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Freie Software für Rechtsanwälte

01.09.2006 Rechtsanwälte schauten bislang in die Röhre, wenn es um freie Software für ihren Arbeitsplatz ging. Jetzt machen Kumula Cases und RVGX Linux fit für den Anwalts-Desktop.

Im Gegensatz zum Betriebssystemmarkt ist der Markt für Rechtsanwaltssoftware nicht durch monopolistische Strukturen geprägt. Viele Anbieter konkurrieren um die Gunst der Juristen. Dennoch befinden sich Anwaltskanzleien fest in Microsoft-Hand. Sowohl deutsche Softwareschmieden (wie RA-Micro) als auch amerikanische (wie Amicus Attorney) bauen auf die Windows-Plattform. Anwaltssoftware für das freie Betriebssystem ist weit und breit nicht auszumachen. Der Tenor ist eindeutig: Den Softwareherstellern fehlt es schlicht an der entsprechenden Nachfrage.

Benötigte Funktionen

Die wohl wichtigste Funktion einer Kanzleisoftware ist die Verwaltung von Akten samt aktenspezifischen Zusatzfunktionen. Dazu zählen das Erfassen der am Fall beteiligten Parteien, die Koordination von Terminen, das Speichern von Schriftstücken und das Protokollieren von Zahlungsein- und -ausgängen. Genau diese Anforderungen erfüllt Kumula Cases. Eine ebenfalls wichtige Funktion – die Abrechnung des Anwaltshonorars – beherrscht die Software jedoch nicht. Unterstützung hierfür bietet jedoch RVGX.

Installation

Die Grundlage für die hier besprochenen Anwendungen bilden die Programmiersprache Python, das Toolkit Qt in der Version 3 sowie deren Schnittstelle namens PyQt. Diese drei Pakete stellt normalerweise die Distribution zur Verfügung. Einen beliebter Stolperstein stellt das Fehlen der Datenbanktreiber dar. Unter Suse Linux ist dazu das Paket qt3-mysql zu installieren. Gentoo-User müssen dagegen darauf achten, dass Qt mit USE="mysql" kompiliert wurde.

Um nun die Anwendungen zu installieren, laden Sie zunächst das Kumula-Framework mit den Basis-Anwendungen [1] sowie die separat erhältliche Aktenverwaltung [2] (beide auch auf der Heft-CD) herunter. Beide Pakete entpacken Sie in ein beliebiges Verzeichnis, wobei ein neues Unterverzeichnis namens kumula entsteht. Die Dateien der Aktenverwaltung fügen sich nahtlos in das Verzeichnis ein.

Anschließend ist die Installation der Datenbank an der Reihe. Dazu benötigen Sie einen funktionierenden MySQL-Server, der wahlweise auch auf einem anderen Rechner im Netzwerk residieren darf. Mit dem Shell-Befehl mysqladmin -u root -p create kumula und Eingabe des richtigen Rootpassworts von MySQL legen Sie eine leere Datenbank mit dem Namen kumula an. Nun richten Sie Tabellen in der soeben erzeugten Datenbank ein. Im Verzeichnis kumula/sql befinden sich die dazu notwendigen SQL-Skripte. Die folgenden Befehle generieren die Tabellen für das Basispaket sowie die speziell für die Aktenverwaltung benötigten Tabellen:

mysql -u root -p -D kumula < kumula/sql/kumula-base.mysql
mysql -u root -p -D kumula < kumula/sql/kumula-cases.mysql

Die ebenfalls unter [2] verfügbare Datei casetypes-and-recordtypes.sql (auch auf der Heft-CD) enthält deutschsprachige Definitionen für Akten- und Buchungssatztypen, die sich auf die gleiche Weise installieren lassen.

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