Volle Kontrolle
Prozess beobachten und beenden auf der Kommandozeile
Signal zum Angriff
Mit dem Programm Kill senden Sie Signale an Prozesse. Dazu gehören unter anderem Anweisungen, die eigene Konfigurationsdatei neu einzulesen (SIGHUP), ordnunsgemäß die Arbeit niederzulegen und hinter sich aufzuräumen (SIGTERM) oder auch einfach ohne Rücksicht auf Verluste die Biege zu machen (SIGKILL).
Praktisch sind ebenfalls die Aufforderungen, eine Pause einzulegen (SIGSTOP) und die Arbeit wieder aufzunehmen (SIGCONT). Eine vollständige Liste aller möglichen Signale erhalten Sie über kill -l (Abbildung 3). Sämtliche Signale dürfen Sie nur an eigene Prozesse senden – lediglich der Administrator darf mit den systemweiten Prozessen oder denen anderer Benutzer kommunizieren.
Standardmäßig schickt der einfache Kill-Aufruf das Signal 15 an den Prozess; als weiteres Argument geben Sie die eindeutige PID an: kill 4200. Hilft das alles nichts, und der Prozess taucht weiterhin in der Liste auf, greifen Sie zu drastischeren Mitteln und schicken den Job ins Jenseits.
Das Signal zum Abschuss definieren Sie dabei entweder über seinen numerischen Wert (kill -9 4200) oder über seinen Namen (kill -KILL 4200) – beachten Sie, dass bei der zweiten Variante die Vorsilbe SIG weglassen. Verscheucht dies den Prozess auch nicht, ist guter Rat oft teuer: Meistens reicht es, auf den Timeout zu warten, in seltenen Fällen verschwindet das Überbleibsel allerdings erst nach dem nächsten Rechnerstart.
Praktisch ist auch das gezielte Anhalten von Tasks (kill -19 pid
). Soll die Arbeit weitergehen, schicken Sie an die Prozessnummer die Aufforderung kill -18 pid
>. Um beispielsweise eine geänderte Konfiguration eines Super-Daemons, wie Inetd oder Xinetd neu einzulesen, schicken Sie dem Server das Signal HUP:
kill -1 `cat /var/run/inetd.pid` kill -1 `cat /var/run/xinetd.pid`
Killerkommando
Das Programm Killall versteht dieselben Signale wie sein Kollege Kill, nimmt aber anstelle der Nummer den Namen des Prozesses entgegen. Ohne Spezifikation des Signals geht Killall davon aus, dass Sie -15 (-TERM) senden. So ruft der Befehl killall firefox-bin dazu auf, alle Instanzen des Browsers ordentlich zu beenden.
Da Sie mit Killall wirklich einen Rundumschlag ausführen, ist hier Vorsicht geboten – das Kommando killall bash beendet alle Instanzen der Bash, inklusive der Shell, in die Sie den Befehl getippt haben. Mit der Option -i gehen Sie daher in den interaktiven Modus und entscheiden für jeden Prozess einzeln, ob dieser ins Jenseits wandert:
$ killall -i xterm xterm(3838) abbrechen? (y/n) y xterm(4242) abbrechen? (y/n) n xterm(4246) abbrechen? (y/n) y xterm(4250) abbrechen? (y/n) y
Das Killerkommando fragt jetzt unter Angabe der PID nach: Entscheiden Sie selbst für jeden einzelnen Prozess, ob dieser weiterlaufen darf (Druck auf [N]). Geben Sie stattdessen [Y] ein, heißt es: "Time to say goodbye".
Glossar
Xinetd
Dienstprogramme (Daemons) starten oft beim Systemstart und schlummern so lange vor sich hin, bis ein bestimmtes Ereignnis eintritt. Um die Anzahl der wartenden Daemons zu verringern, gibt es die Möglichkeit, Netzwerkdienste über einen so genannten Super-Daemon, wie den Internet Service Daemon (Inetd) oder Extended Internet Service Daemon (Xinetd), zu starten. Diese Superserver überwachen die einzelnen Ports und wecken den benötigten Dienst auf.
Inetd
Dienstprogramme (Daemons) starten oft beim Systemstart und schlummern so lange vor sich hin, bis ein bestimmtes Ereignnis eintritt. Um die Anzahl der wartenden Daemons zu verringern, gibt es die Möglichkeit, Netzwerkdienste über einen so genannten Super-Daemon, wie den Internet Service Daemon (Inetd) oder Extended Internet Service Daemon (Xinetd), zu starten. Diese Superserver überwachen die einzelnen Ports und wecken den benötigten Dienst auf.



