Thinkfree Office 3.1

Als komplett in Java geschriebene Bürosuite will Thinkfree Office (TFO) den Anwender davon überzeugen, dass Plattformfreiheit keine Einbuße an Flexibilität und Performance bedeuten muss. Eine Lizenz des kommerziellen Büropakets kostet rund 35 US-Dollar. Auf der Internetseite [5] finden Sie eine 30-Tage-Demo der aktuellen Version 3.1 zum Download, der rund 87 MByte umfasst. Es handelt sich um ein selbstextrahierendes Shellscript, das sie am besten in der Konsole mit Root-Rechten starten. Es erscheint ein grafischer Installationsassistent.

Von hier an wirkt die gesamte Suite wie ein Microsoft-Office-Klon mit Java-Anstrich. Selbst das Logo von Thinkfree erinnert in Farbe und Form an Windows. Immerhin: Entsprechend intuitiv und sicher führt der Installer den Anwender durch die Einrichtungsprozedur. Obwohl in Java geschrieben, fügt sich Thinkfree Office äußerst gut in KDE ein: Der Installer legt auf Wunsch Desktop-Icons ebenso an wie die Kontextmenü-Verknüpfung Öffnen mit Thinkfree Write. Ein Schnellstartsymbol nistet sich in die KDE-Kontrollleiste ein, sodass der Benutzer einen schnellen Zugriff auf die drei Programme Write (Textverarbeitung), Calc (Tabellenkalkulation) und Show (Präsentation) sowie auf den Bereich Einstellungen erhält (Abbildung 5).

Abbildung 5: Thinkfree Office ist komplett in Java geschrieben und bietet auch eine Online-Version seiner Programme Writer, Calc und Show an.

Im Einstellungsdialog deaktivieren sie auf Wunsch auch das automatische Hochfahren des TFO-Schnellstarters (Abbildung 6). Allerdings unterlief den Programmierern dabei ein kleiner Fehler: Sie legen auch im Autostartordner von KDE einen Link zum Schnellstarter ab, was diesen beim nächsten KDE-Start zweimal in der Kontrollleiste erscheinen lässt. Löschen sie einfach den entsprechenden Link aus ~/.kde/Autostart und setzen Sie bei Bedarf das entsprechende Häkchen im Einstellungs-Dialog – dann arbeitet die Funktion wie vorgesehen.

Abbildung 6: Thinkfree Office bindet auf Wunsch auch eine Schnellstartfunktion in die KDE-Kontrollleiste ein.

Dass Thinkfree Office in Java geschrieben wurde, bemerkt der Anwender höchstens an den Java-typischen Dialogfenstern des Dateimanagers. Alle drei Programme laufen zufriedenstellend flüssig und starten dank Schnellstarter ausreichend flink. Dabei verbraucht diese Funktion längst nicht so viel Arbeitsspeicher, wie die des Openoffice-Pendants. Lediglich das Öffnen großer Dateien jenseits der 300-Seiten-Marke dauert ein paar Sekunden.

Einen ersten Blickfang stellt das Adobe-PDF-Symbol in der Werkzeugleiste der Programme dar: Thinkfree ist als einziger der drei kommerziellen Office-Software-Anbieter im Test in der Lage, seine Dokumente in das portable Datenformat zu konvertieren. Dabei haben die Entwickler das Paket so gut in die Systemumgebung eingebunden, dass der Versand des aktuellen Dokuments per KMail problemlos funktioniert.

Der Funktionsumfang der Textverarbeitung reicht aus, um Texte bis hin zum Fachbuch damit zu verfassen. Dabei ermöglicht es Write unter anderem möglich, automatisch Inhaltsverzeichnisse anlegen zu lassen, mit Fußnoten zu arbeiten und die Rechtschreibung noch während der Eingabe zu kontrollieren – Autokorrektur inbegriffen. Allerdings fehlt der aktuellen Version eine Serienbrief-Funktion komplett. Selbst das Einbinden externer Datenquellen für Feldnamen scheint nicht vorgesehen. Arbeitserleichterungen für das Teamwork sucht man ebenfalls vergebens.

Dafür glänzt die Tabellenkalkulation Calc mit durchdachten Assistenten zum Erstellen von Diagrammen. Die Funktionsvielfalt dürfte den normalen Büroalltag durchaus meistern, für die privaten Bedürfnisse genügt das Programm allemal. Die vielfältigen Funktionen zum Zeichnen verschiedenster Figuren (Symbolleiste Zeichnen) gleichen das Fehlern einer dedizierten Grafikanwendung gut aus und bieten einen zumindest für den privaten Einsatz ausreichenden Umfang.

Sehr gut gelungen ist auch die Präsentationsoftware Show: Mit wenigen Mausklicks erstellen Sie ansprechende Präsentationen, bei denen Sie sowohl den geschriebenen Text, als auch die erstellten Folien in einer Übersicht im Auge behalten. Die Möglichkeiten, Folien und deren Übergange zu gestalten, fallen durchaus vielseitig aus. Vorlagen und Assistenten für den schnellen Einstieg vermisst der suchende Anwender allerdings.

Die fertige Präsentation speichert man entweder im Microsoft-Powerpoint-Format, als HTML, PDF oder im skalierbaren Vektorgrafik-Format SVG. Auch die Programmteile Write und Calc speichern ausschließlich in den Microsoft-Formaten (DOC, XLS) sowie PDF und SVG. Eine Möglichkeit, Openoffice-Dokumente einzulesen, fehlt.

Eine Hilfefunktion bietet Thinkfree Office nur in einer englischen HTML-Fassung; die meisten Features erschließen sich dem Anwender aber ohnehin intuitiv.

Thinkfree: Fazit

Die Bürosuite Thinkfree Office machte beim ersten Hinsehen einen sehr guten Eindruck. Besonders positiv punktet Thinkfree Office mit der guten Systemeinbindung und der Möglichkeit des plattformübergreifenden Arbeitens. Selbst eine Online-Version der Bürosuite [6] gibt es: Sie befindet sich noch im Beta-Stadium und erfordert mindestens einen DSL-Internetzugang.

Der zweite Blick bringt allerdings auch bei TFO Defizite zum Vorschein, die es als alternatives Büropaket im professionellen Bereich kaum empfehlen lassen (Abbildung 7). Der Privatanwender mit einem Hang zum MS-Word-Format findet in der Software aber eine durchaus gelungene Alternative, wenn er bereit ist, dafür 35 US-Dollar zu zahlen.

Abbildung 7: Leider trüben einige Darstellungsfehler das ansonsten rechte gute Bild von Thinkfree Office.

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