Wer hat Angst vor ODT?
Open Document Format im Praxistest
Implementierungen
Wir öffnen das Textdokument im Test mit Abiword [4], KWord [5] und Googles Writely [6]. Letzteres ist dabei, weil zunehmend auch Online-Editoren ODF unterstützen. Der Vorteil solcher Programme besteht darin, dass Sie via Internet ortsunabhängig an Ihrem Dokument arbeiten. Sie brauchen lediglich einen Rechner mit Internetzugang und einen Browser, um die Online-Textverarbeitung zu nutzen – sensible Daten sollten Sie allerdings auf diesem Weg nicht bearbeiten.
Wir öffnen das Referenzdokument von OpenOffice Writer in den jeweiligen Anwendungen und vergleichen anschließend die Resultate. Dann speichern wir das Dokument im ODT-Format des jeweiligen Programms und öffnen es erneut in OpenOffice, um Änderungen zu erkennen.
TIPP
Wollen Sie erfahren, was in einer ODT-Datei steckt, entpacken Sie das Dokument einfach: Der Befehl unzip testdokument.odt zerlegt den Brocken in Einzelteile, die aus verschiedenen XML-Dateien und Ordnern bestehen, in denen Bilder und andere Elemente lagern (Abbildung 1) .
Mit einem einfachen Texteditor betrachten Sie die Bestandteile des Dokuments und nehmen bei Bedarf auch manuell Änderungen vor.
Das Testdokument
Das Referenzdokument besteht aus mehreren Schriftarten, Farben, Spalten, Zeilenabständen und enthält Tabellen, Fußnoten und ein Bild. In der Mitte der Kopfzeile steht kursiv der Titel des Dokuments in der Schriftart Century Schoolbook L und in Schriftgröße 9. Darunter folgt ein grau unterlegter Kasten mit einem ein Punkt breiten Rahmen. Der enthält die Überschrift in Schriftgröße 40, zentriert und in der Schriftart Bitstream Vera Serif.
Der Fließtext darunter nutzt dieselbe Schriftart: Er weist einen Zeilenabstand von 1,5 auf, bringt drei Fußnoten und vier fett hervorgehobene Wörter mit. Er reicht – formatiert als Blocksatz – bis an das auf der rechten Seite eingebettete Bild im GIF-Format heran. Allerdings nicht ganz: Links und unterhalb des Bildes sorgt ein kleiner Abstand für etwas Luft zum Text, der das Bild sauber umfließt.
Es folgt eine Trennlinie. Nun beginnt ein 3-spaltiges Layout mit Text und Tabellen. Der kursivierte Spaltentext im Blocksatz-Format nutzt Arial in Schriftgröße 12 als Schriftart. Er enthält drei invers eingelassene Schlagworte mit weißer Schriftfarbe auf schwarzem Hintergrund, in der dritten Spalte folgen zwei farbig unterlegte Tabellen. Das Testdokument endet mit drei Fußnoten sowie einer Fußzeile, die mittig eine Seitenzahl enthält.
Abiword
Wie knacken nun die Textverarbeitungen diese Nuss? Allen voran geht Abiword: Das Schreibprogramm steht seit kurzem in Version 2.4.5 als Autopackage bereit und blickt laut Changelog auf zahlreiche Bugfixes im Bereich ODF-Support zurück. Unbeeindruckt davon zerlegt die Software das Testdokument fachgerecht in Einzelteile (Abbildung 2).
Die Kopfzeile gibt es noch, auch ihre Schriftart und -größe stimmen. Sie klebt jedoch am obersten Rand des Dokuments. Es folgt der Rahmen mit der Überschrift: Abiword wählt Times New Roman obwohl es die Schriftart Bitstream Vera Serif mitbringt und hinterlegt lediglich die Buchstaben grau. Der restliche Hintergrund im Rahmen bleibt weiß. Das Bild befindet sich zwar auf der richtigen Seite, überlagert aber den Rahmen. Hinter dem Bild bricht der Fließtext um, der Abstand zwischen Text und Bild fehlt. Die drei Elemente Rahmen, Bild und Fließtext überlagern sich also, wobei letzterer nach oben rutscht.
Die fett gedruckten Worte im Fließtext haben die Verwandlung ebenso überlebt wie die Fußnoten, dafür fehlt die Trennlinie komplett. Auch den Spaltentext erwischt es: Ein Umbruch in der linken Spalte sorgt dafür, dass diese leer bleibt. Ihr folgt – in der korrekten Schriftart und in Blocksatz formatiert – der Text, der mit den zwei richtig formatierten Tabellen endet. Im Text sehen Sie aber drei weiße Lücken: Hier schreibt Abiword weiße Schrift auf einen weißen Hintergrund – ein Sieg für die Steganografie, leider schlecht lesbar. Die Fußnotentexte kleben direkt hinter der jeweiligen Zahl, die Seitenzahl in der Fußzeile verschwindet beim Ausdrucken des Dokuments, weil sie außerhalb des Druckbereichs liegt.



