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Pinfo – ein Konsolen-Reader für Info-Seiten und Manpages

01.08.2007
Mit Pinfo erlebt die altbewährte Info-Seite ein farbiges Revival. Damit nutzen Sie die Standard-Dokumentation auf Ihrem Linux-System noch effektiver.

Negative Erlebnisse geben manchmal den Anstoß für eine positive Entwicklung. So erging es zum Beispiel dem Pinfo-Initiator Przemek Borys. Er entwickelte einen praktischen Konsolen-Reader, da ihn der Versuch zu sehr deprimierte, Gtk-Info-Einträge mit den Standardtools zu lesen. Das behauptet zumindest die Legende, die sich auf der Website des Projektes [1] findet. Dort liegt auch der Tarball mit dem Quellcode der aktuellen Programmversion [2]; alternativ greifen Sie zu den Dateien auf der Heft-CD.

Bei einigen Distributionen, wie OpenSuse oder Debian, gehört das Tool bereits zum Lieferumfang. Falls Sie keine Binärversion von Pinfo auf den Datenträgern oder in den Repositories Ihres Distributors entdecken, kompilieren Sie das Programm schnell aus den Quellen heraus. Der Kasten "Installation aus dem Quellcode" gibt dazu Hinweise.

Installation aus dem Quellcode

Um die Software auf Ihrem Rechner korrekt zu übersetzen, benötigen Sie die Ncurses-Headerdateien. Hinter Ncurses verbirgt sich eine Bibliothek, mit der Sie Applikationen für das Terminal mit einer einfachen, aber effizienten Bedienoberfläche versehen. Das passenden Paket mit den Header-Dateien hört auf die Endung -dev oder -devel und heißt zum Beispiel unter Ubuntu libncurses5-dev.

Haben Sie dies installiert, entpacken Sie zunächst das Archiv, und wechseln Sie mit cd in den neu entstandenen Ordner:

$ tar xvzf pinfo-0.6.8.tar.gz
$ cd pinfo-0.6.8/

Im nächsten Schritt rufen Sie das Configure-Skript auf. Dabei liefert der Parameter --help eine Liste der möglichen Optionen. Haben Sie alle wichtigen Optionen zusammen, konfigurieren Sie den Quellcode. Im Beispiel kommen keine Optionen zum Einsatz. Starten Sie mittels make das Übersetzen aus den Sourcen:

$ ./configure
$ make

Anschließend verschaffen Sie sich mit dem Befehl su administrative Rechte, um Pinfo mit dem Kommando make install systemweit zu installieren:

$ su
Password:
# make install

Alle Programmteile landen so in verschiedenen Unterverzeichnissen unterhalb des Pfads /usr/local/ auf dem Rechner.

Info klassisch

Was hat Borys dazu bewogen, einen eigenen Info-Reader zu schreiben? Werfen Sie dazu einen kurzen Blick auf die Mutter aller Info-Programme, das natürlich auf den Namen Info hört. Mit dem Kommando info info öffnen Sie das klassische Info mit der eigenen Info-Seite, wenn die Dokumentation auf Ihrem Rechner installiert ist. Ein Druck auf [?] teilt den Bildschirm in der Mitte. In der unteren Hälfte finden Sie die Programmhilfe – unter anderem mit Hinweisen zu den Tastenbefehlen.

Mit [N] wechseln Sie auf das nächste in der Kopfleiste angegebenen Kapitel, und [P] schaltet wieder zurück. Mit den Pfeiltasten navigieren Sie den Cursor im Dokument. Von Verweis zu Verweis, zu erkennen am Asterisk *, springen Sie mittels [Tab]. Sie folgen dem Link, indem Sie [Eingabe] betätigen. Mit [U] wechseln Sie eine Stufe höher in den Ebenen der Info-Dateien, und [L] bringt Sie zurück zum zuletzt gelesenen Text.

Wenn Sie sich genug in der Hilfe umgesehen haben, schließen Sie sie durch die in der Seite angegebene Kombination C-x 0. Gemeint ist damit, dass Sie zuerst [Strg] und [X] gemeinsam, und danach [0] (Null) drücken. Um Info gänzlich zu beenden, drücken Sie [Q] – ambitionierte Anwender steigen mit dem Emacs-typischen Tastensequenz [Strg]+[X][Strg]+[C] aus dem Programm aus.

Wie Sie vielleicht festgestellt haben, gibt sich das Programm insgesamt recht spröde und spartanisch, und die monochrome Oberfläche tut das übrige dazu (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Optik des klassischen Info-Readers zeigt sich sehr spröde.

Pinfo

Wie schaut das Ganze dagegen mit dem Reader von Przemek Borys aus? Um das herauszufinden, starten Sie Pinfo in einem Terminal ohne eine weitere Optionen. Nach dem Start des Programms ohne ein bestimmtes Info-Thema landen Sie in einer Übersicht, die den Inhalt der Verzeichnisse /usr/share/info/dir oder auch /usr/info/dir widerspiegelt. Damit verhält sich Pinfo wie sein Vorfahre Info. Natürlich wertet es ebenso wie dieser die Umgebungsvariable $INFOPATH aus. Darin stehen alle Pfade, in denen die Info-Reader nach den Themen suchen. Um herauszufinden, was die Variable auf Ihrem Rechner enthält, lesen Sie sie mit Befehl echo aus:

$ echo $INFOPATH
/home/akneib/.own/info:/usr/local/info:/usr/share/info:/usr/info:/opt/gnome/share/info

Das Bedienkonzept von Pinfo auf der Kommandozeile weist sowohl Ähnlichkeiten zu Info als auch zu Lynx auf. Wie sein Ahne kennt der Reader die Option -f. Damit öffnen Sie Dateien, die nicht in $INFOPATH stehen. Der Aufruf setzt jedoch voraus, dass Sie die Dateien mit vollem Pfad und Dateinamen angeben:

$ pinfo -f ~/software/screen.info.gz

Neben Info-Dateien versteht sich das Programm außerdem auf den Umgang mit Manpages. Dazu dient die Option -m:

$ pinfo -m echo

Im Beispiel zeigt der Reader den Inhalt der Manual-Seite zum Echo-Befehl. Alle Pfade, in denen die Software nach Manpages sucht, stehen in der Umgebungsvariable $MANPATH. Der Parameter -m ermöglicht es Ihnen zudem, eine Seite außerhalb dieses Pfades direkt anzuwählen:

$ pinfo -m ~/.own/elinks/man/man1/elinks.1

Neben dieser Option finden Sie mit der Option -a eine thematisch Liste aller Manpages. Sie entspricht dem Parameter --apropos des Standardbefehls Man für Manual-Seiten. Folgendes Kommando listet Ihnen alle Seiten auf, die das angegebene Stichwort pixel in der Kurzbeschreibung enthalten:

$ pinfo -a pixel

Im Pinfo-Fenster tauchen unter anderem Hinweise und anwählbare Links zu den Manpages von aa_imgheight, pgmslice oder XGetPixel auf. Weitere Optionen, die größtenteils das Design der Programmausgabe regeln, finden Sie mit dem Parameter -h für Hilfe.

In einem Dokument navigieren Sie entweder über die Tastatur oder mit der Maus. Hier zeigt Pinfo seine Nähe zu Lynx [4]. Nicht nur in Design und Optik gleicht es dem Webbrowser für die Konsole, auch das Bedienkonzept dürfte Lynx-Nutzern bekannt vorkommen. Sie steuern beide Programme weitgehend über die Pfeiltasten.

Unterschiedliche Teile des Dokumententextes, wie Verweise, Anmerkungen, FTP- und HTTP-Links oder Mail-Adressen, hebt Pinfo zwecks Übersichtlichkeit farbig hervor. Per Doppelklick mit der rechten Maustaste wählen Sie ein entsprechendes Element an. Einige wichtige Tastaturkürzel finden Sie zusammengefasst in der Tabelle "Tastaturkürzel".

Tastaturkürzel

Taste Funktion
[Pfeil oben] zeilenweise nach oben scrollen
[Pfeil unten] zeilenweise nach unten scrollen
[Pfeil rechts] dem Link folgen
[Pfeil links] Zurück
[Leer] Seite nach unten scrollen / zur nächsten Seite
[B] Seite nach oben scrollen / zur vorherigen Seite
[/] Suche im Dokument
[!] Shell-Befehl eingeben
[G] Ausdruck eingeben, um Menüpunkt zu finden

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