Notizen aus dem Online-Wald
Weblog-Tipps aus der Redaktion
Boing Boing
Die englischsprachige Webseite BoingBoing (http://boingboing.net) existiert seit 1995 und bezeichnet sich nicht als Blog (der Begriff ist für die Seite eigentlich zu neu), sondern als "Verzeichnis wundervoller Dinge". Sie ging aus einem noch älteren gleichnamigen Fanzine in Papierform hervor, das Herausgeber Mark Frauenfelder und Carla Sinclair 1988 gründeten.
BoingBoing lebt von den Links, die Leser aus aller Welt täglich schicken und veröffentlicht abseitige, absurde und manchmal rührende Geschichten sowie schräge Bilder aus dem Alltag. Es gibt jeweils einen kurzen Hinweis, worum es geht, von wem der Link stammt und meist auch ein Foto. Die Seite würfelt die Fotos, Geschichten und Links bunt durcheinander: Da steht ein Bild von einem Kolibri-Schwärmer – einer Motte, die wie ein Kolibri aussieht – neben Fotos von Menschen, die als Muffins verkleidet durch die Wüste wandern, gefolgt von einer Anleitung, wie Sie beim Campen Geschirr ohne Wasser reinigen.
Auch Linux gerät öfter ins Blickfeld des Blogs, das sich – ganz im Sinne seiner Cyberpunk-Wurzeln – gegen restriktive Kopierschutz- und Copyright-Maßnahmen positioniert. Die Beiträge stehen unter der Creative Commons License, auf der Webseite finden Sie ein Archiv aller Beiträge zurück bis ins Jahr 2000.
Ebenso bunt wie die Themen, die BoingBoing aufgreift, sind die Menschen dahinter: Frauenfelder ist Journalist und Illustrator, arbeitete für die Zeitschrift Wired, dann für Playboy und leitet mittlerweile als Chefredakteur MAKE. In dem Bastlermagazin führen Hobbytüftler auch mal eine selbst gebaute, überlebensgroße Einschienenbahn vor. Carla Sinclair ist Autorin von Büchern wie "Netchicks" und "Signal to Noise" und schrieb in den 90er Jahren ebenfalls für Wired. Auch externe Autoren liefern Beiträge für BoingBoing, so die Science-Fiction-Schreiber Cory Doctorow und Rudy Rucker und der Wiener Künstler Johannes Grenzfurthner.
Bildblog
Eine besondere Form des Blogs ist das Watchblog. Es beobachtet eine bestimmte Institution, Firma oder Person und berichtet darüber – nicht selten in kritischer Form. Damit bildet es eine neue Art von Gegenöffentlichkeit, die durch das Internet eine größere Zielgruppe erreicht.
Bildblog (http://bildblog.de) ist so ein Watchblog, Gegenstand seiner Kritik ist die Bildzeitung. Die gehört noch immer zu Deutschlands meistverkauften Zeitungen mit durchschnittlich etwa 3,7 Millionen Lesern pro Tag. Bildblog begleitet die Berichterstattung von Bild: Täglich verfolgen rund 40.000 Leser, welche Peinlichkeiten, Ungenauigkeiten und Fahrlässigkeiten die Boulevardredaktion verlassen. Dabei recherchieren die Betreiber des Blogs einige Bild-Artikel selbst nach, erhalten aber auch sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung.
In vielen Fällen sind die Beiträge komisch, wenn etwa Bild und Online-Bruder Bild.de daran scheitern, das Alter einer Person korrekt anzugeben oder die Zeitung wiederholt alte Fotos als neu veröffentlicht. Manchmal schüttelt es den Leser, etwa wenn Chefkolumnist Franz Josef Wagner darüber schwadroniert, warum er seine "muselmanischen" Mitbürger fürchtet.
Für den täglichen Begleitservice räumte Bildblog dann auch den Grimme-Online-Award und den Leuchtturm-Preis des journalistischen "Netzwerk Recherche" ab. Mit 40.000 Lesern kommt es zwar nicht an die Bild-Millionen heran, zeigt aber, dass ein gut gemachtes Blog durchaus ein ansehnliches Publikum erreicht.



