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Out of the box

Freier KMU-Server

05.06.2009 Ebox bündelt intelligent nützliche Dienste, die Sie zum Aufbau eines kleinen und mittelgroßen Netzwerks benötigen. An Bord sind unter anderem ein DHCP-, DNS- und Webserver.

Wollen Sie ein kleines Heimnetzwerk mit Druckerserver, Dateiserver und womöglich einem Mailserver aufbauen, fühlen Sie sich mit Linux sicher gut bedient. Das Betriebssystem bringt schließlich im Paketmanager alles mit, was Sie an Software brauchen. Stöhnen werden Sie unter Umständen, wenn Sie die einzelnen Dienste konfigurieren und aufeinander abstimmen müssen. Dabei lernen Sie zwar viel, aber es erfordert auch eine Menge Zeit.

Der KMU-Server Ebox erleichtert Ihnen den Konfigurationsmarathon. KMU steht für "kleine und mittlere Unternehmen" und soll den Einsatzort für den Server umreißen. Doch auch im anspruchsvollen Privathaushalt und fürs Home-Office macht sich Ebox als Server gut. Die auf Ubuntu aufsetzende Software bietet – wie YaST unter OpenSuse – eine einheitliche (Web-)Oberfläche an, über die Sie alle Dienste verwalten. Das modular aufgebaute System befüllt dann unter der Haube die Konfigurationsdateien.

Um Ebox zu nutzen, sollten Sie sich ein wenig mit Netzwerken auskennen und etwa wissen, wozu Sie einen DNS-Server brauchen und was ein DHCP-Server leistet. Da das Handbuch zur Software [1] bereits Dutzende Seiten umfasst, kann der Artikel lediglich einen kleinen Einblick in die Vielseitigkeit des modular aufgebauten Servers geben. Zu den Modulen an Bord gehören unter anderem ein DNS-Server, ein DHCP-Server, ein Drucker- und Dateiserver, ein HTTP-Proxy, ein Mailserver, ein OpenVPN-Modul, ein Groupware-Server sowie eine Firewall. Sie betreiben über die Oberfläche Traffic Shaping und Traffic Balancing, verwalten Zertifikate, steuern die Firewall und richten Benutzer, Gruppen sowie Dateifreigaben ein. Das Portfolio von Ebox beeindruckt, doch der tatsächliche Verdienst der Ebox-Entwickler besteht in der guten Integration der Dienste.

Das Projekt selbst betreuen hauptsächlich spanische Entwickler. Die Software entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen DBS Servicios Informaticos und Warp Networks im Jahr 2004. Ebox sollte ein einfach zu verwaltender Server werden, um den sich zur Zeit die Firma eBox Technologies kümmert. Da Ebox unter der GPL steht, lebt das Unternehmen von Investoren, Fördergeldern und kommerziellen Support-Angeboten. Vor kurzem erschien die Version 1.0 der Software.

Wozu Ebox?

Als Anwender hilft es sicher, die Arbeitsweise der von Ebox angebotenen Dienste im Detail zu kennen. Die Software will aber auch weniger versierte Anwender erreichen. In diesem Fall empfiehlt sich Vorsicht im Umgang: Falsch konfiguriert legt Ebox schon mal ein Netzwerk lahm. Fortgeschrittenen Admins erspart Ebox hingegen die manuelle Parametrisierung der einzelnen Dienste.

Im internen Netzwerk richten Sie Ebox schnell und unkompliziert als Drucker- und Dateiserver ein. Stecken Sie zwei Netzwerkkarten in den Rechner, lässt sich dieser in ein Gateway verwandeln, über das Sie zügig und sicher ins Internet gelangen. Ebox kann in diesem Fall Ihren Router ablösen, eine Firewall kümmert sich um die Sicherheit des Servers.

Der Server läuft standardmäßig auf Ubuntu 8.04 "Hardy Heron". Es gibt die Software in Form von Paketen für die Releases "Hardy Heron" (8.04) und "Intrepid Ibex" (8.10), als Standalone-Distribution mit einem Installer an Bord sowie als Live-CD. Mit der letzten Variante probieren Sie Ebox erstmal gefahrlos aus und sehen sich die grafische Oberfläche an: Sie finden das Image auf der Heft-DVD.

Erste Schritte

Die Live-Version starten Sie, in dem Sie beim Booten live eingeben. Das Passwort zum Anmelden auf der Ebox-Web-Oberfläche lautet ebox. Die Distribution stellt eine schlichte IceWM-Oberfläche bereit und hat den Browser Firefox, den E-Mail-Client Mutt sowie die textbasierten Webbrowser W3m und Links an Bord. Über die Weboberfläche richten Sie verschiedene Dienste ein – rechts im entsprechenden Fenster erscheinen die jeweiligen Konfigurationseinstellungen, links die einzelnen Dienste und konfigurierbaren Bereiche. Zunächst stellen Sie über System | General die Language selection auf Deutsch und klicken dann auf Change. In der nun größtenteils deutschsprachigen Oberfläche erstellen Sie ein neues Passwort und sichern die Einstellungen dann über einen Klick auf Ändern, dann rechts oben auf Änderungen speichern und schließlich auf Speichern – ein etwas umständlicher Weg.

Links oben über Dashbord erreichen Sie eine Gesamtübersicht, die Details zu Ihren Netzwerkkarten, aber auch zu laufenden und gestoppten Diensten verrät (Abbildung 1). Rechts unter DHCP leases erscheinen die augenblicklich und vor kurzem beim Server angemeldeten Rechner. Weiter unten listet eine Übersicht auf, welche der Dienste gerade laufen und welche nicht (Abbildung 2). Je nachdem, was Sie mit Ebox anstellen, ändern sich die Inhalte der Widgets auf der Oberfläche.

Abbildung 1: Das Dashboard von Ebox: Es passt sich den Erfordernissen des Anwenders an und liefert eine Übersicht der laufenden Aktivitäten.

Abbildung 2: Auch die zur Zeit aktiven Dienste zeigt das Dashboard an.

Über den Eintrag Modul Status schalten Sie Module ein oder aus. Starten Sie zum Beispiel einen DHCP-Server nach dessen Konfiguration nicht explizit als Dienst, verweigert dieser später die Arbeit. Standardmäßig laufen die meisten Module nicht, damit potenzielle Angreifer während der Konfiguration keinen Unsinn mit Ebox anstellen. Einige Module lassen sich nur aktivieren, wenn Sie zuvor andere abhängige Module anwerfen: So braucht der HTTP-Proxy (Squid) für den Dienstantritt die Module Netzwerk und Firewall. Um den eingehenden und ausgehenden Netzwerk-Verkehr über Traffic-Shaping und -Balancing zu regeln, müssen Sie zuvor mindestens zwei Gateways einrichten.

Nehmen Sie Änderungen vor, verfärbt sich der Balken rechts oben hinter Änderungen speichern rot. Klicken Sie darauf, um die Modifikationen zu übernehmen. Mitunter fragt die Software noch einmal, ob sie die Veränderungen so speichern soll. In anderen Fällen müssen Sie – gemäß Debian-Policy – Modifikationen an wichtigen Konfigurationsdateien manuell und einzeln absegnen.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

Zum Blog von Kristian Kißling →


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