Wer hat Angst vor ODT?
Open Document Format im Praxistest
Stille Post
Sicher kennen Sie das Spiel namens "Stille Post": Jemand flüstert dem rechten Nachbarn einen Satz ins Ohr, der gibt ihn wiederum an den Nebenmann weiter und so geht es reihum. Der Letzte in der Kette spricht den Satz laut aus. Das ist meist lustig, weil der Satz komplett anders lautet. Ähnliches erlebt man zur Zeit mit ODF.
Obwohl die Entwickler mit Hochdruck an der ODF-Implementierung arbeiten, versprechen die Marketing-Leute zu viel: Zwischen ODF unterstützen und ODF beherrschen liegen Welten. Keine Anwendung gibt das Originaldokument korrekt wieder. Drucken Sie es, verändert sich das Layout; reimportieren Sie es, erscheint wiederum ein völlig neues Dokument.
Die gute Nachricht: Die Dokumente lassen sich öffnen, der Text bleibt unversehrt, für sehr einfache Dokumente genügt der ODF-Support. Im Idealfall soll das einheitliche Format jedoch ein 1-zu-1-Abbild eines Dokuments schaffen: Das klappt mit keinem der freien Programme – auch nicht bei OpenOffice. Es kippt zwar als Referenzprogramm aus der Wertung, der Test während der Akademy offenbarte hier jedoch ebenfalls Schwächen.
Wo aber liegen die Probleme? Zunächst integrieren die Entwickler den ODF-Support unterschiedlich schnell. So versucht sich Abiword zumindest an Spalten, während Writely und KWord das Feature komplett ignorieren. Ein konkreteres Probleme haben die Textverarbeitungen mit den Schriften: Fehlt Abiword eine Schriftart, verschiebt sich das Layout, sobald die Software sie ersetzt. Auch mit Bildern, Spalten und der Platzierung einzelner Bereiche kämpfen die Programme noch.
Nachdem eine Gruppe erfolgreich den Standard ODF entwickelt hat, braucht es jetzt wohl eine zweite Gruppe, die für eine einheitliche Implementierung sorgt. Inge Wallin – Marketing-Koordinator bei KOffice – fasste die Situation in einem Blog-Kommentar zusammen: Die volle Unterstützung von ODF sei ein Langzeit-Ziel. Beim großen Umfang des Standards nehme es wenig Wunder, wenn die Programme zwischenzeitlich inkompatibel blieben, so Wallins Schlussfolgerung. Also sollten Sie mit dem Austausch komplexer Dokumente noch etwas warten – es sei denn, Sie mögen "Stille Post".
Unterstützte ODT-Features
|
| KWord 1.6 beta 1 | Abiword 2.4.5 | Writely |
|---|---|---|---|
| Kopf- und Fußzeile | 3 | 4 | 4 |
| Fußnoten | 4 | 3 | 3 |
| Spalten | 1 | 3 | 1 |
| Ebenen und Positionen der Elemente | 3 | 1 | 2 |
| Rahmen und Trennlinie | 5 | 1 | 4 |
| Text umläuft Bild | 1 | 1 | 3 |
| Schriftschnitt | 5 | 5 | 5 |
| Schriftart | 4 | 3 | 4 |
| Schriftgröße | 5 | 5 | 2 |
| Zeilenabstand | 5 | 5 | 3 |
| Zeichenfarbe | 5 | 5 | 5 |
| Hintergrundfarbe | 5 | 3 | 4 |
| Tabelle | 3 | 4 | 4 |
| Gesamt (Prozent) | 45% | 54% | 52% |
| Wertung: Schulnoten, Gesamtnote in Prozent | |||
Infos
[1] OASIS: http://www.oasis-open.org/home/index.php
[2] Testdokument: http://www.linux-user.de/Downloads/2006/11/odf/
[3] Akademy-Test von OpenOffice und KOffice: http://netmoc.cpe.ucf.edu/Projects/OpenDocument/TestSuite.html
[4] Abiword: http://www.abisource.com
[5] KOffice mit KWord: http://www.koffice.de
[6] Online-Editor Writely: http://www.writely.com



