Was Du heute kannst besorgen… Dinge, die Sie zu einem späteren Zeitpunkt auf einem Linux-System ausführen wollen, müssen Sie nicht umständlich notieren, um diese dann doch wieder zu vergessen: Mit dem Programm At definieren Sie sofort, was irgendwann später einmal passieren soll, und auch Cron erledigt zuverlässig immer wiederkehrende Aufgaben automatisch.
Damit diese Aufgaben pünktlich erledigt werden, werkelt im Hintergrund in beiden Fällen ein so genannter Daemon, der jede Minute nachschaut, ob es neue Aufträge gibt. Der At-Daemon heißt atd, und bei Cron ist cron(d) verantwortlich.
At zu Diensten
Sie rufen At aus der Kommandozeile heraus auf und übergeben weiterhin den Zeitpunkt, an dem At den Auftrag ausführen soll. Anschließend tippen Sie in einer Art Shell weitere Kommandos ein und beenden At danach durch Drücken der Tastenkombination [Strg]+[D]:
$ at 07:00 warning: commands will be executed using /bin/sh at> mpg321 -z /home/huhn/mp3/* at> <EOT> job 6 at 2006-01-03 07:00
Pünktlich um 7 Uhr am nächsten Morgen weckt Sie nun der Kommandozeilen-Player Mpg321, indem er Songs aus dem Verzeichnis /home/huhn/mp3/ in zufälliger Reihenfolge abspielt – natürlich muss der Rechner dann auch eingeschaltet sein.
Den Zeitpunkt können Sie auf ganz unterschiedliche Weise angeben; die Tabelle "Zeitformate für At" listet die gebräuchlichsten Schreibweisen auf. Beachten Sie, dass At auch das Neustarten des Rechners überlebt und sich merkt, was in den nächsten sechs Monaten auf dem Plan steht.
Zeitformate für At
| Format | Bedeutung |
|---|---|
16:16
|
16:16 Uhr am heutigen Tag. |
07:00pm
|
19:00 Uhr am heutigen Tag (ohne Angabe von am oder pm ist immer am gemeint).
|
now
|
Jetzt |
tomorrow
|
Morgen |
today
|
Heute |
now + 10min
|
In zehn Minuten; weiterhin ist die Angabe von Stunden (hours), Tage (days), Wochen (weeks) und Monaten (months) möglich.
|
noon tomorrow
|
Um 12:00 Uhr am nächsten Tag; alternativ versteht At auch teatime (= 16:00 Uhr) oder midnight (= Mitternacht).
|
6/9/06
|
Am 9. Juni 2006; alternative Schreibweisen für das Datum sind z. B. 6.9.06 und 6906.
|
Nach getaner Arbeit schickt At eine Mail an den Auftraggeber und berichtet über den Job (Abbildung 1) – egal, ob dieser erfolgreich war oder eine Fehlermeldung verursacht hat. Damit das funktioniert, muss ein Mail-Server (zumindest für die lokale Zustellung) konfiguriert sein. Für Kommandos, die standardmäßig keine Ausgabe erzeugen, wie beispielsweise rm, mv oder cp, erzwingen Sie die Benachrichtigung per E-Mail. Dazu geben Sie beim Start die Option -m an, etwa at -m 13:31.
Jobs anzeigen und löschen
Alle At-Kommandos, die noch auf ihre Ausführung warten, finden Sie in der Warteschlange wieder. Diese zaubern Sie auf den Bildschirm, wenn Sie at -l oder atq aufrufen:
$ atq 7 2006-01-03 07:00 a huhnix 11 2006-01-03 12:00 a huhnix 12 2006-06-09 14:24 a huhnix
Leider gibt sich At an dieser Stelle nicht besonders informativ und verrät lediglich die Job-Nummer am Zeilenanfang, das Datum und die Uhrzeit, den Namen der Warteschlange (a) und den Benutzernamen. Welcher Befehl da aber auf seine Ausführung wartet, das lässt die Liste im Dunkeln. Als normaler Benutzer sehen Sie außerdem nur die eigenen Jobs; lediglich der Systemadministrator erhält eine vollständige Liste aller wartenden Aufträge.
Wer ganz genau wissen will, was die Zukunft bringt, schaut als Administrator ins Verzeichnis der At-Jobs unter /var/spool, zum Beispiel /var/spool/atjobs/ (bei Suse Linux) oder /var/spool/cron/atjobs/ (unter Debian) – die Textdateien verraten u. a. ganz am Ende, welcher Befehl ausgeführt wird.
Um einen At-Auftrag wieder zu löschen, geben Sie den Befehl at -d oder entsprechend atrm unter Angabe der Job-Nummer ein:
$ atrm 7 11 $ atq 12 2006-06-09 14:24 a huhnix



