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Hin und mit

Programme installieren mit Klik

01.07.2006 Klik macht möglich, wovon viele Anwender träumen: Es installiert Software auf einen Mausklick und ohne Abhängigkeitsprobleme.

Der Weg zur begehrten Software kann unter Linux machmal steinig sein. Enthalten die Repositories der Distribution das gewünschte Paket nicht, hilft eventuell ein Blick ins Internet. Oft bietet die Homepage der Lieblingsanwendung kein passendes Binärpaket an – dann hilft nur der Griff zu Quellcode und Compiler. Noch härter trifft es die Anwender von Live-Distributionen: Hier überleben nachträglich installierte Programme den Neustart nicht, es bleibt nur die Sicherung der herunter geladenen Pakete und die Neuinstallation nach jedem Neustart.

Derartige Probleme kennen Apple-Anwender nicht. Sie arbeiten mit "Bundles": Dabei handelt es sich um nichts anderes als ein komprimiertes Archiv, das eine komplette Anwendung samt aller notwendigen Bibliotheken beherbergt. Ein Mausklick auf das Bundle genügt, und schon startet das darin enthaltene Programm. Alle dazu nötigen Aktionen und Abläufe übernimmt das Betriebssystem automatisch im Hintergrund.

Da eine Anwendung nun genau einer Datei entspricht, lassen sich auch verschiedene Versionen eines Programms nebeneinander betreiben. Zudem verschwinden keine Programme und Bibliotheken mehr auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen des Verzeichnisbaumes. Auch die Deinstallation vereinfacht sich drastisch: Um eine Anwendung wieder loszuwerden, zieht man das entsprechende Bundle einfach in den Papierkorb.

Will haben!

"Diesen Komfort wollen wir auch unter Linux", sagten sich die Initiatoren des Klik-Projektes [1] und entwickelten kurzerhand den KDE-based Live Installer for Knoppix+Kanotix. Wie der Name bereits andeutet, dachten die Erfinder primär an einen Einsatz auf Live-CDs. Mittlerweile ist das ebenso geniale wie einfache System aber auch für viele andere Distributionen zu haben. Dazu zählen derzeit Suse Linux 10 und höher, Fedora Core ab Version 4 sowie alle Debian-basierten Systeme, wie etwa (K)Ubuntu oder Knoppix und dessen Derivate. Beim verwendeten Desktop ist Klik nicht ganz so wählerisch: Zwar war es ursprünglich ganz auf KDE geeicht, kommen inzwischen aber auch mit Gnome zurecht.

TIPP

Um Klik unter (K)Ubuntu zu betreiben, müssen Sie einige Pakete nachrüsten. Dies erledigen Sie am schnellsten auf der Kommandozeile mit dem Befehl:

sudo apt-get install binutils↩
 libstdc++5 rpm

Unterstützt Ihre Distribution Klik, benötigen Sie als nächstes den Klik-Client. Er holt später die Anwendungen aus dem Internet und sorgt für deren reibungslosen Start. Jeder Benutzer, der später Software aus Bundles nutzen möchte, muss den Client gesondert einrichten. Dazu dient der Befehl:

# wget klik.atekon.de/client/↩
install -O -|sh

Dies kopiert den Klik-Client in Ihr Home-Verzeichnis, bereitet den Desktop auf das neue System vor und passt – nach Abfrage des Root-Passworts – einige systemweite Einstellungen für den Betrieb von Klik an. Hat die Installation geklappt, erscheint ein entsprechendes Bestätigungsfenster. Anschließend öffnet sich der Web-Browser mit der Klik-Homepage. Hier finden Sie ein umfangreiches Archiv mit Klik-fähigen Anwendungen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Auf der Klik-Homepage finden Sie ein umfangreiches Software-Archiv, sortiert nach Kategorien.

Derzeit umfasst der Katalog über 4000 Programme, neue kommen ständig hinzu. Haben Sie eine interessante Anwendung gefunden, genügt ein Mausklick auf den Link und schon wandert das Programm auf Ihre Festplatte (Abbildung 2).

Abbildung 2: Folgen Sie auf der Klik-Homepage dem Paketnamen, so erscheint eine Seite mit Programminformationen, sowie einem Link, über den man das entsprechende Bundle beziehen kann. Hier im Bild ist die Informationsseite zu Xvier.

Deinstallation 

Um das Klik-System wieder loszuwerden, steht ein Deinstallationsskript zur Verfügung. Sie starten es auf der Kommandozeile mit dem Befehl:

wget klik.atekon.de/client/↩
uninstall -O -|sh

Zu Redaktionsschluss war es jedoch nicht in der Lage, alle vom Installationsskript vorgenommenen Änderungen wieder zurückzunehmen. Es entfernte lediglich die beiden wichtigsten Dateien:

  • $HOME/.klik (der eigentliche Klik-Client)
  • $HOME/.zAppRun (wird ausgeführt, wenn man ein Bundle anklickt)

Für eine erfolgreiche Deinstallation nicht zwingend erforderlich ist es, einige weitere vom Installationsskript manipulierte Dateien auf ihre ursprünglichen Inhalte zurückzusetzen. Das gilt es wie erwähnt derzeit händisch zu erledigen, betroffen sind folgende Dateien:

  • $KDEHOME/share/services/klik.protocol (klik://-Protokoll)
  • $KDEHOME/share/applnk/klik/klik.desktop (klik://-Protokoll)
  • $KDEHOME/share/applnk/klik/.directory (K-Menü-Eintrag)
  • $KDEHOME/share/mimelnk/all/cmg.desktop (KDE erkennt .cmg-Dateien)
  • $KDEHOME/share/applnk/.hidden/AppRun.desktop (Klik verarbeitet .cmg-Dateien zuständig)
  • /etc/fstab (Verzeichnisse in /tmp/app, in die Klik die Bundles zur Laufzeit einhängt)

Adressen

Neben dem Anwendungskatalog gibt es noch eine andere Möglichkeit, an eine Klik-fähige Anwendung zu gelangen: Während der Installation hat der Klik-Client den Web-Browser um das Protokoll klik:// bereichert (siehe Kasten "Klik im Browser"). Das macht die Installation eines Programms so einfach wie das Aufrufen einer Internetseite.

Geben Sie beispielsweise im Browser die Adresse klik://xvier ein, so nimmt der Browser automatisch Kontakt mit der Klik-Homepage auf und lädt die Anwendung xvier herunter (Abbildung 3). Dabei handelt es sich um eine Umsetzung des Spiels "Vier gewinnt", die sich aufgrund ihrer geringen Größe hervorragend für einen ersten Test eignet.

Abbildung 3: Bevor Klik einen Download startet, zeigt es an, von welchem Internet-Server es die Anwendung tatsächlich holt.

Der Bezeichner hinter klik:// leitet sich dabei intuitiv aus dem jeweiligen Programmnamen ab. Den für Ihr Lieblingsprogramm gültigen Namen finden Sie entweder über die Homepage der Anwendung oder im bereits angesprochenen Klik-Katalog.

Klik im Browser

Klik arbeitet mit einer ganzen Reihe von Web-Browsern zusammen – darunter Konqueror, Firefox und Opera und Firefox. Das Installationsskript erkennt sie automatisch und bereitet sie für Klik vor. Bei anderen Browsern muss man das Klik-Protokoll (klik://...) selbst anmelden – wo und wie, unterscheidet sich von Browser zu Browser. Meist existiert ein Punkt Programme oder Externe Programme. Dort wählt man für das Protokoll einfach den Bezeichner klik und als zugehörige Anwendung .klik aus dem Home-Verzeichnis.

Abbildung 4: Beim Download eines Bundles über Firefox erscheint diese Warnmeldung. Bei der angesprochenen Anwendung handelt es sich um das Skript .klik, weshalb Sie die Ausführung gestatten können.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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