelaufnahmen in den verschiedensten Qualitäten.

Installation und Betrieb

Laden Sie das Archiv zunächst von der Herstellerseite herunter [3]. Nutzer der LU-DVD-Edition verwenden die auf dem Datenträger im Verzeichnis /LU/dps/ enthaltenen Pakete, je nach System in der 32- oder 64-Bit-Variante. Eine Installation im herkömmlichen Sinne erfordert die Software nicht. Entpacken Sie den Tarball mit dem Aufruf tar xfvz Linux32_Setup_DPS_4.8.tar.gz und wechseln Sie danach auf der Konsole in den neu entstandenen Ordner Farbglanz DPS. Starten Sie das Programm dort mit der Eingabe ./Farbglanz DPS.

Da es sich um ein statisch kompiliertes Programm handelt, erfordert es praktisch keine Bibliotheken des Systems. Entpackt beansprucht es ungefähr 300 MByte Plattenplatz. Davon entfallen jedoch nur knapp 50 MByte auf das Programm selbst, den Rest beanspruchen eine Vielzahl an Themes, Masken und Hintergründen, welche die Software mitbringt. Zum Zeichnen der Oberfläche nutzt die Applikation Qt 4.5.2, dessen Bibliotheken sie auch selbst mitbringt. Ein Blick in die Programminformation zeigt, dass Firma Eccephoto [4] die Software im Auftrag von Farbglanz angepasst hat. Eccephoto programmierte bereits vor fünf Jahren die Fotobuchsoftware für Cewe, welche die Firma seit 2006 in Eigenregie weiterentwickelt. Deswegen liegt der Schluss nahe, dass beide die gleiche Codebasis verwenden.

Nach dem Start des Programms erscheint zunächst eine Übersicht, in der Sie das gewünschte Produkt wählen. Dieser Artikel bezieht sich ausschließlich auf die Fähigkeiten das Programms beim manuellen Erstellen von Fotobüchern.

Do it yourself?

Nach der Anwahl von Fotobuch in der Produktauswahl erscheint zunächst die Abfrage, ob Sie ein Freies Design oder ein Themen Design bevorzugen. Letzteres limitiert Sie sowohl beim Format als auch der Anzahl der Seiten, versieht das Fotobuch aber direkt mit einem vorgegebenen Layout zu verschiedenen Anlässen. Derzeit stehen 15 verschiedene Motive zur Auswahl.

Beim freie Design entscheiden Sie ohne Einschränkungen sowohl über den Umfang als auch die Gestaltung des Fotobuchs. Als nächsten Schritt in dieser Rubrik wählen Sie die Papierqualität, zur Auswahl stehen Digitaldruck und Echtfoto. Letzteres entspricht in der Qualität nach Herstellerangaben normalen Fotoabzügen. Damit fällt es kontrastreicher, farbechter und vor allem schärfer als ein Digitaldruck aus – und kostet auch etwa ein Drittel mehr. So zahlen Sie für die gedruckte Ausgabe mit 24 Seiten und Hardcover 24,95 Euro, die belichtete Variante kommt 10 Euro teuerer.

Danach entscheiden Sie das Format und den Umschlag. Beim letzteren wählen Sie zwischen Broschiert (Paperback) und Kartoniert (Hardcover). In der letzten Abfrage dieses Dialogs steht die Entscheidung für ein Fotobuch Easy oder ein Fotobuch Creative an (Abbildung 1). Im "Easy"-Modus befüllt das Programm das Album nach Auswahl des Quellordners selbständig mit Bildern. Im kreativen Modus bleibt es zu nächst leer: Sie entscheiden selbst, welche Bilder Sie wo platzieren.

Abbildung 1

Abbildung 1: Nur im kreativen Modus können Sie selbst entscheiden, welche Bilder Sie einbauen und wo Sie diese platzieren möchten.

Platz da!

Generell arbeitet die Fotobuchsoftware ähnlich wie ein DTP-Programm, etwa Scribus. Sie definieren Bild- und Textboxen an einer beliebigen Stelle und füllen diese mit Inhalten. Klicken Sie auf eine Box, erscheinen an deren Ecken Anfasser in Form schwarzer Kreise. Damit ziehen Sie die Box in die gewünschte Größe, der Inhalt passt sich automatisch an. Zur besseren Orientierung blendet das Programm dabei die Längsachse der Seite sowie eine Markierungslinie zum Ausrichten am benachbarten Bild ein. Mit dem weißen Kreis am oberen Ende der Box drehen Sie diese in beliebige Richtungen. Um sie an einer anderen Stelle zu platzieren, klicken Sie mit der linken Maustaste auf die Box und schieben Sie an die gewünschte Stelle.

Bildboxen besitzen auf der linken Seite eine Leiste mit farbigen Quadraten von Grün über Gelb bis Rot. Diese dienen als Indikatoren für die Auflösung des enthaltenen Bildes in der gewählten Boxengröße. Platziert die Software beispielsweise das Häkchen im roten Feld, müssen Sie im späteren Ausdruck mit erheblichen Qualitätsverlusten rechnen. Grün bedeutet, dass das Bild groß genug für den hochauflösenden Ausdruck ausfällt (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Zum exakteren Ausrichten blendet die Software beim Verschieben der Bilder Orientierungslinien ein. Die Farbsymbole links zeigen die Qualität des Bilds in der gewählten Größe an.

Um ein Bild in eine Box zu laden, ziehen Sie es einfach per Drag & Drop aus der Übersicht links in die entsprechende Box. Die Software passt das Bild automatisch ein und versieht jedes Aufnahme versieht mit einem Zähler. Auf diese Weise behalten Sie stets im Blick, ob und wie oft das Bild im Album auftaucht.

Umständlicher gibt sich das Programm beim Löschen von Bildern. Zwar lassen sich mithilfe von [Strg] mehrere Aufnahmen per Mausklick auswählen, doch die Software löscht stets nur eine davon. Wer es – wie von anderen Programmen gewohnt – mit [Entf] versucht, sieht sich ebenfalls enttäuscht. Ausschließlich ein Klick auf das Abfalleimersymbol aus dem Kontextmenü oder der Schaltersammlung rechts löscht alle Aufnahmen. Generell scheint es DSP nicht so mit Tastatureingaben zu haben: Auch Copy & Paste via Tastenkürzel funktioniert nicht.

Wie erwähnt aktiviert ein Klick auf die Box deren Konfiguration. Ein nochmaliger Klick schaltet den Größenänderungsmodus für das Bild selbst ein. Das Bild erscheint daraufhin klar, was die genaue Wahl des Bildausschnitts ermöglicht. Ein schneller Doppelklick auf die Aufnahme öffnet diese im Bildeditor (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Die Funktionen des integrierten Bildeditors lassen sich an einer Hand abzählen, wichtige Features wie der nachträgliche Weißabgleich fehlen.

Dessen Fähigkeiten beschränken sich allerdings aufs Allernotwendigste. So erlaubt er das (hier eigentlich überflüssige) Zuschneiden und Drehen des Bilds sowie das Angleichen von Helligkeit und Kontrast. Andere wichtige Funktionen fehlen, so etwa das Einstellen der Farbtemperatur. Ein Klick auf das Icon Bild optimieren zeigte im Test kaum Auswirkungen auf die Aufnahme.

Bilder ausrichten

Wie erwähnt lehnt sich die Funktionalität von DPS an jene von DTP-Programmen an. So arbeitet die Software auch mit Ebenen. Jedes Objekt erhält einen eigenen Layer und lässt sich so ganz nach Wunsch über oder unter einem anderen platzieren. Dafür genügt es, das gewünschte Objekt zu markieren und anschließend einen der Schalter in der Werkzeugleiste rechts zu drücken. Zur Auswahl stehen ganz nach Vorn/Hinten sowie eine Ebene nach Vorn/Hinten.

Eine interessante Variante der Bildbearbeitung liefert die Funktion Filter, die Sie im Kontextmenü beim Rechtsklick des gewünschten Bilds erreichen. Sie ermöglicht unter anderem das stufenlose Einstellen der Transparenz. Darüber hinaus wählen Sie hier auch eine frei einstellbare Bildtönung. Das Ergebnis zeigt das Modul allerdings an einem immer gleichen Bild und nicht am ausgewählten. Eine einzigartige Funktion bietet Monochrom, über das Sie die Farben für die hellen und dunklen Bildbereiche separat einstellen.

Sollen Bilder im Album plastischer erscheinen, wählen Sie Rand aus dem Kontextmenü. Über das entsprechende Modul versehen Sie die Aufnahme mit einem in Größe und Farbe frei definierbaren Rahmen und gegebenenfalls auch mit einem Schlagschatten (Abbildung 4).

Abbildung 4

Abbildung 4: Ein Schlagschatten verleiht dem Bild im Album mehr Tiefe.

Eine andere Variante, den Bildern einen eigenen Touch zu verleihen, finden Sie in der Rubrik Effekt unter Rahmen: Hier stehen knapp 50 Masken zur Verfügung, die Sie als Layer über das Bild legen. Dazu zählen unter anderem nach links und rechts auslaufende Transparenzen sowie Herz- und Sternmuster (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: Interessante Effekte wie Masken machen bisweilen auch aus vermeintlich langweiligen Aufnahmen echte Hingucker.

In der gleichen Rubrik stehen unter Clipart diverse Kleinbilder mit verschiedenen Motiven parat, mit dem Sie Ihr Album verschönern. Allerdings sollten Sie diese mit Bedacht verwenden, sonst sieht Ihr Fotoalbum schnell aus wie ein Kindermalbuch.

Schreib mal wieder…

Beschriftungen verwaltet DPS genau wie Bilder in Objektboxen. Um eine neue Box hinzuzufügen, genügt ein Klick auf das T-Icon in der rechts in der Schalterleiste. In der Grundeinstellung verwendet das Programm den Font Sans Serif, es stehen jedoch alle auf dem System installierten TTF-Fonts zur Verfügung.

Etwas umständlich gestaltet sich der "Erstkontakt" mit den Textboxen: Klicken Sie in den vordefinierten Text, scheint die Box zu verschwinden. Tatsächlich zeigt sie jedoch nur ein Eingabefeld an, in das Sie den gewünschten Text eingeben.

Um ihn anschließend zu formatieren, klicken Sie auf den kleinen, schwarzen Balken Zur Textbearbeitungs-Form wechseln am unteren Rand der Box. Im Dialog stellen Sie unter anderem Größe und Art der Schrift, Vorder- und Hintergrundfarbe sowie die Textausrichtung ein (Abbildung 6). Schlagschatten oder Transparenzen, wie sie die Bildboxen bieten, fehlen den Schriften jedoch bislang.

Abbildung 6

Abbildung 6: DPS nutzt die auf dem System installierten TTF-Fonts, und ermöglicht es Ihnen damit, beliebige Schriften in Ihrem Album zu verwenden.

Feinschliff

Auch zum Einrichten des Fotobuchs selbst bietet die Software einige Funktionen. So stellt sie in der Rubrik Hintergrund | Hintergrund dutzende nach Kategorien sortierte Bilder zur Verfügung, die Sie mittels Drag & Drop auf die gewünschte Seite ziehen. Klicken Sie am unteren Rand der Galerie neben Hintergrund Drop: auf Ändern, erscheint eine Auswahlbox, in der Sie festlegen, ob der Hintergrund nur für die aktuelle Seite, für alle Innenseiten, für die aktuelle Doppelseite oder für alle Doppelseiten zum Einsatz kommt.

Bevorzugen Sie eigene Aufnahmen als Motiv, ziehen Sie eine Foto aus der Vorschau in das Album. Daraufhin erscheint die oben beschriebene Abfrage, in der Sie die Verwendung einstellen. Möchten Sie das Album um Seitenzahlen ergänzen, klicken Sie es mit der rechten Maustaste ab und wählen aus dem nun erscheinenden Kontextmenü Seitenzahlen. Im Dialog legen Sie sowohl die Platzierung als auch Art und Farbe der Schrift fest.

Um einen Eindruck vom gesamten Album zu bekommen, klicken Sie rechts unten im Hauptfenster auf das Symbol mit dem Kreuz im Kreis, was die Vorschau öffnet. In der oberen Leiste zeigt sie paarweise die Seiten an, im Hauptfenster das jeweils markierte Blatt. Eine Animation beim Umblättern mit den Pfeiltasten an beiden Enden sorgt für einen realistischen Eindruck. Allerdings gerät die Vorschau deutlich kleiner als nötig und erschwert damit das Bewerten.

Wie alle Programme dieser Couleur fehlt DPS 4.8 eine Exportfunktion in offene Formate. Das Entwickeln der Alben ist entsprechend fest an den Anbieter Fotoglanz gebunden.

Fazit

Kritik und Anregungen setzte Farbglanz in kürzester Zeit in ihrem Produkt um. Hakte es anfangs noch an einigen Stellen – etwa der miserablen Darstellung von Transparenzen – lässt die Software im jetzigen Zustand kaum mehr Wünsche offen. Lediglich der Bildeditor könnte einige zusätzliche Funktionen vertragen. Der Farbglanz-Kanal auf Youtube [5] zeigt in acht Episoden anschaulich den Umgang mit DPS. 

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