Aufmacher

Licht und Schatten

Professionelle Raw-Verarbeitung für Linux

01.08.2007
Komfortable Profi-Tools zum Verarbeiten von Digitalbildern, insbesondere im Raw-Format, gibt es unter Linux so gut wie nicht. Die Software Lightzone füllt diese Lücke mit einem innovativen Konzept.

Obwohl sich die technischen Prozesse seit der Fotografie mittels Negativfilm und Papierabzug gewaltig geändert haben, bleiben die prinzipiellen Probleme die gleichen. Zwar hantiert heute niemand mehr in der Dunkelkammer mit Chemikalien, sondern mit Maus und Tastatur am Bildschirm. Dabei zeigt sich jedoch immer wieder, dass moderne Bildbearbeitungsprogramme von Gimp bis Photoshop zu wenig der Denkweise der Fotografen entgegenkommen und deshalb trotz mannigfacher Werkzeuge nicht das optimale Ergebnis erzielen.

Lightzone hat deshalb einen anderen Ansatz und überträgt Ansel Adams Zonensystem konsequent auf die Manipulation digitaler Aufnahmen (siehe Kasten "Zonensystem"). Dabei ersetzt es jedoch kein vollständiges Bildbearbeitungsprogramm wie Gimp. Mit Lightzone holen Sie aber mit ein wenig Geschick in kürzester Zeit aus einem auf den ersten Blick durchschnittlichen Bild das heraus, was wirklich drinsteckt.

Zonensystem

Wer sich ernsthaft für Schwarz-Weiß-Fotografie interessiert oder früher sogar selbst Bilder entwickelt und vergrößert hat, stolpert über kurz oder lang über den amerikanischen Fotografen Ansel Adams, der zusammen mit Fred Archer in der Vierziger Jahren das sogenannte Zonensystem [1],[2] entwickelt hatte. Kurz gesagt geht es dabei darum, den gesamten technischen Prozess vom Belichten des Negativs bis zum Entwickeln des Positivs so zu steuern, dass es nicht der Zufall ist, der den Grauwert einzelner Motivteile bestimmt, sondern der Fotograf.

Das richtige Belichten bildete dabei nur den ersten, sehr wichtigen Aspekt. Der Begriff Richtig war in diesem Zusammenhang jedoch durchaus ambivalent: Manchmal gilt es abzuwägen, ob zum Beispiel besser die hellen Wolken durchzeichnet erscheinen und dafür Schlagschatten zulaufen, oder ob Sie auf Nuancen in den Schatten Wert legen und dafür die in den Wolken opfern.

Um hier bewusst einzugreifen, teilte Ansel Adams die Skala der Grauwerte von reinem Schwarz (0) bis zu reinem Weiß auf, wobei sich von Schritt zu Schritt die Belichtung stets verdoppelte. Er ging von einem Kontrastumfang von 1:10 000 aus. Das entspricht einem Schwarz-Weiß-Negativfilm. Schwarz-Weiß-Papier als letztendliches Ausgabemedium verfügt jedoch über einen geringeren Umfang. Das Ziel des technischen Prozesses ist es also, soviel Tonwertumfang wie möglich bis zum Endprodukt Papierbild zu retten. Wer die wunderschönen Bildbände und Kalender mit Fotografien Ansel Adams kennt, sieht, wie gut ihm das gelungen ist.

Download und Installation

Lightzone für Linux gibt es in Version 2.4 im Netz [3] als Tarball mit einem Umfang von zirka 25 MByte. Während dieser Artikel entstand, hat der Hersteller Lightcrafts seine Website neu strukturiert und damit den Zugriff auf die Linux-Version versperrt. Sollten die Probleme nach Redaktionsschluss noch nicht behoben sein, versuchen Sie die alternative Quelle [4].

Im Gegensatz zur Version für Windows und Mac (seit Ende Mai in der Version 3.0) kostet die Linux-Version nichts. Dafür gibt es auch keinerlei offiziellen Support. Es existiert jedoch eine Mailingliste, die ein Mitarbeiter betreut, der auch den Linux-Port erstellt hat. Hier finden Sie für Ihre Probleme in aller Regel ein offenes Ohr (siehe Kasten "Linux U-Boote").

Linux U-Boote

Es ist nicht das erste Mal, dass Mitarbeiter einer Firma Linux-Versionen von einem Programm quasi unter der Hand erstellen und nachträglich den Segen bekommen. StarOffice, die spätere Basis von OpenOffice, ist ein Beispiel dafür.

Das Unternehmen bietet das Tool für Linux zwar auf der offiziellen Website zum Download an. Mehr findet sich zum Thema Linux aber nicht. Selbst eine Anfrage zu den Hintergründen und der Motivation des beteiligten Mitarbeiters blockte die Firma entschieden mit dem Hinweis ab, außer dem Download gäbe es weder Support noch Kommunikation zum Thema Linux.

Das Lightcrafts fest in der Windows/Mac-Welt verwurzelt ist, versteht sich fast von selbst. An diesen Betriebssystemen kommen Sie heutzutage kaum vorbei, wenn Sie auf höchstem Niveau Bilder bearbeiten möchten. Offensichtlich herrscht aber auch die Angst, dass Linux kompliziert und ein Support-intensives Geschäft sei.

Damit versäumt LightCrafts möglicherweise eine unternehmerische Chance: Spielt es unter Windows/Mac immer nur die Rolle eines Nischenanbieters, wäre es relativ leicht, sich unter Linux zur Nummer eins zu entwickeln. Immerhin gibt es kein vergleichbares Produkt. Die Zuschriften auf der Mailingliste zeigen jedenfalls, dass Nutzer bereit sind, für gute Software einen angemessenen Preis zu zahlen.

Sie entpacken das Archiv mit tar -xvzf LightZone-rev.8224.tar.gz in einem Verzeichnis, in dem Sie Schreibrechte haben. Linux-konform machen Sie das als Benutzer root am besten im Verzeichnis /usr/local auf der Festplatte. Im Verzeichnis /usr/local/LightZone finden Sie anschließend eine ausführbare Skriptdatei (LightZone), mit der Sie die Software starten. Dies sollten Sie einmal als Benutzer root tun. Anschließend arbeiten Sie wieder wie gewohnt als normaler Benutzer. Im Test traten bei der Installation unter OpenSuse 10.2 keine Probleme auf. Ein paar zusätzliche Tipps zur Installation finden Sie im Kasten "Installations-Tipps".

Haben Sie keinen Rechner, der den SSE2-Befehlssatz unterstützt (also mehr als ungefähr drei Jahre alt ist), weichen Sie auf die Version 2.1 aus. Diese hat zwar ein paar kleinere Macken und läuft nicht ganz so stabil. Der Funktionsumfang ist jedoch überwiegend identisch. Ansonsten benötigt der Rechner viel Speicher, wie bei jedem Bildbearbeitungsprogramm. Als Minimum empfiehlt sich 1 GByte. Auf der Mailingliste trudelten aber auch Berichte ein, denen zufolge 512 MByte gereicht habe. Letztlich hängt es von Ihrer Geduld, der Größe des zu bearbeitenden Bildes und den Funktionen ab, die Sie nutzen wollen.

Installations-Tipps

Das Java-Programm Lightzone bringt eine eigene Laufzeitumgebung (Java-Runtime-Environment, kurz JRE) mit. Auf der Mailingliste berichten Anwender vereinzelt von Problemen, die sich durch ein Anpassen der JRE-Konfiguration beheben ließen. Dazu fügen Sie in der entsprechenden Konfigurationsdatei, im Beispiel /usr/local/LightZone/jre/lib/i386/jvm.cfg, die Zeile -client KNOWN am Anfang ein.

Ansonsten berichten auf der Mailingliste fast ausschließlich Anwender mit 64-Bit-Systemen von Problemen. Obwohl diese prinzipiell 32-Bit-Software, wie Lightzone, unterstützen, endet das nicht selten in einer Bastelei mit ungewissem Ausgang.

Beim ersten Start legt Lightzone im Homeverzeichnis des Benutzers zwei Unterverzeichnisse an: Einmal ~/LightZone/Templates für eigene Vorlagen. Das Verzeichnis macht wenig Probleme. Darüber hinaus aber erzeugt die Software mit ~/.lzncache einen Ablageort unter anderem für die berechneten Vorschaubilder, die zum Beispiel das Browser-Layout anzeigt. Dieses Verzeichnis wächst entsprechend schnell, wenn Sie mit vielen Bildern arbeiten. Sichern Sie Ihr Homeverzeichnis regelmäßig, so rechnen Sie mit längeren Sicherungszeiten und einer größeren Datenmenge. Um dies zu vermeiden, bietet es sich an, das Verzeichnis aus dem Backup zu nehmen.

Drei Ansichten

Nach der Installation starten Sie Lightzone über das angegebene Startskript. Noch einfacher funktioniert das natürlich, wenn Sie sich dafür auf Ihrem Desktop ein Icon anlegen. Im Verzeichnis /usr/local/LightZone finden Sie dazu ein passendes Bild.

Nach dem ersten Start begrüßt Sie Lightzone mit dem so genannten Standard-Layout (Abbildung 1). Neben diesem existiert noch das Browser- und das Editor-Layout. Die Standardansicht kombiniert Elemente der beiden letztgenannten. Sie wechseln zwischen den Ansichten sehr einfach über das Menü oder über die Tastenkombinationen [Strg]+[L] (Standard), [Strg]+[B] (Browser) und [Strg]+[E] (Editor) hin und her.

Abbildung 1: Das Standard-Layout von Lightzone verbindet wichtige Funktionen aus Spezialansichten in einem Modus.

Das Hauptfenster teilt sich prinzipiell in drei Bereiche auf. Links oben finden Sie einen Verzeichnis-Browser. Die Bilder des ausgewählten Verzeichnisses sehen Sie als Vorschaubilder im mittleren Fenster unten, wobei Sie die Größe dieser Bilder (auch Thumbnails genannt) über einen Schieber anpassen. In der linken Spalte unten sind Infos zum ausgewählten Bild zu sehen, die rechte Spalte zeigt den Tool-Stapel.

Die mittlere Spalte zeigt im oberen Teil ein größeres Vorschaubild der ausgewählten Datei. Klicken Sie doppelt auf eine Datei, oder wählen Sie aus dem Kontextmenü Edit, lädt das Programm das Bild in die Editor-Komponente (ebenfalls im oberen Teil). Die Größe der beiden Teilfenster verändern Sie, in dem Sie die Trennlinie verschieben. Im Browser-Layout fällt die rechte Spalte mit dem Tool-Stapel weg. Im Editor-Layout die linke Spalte sowie die Thumbnail-Ansicht. Sie haben mehr Platz für das zu editierende Bild.

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