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RAW-Bilder verarbeiten

Freie Software macht's möglich

Als Mutter aller RAW-Software stellt Dcraw eine recht ungewöhnliche Erfolgsgeschichte freier Software dar [1]. Programmierer Dave Coffin fing bereits 1997 an, sich mit dem Reverse Engineering der undokumentierten RAW-Formate verschiedenere Hersteller zu beschäftigen. Dabei war er so erfolgreich, dass sein Dcraw in viele andere Programme integriert wurde oder zumindest als Referenz diente, die das jeweilige RAW-Format ausführlich dokumentiert. Selbst die Entwickler von Adobe Photoshop haben sich bei Coffins selbst erworbenem Wissen bedient, als Sie ihre RAW-Filter implementierten. Die Initiative OpenRAW setzt sich mittlerweile für die Offenlegung der RAW-Formate durch die Hersteller ein [2].

Dcraw gibt es für die meisten Distributionen als fertiges Paket. Da der Autor das Programm aber ständig verbessert, empfiehlt sich die Installation von Hand. Tipps dazu gibt der Kasten "Dcraw übersetzen".

Dcraw übersetzen

Da es sich nur um ein einfaches Kommandozeilen-Tool handelt, setzt Dcraw nur wenige Bibliotheken voraus: libjpeg und liblcms (Little CMS). Außerdem erschöpft sich der gesamte Quellcode in einer Datei, sodass Dave Coffin auf Makefiles und anderen Schnickschnack gleich ganz verzichtet. Zur Übersetzung genügt eine Zeile:

cc -O4 -o dcraw dcraw.c -llcms -ljpeg

Der Parameter -O4 aktiviert die Optimierung, die Dcraw spürbar beschleunigt. Sollte das Tool häufig abstürzen, versuchen Sie es mit einer niedrigeren Optimierungsstufe (0 bis 3) oder lassen den Schalter ganz weg. Um Dcraw ohne die beiden Bibliotheken zu kompilieren, ersetzen Sie -llcms -ljpeg durch -lm -DNO_JPEG -DNO_LCMS. Ohne die Jpeg-Bibliothek verlieren Sie lediglich die Möglichkeit, Bilder von einer Koda DC120 zu decodieren. Das Fehlen der Little-CMS-Bibliothek beraubt Dcraw seiner Farbmanagement-Fähigkeiten.

Dcraw hält sich streng an die alte Unix-Philosophie, sich auf genau eine Aufgabe zu konzentrieren. Es liest RAW-Formate, verarbeitet sie gemäß den angegebenen Parametern und schreibt das Ergebnis im PPM-Format in eine neue Datei. Wer andere Ausgabeformate wünscht, muss die Datei weiterverarbeiten oder dcraw über Pipes mit anderen Programmen verketten. Folgende Kommandozeile konvertiert die RAW-Datei mit dem Weißabgleichwert der Kamera (-w) ohne weitere manuelle Verarbeitung in ein 8-Bit-Bild (-2) und wandelt das Ergebnis über eine Pipe mit dem Imagemagick-Tool convert ins TIFF-Format:

dcraw -2 -w -c IMG_0120.CR2 | convert - IMG_0120.tif

Der Dcraw-Schalter -c sorgt dafür, dass das Programm die errechneten Bilddaten in die Standardausgabe schreibt. Die Verwendung des Kamera-Weißabgleichs über -w setzt natürlich voraus, dass die Kamera bei der Aufnahme richtig eingestellt war. Alternativ versucht Dcraw mit -a einen automatischen Weißabgleich. Manuell steuern Sie die Farbtemperatur mit den Schaltern -r für den Rot- und -b für den Blaufaktor, die per Default auf 1.0 eingestellt sind. Für wärmere Bilder wählen Sie also einen höheren Wert für -r.

Wie schon angedeutet, geht bei der Konvertierung der RAW-Bilder in nur acht Bit Farbtiefe einiges an Information verloren. Um die ganze Dynamik an Farbwerten für die spätere Weiterverarbeitung zu konservieren, gibt Dcraw mit der Option -4 die Bilddaten mit 16 Bit Farbtiefe aus. Handelsübliche Bildbetrachter zeigen solche Bilder allerdings stets zu dunkel an, und auch nicht jedes Bearbeitungsprogramm beherrscht eine solche Farbtiefe.

Bequemer mit Gimp

Wem das ganze Experimentieren mit Dcraw-Parametern zu mühsam ist, der kann auf ein Gimp-Plugin zurückgreifen, das wie so viele andere auf das freie Tool zurückgreift. Die Initialen in UFRaw stehen nach Auskunft des Autors für Unidentified Flying Raw – oder aber für den eigenen Namen Udi Fuchs. Auch hier sollten Sie das neueste Paket von der Homepage [3] laden und selbst übersetzen. Dazu brauchen Sie die Gimp-Entwicklungsbibliotheken, die Sie unter den Namen gimp-devel (Fedora), libgimp-dev (Debian/Ubuntu) oder ähnlichen finden.

Haben Sie das Paket mit make install ins Gimp-Plugin-Verzeichnis befördert, steht es in Gimp im Dialog zum Öffnen einer Datei zur Verfügung. Erkennt UFRaw das Format, öffnet es ein Fenster, das alle Einstellungen zur RAW-Konvertierung enthält (Abbildung 1). Neben der visuellen Kontrolle hilft das Histogramm im unteren Bildbereich beim Einstellen. Es zeigt die statistische Verteilung der Farben und Helligkeiten im Bild, wobei es links die Dunkel- und rechts die Helltöne anzeigt.

Abbildung 1: Das Gimp-Plugin UFRaw lässt den Anwender die wichtigsten Parameter der RAW-Konvertierung einstellen und grafisch kontrollieren.

Investieren Sie auf jeden Fall genügend Zeit auf die richtigen Einstellungen zur Konvertierung: Hat Gimp das Bild erst einmal geladen (sprich: in acht Bit konvertiert), bleibt nur noch ein begrenzter Spielraum für Korrekturen. Ihr ursprüngliches digitales Negativ, das RAW-File, bleibt jedoch davon unberührt, sodass Sie die "Filmentwicklung" jederzeit wiederholen können.

Ein optimal belichtetes Foto zeigt eine relativ ausgewogene Verteilung, bei der die Verteilungskurven nicht die Grenzen links und rechts überschreiten – die Ausnahme schwieriger Lichtverhältnisse bestätigt die Regel. In solchen Fällen bleibt immer noch die Möglichkeit, ein Bild zweimal zu konvertieren: einmal so, dass die dunklen Bildteile optimal ausgeleuchtet sind, ein zweites Mal für die hellen Bildpartien. In Gimp fügen Sie beide dann mit einer Maske zum perfekten Bild zusammen.

Professionellere Möglichkeiten der Weiterbearbeitung bietet Cinepaint, ein Gimp-Ableger, der bereits in einigen Hollywood-Filmen zur Retusche von Einzelbildern zum Einsatz kam [4]. Cinepaint basiert allerdings noch auf Gimp 1.2 und wirkt dementsprechend etwas altbacken. Im Gegensatz zu Gimp beherrscht es Bilder mit 16 Bit Farbtiefe und bietet auch die Möglichkeit, Farbprofile zum Farbmanagement zu verwenden. Diese Thema ist allerdings äußerst komplex und muss deshalb einem eigenen Artikel vorbehalten bleiben.

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